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Versicherungskarten verschiedener gesetzlicher und einer privaten Krankenkasse.
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Erich Wartusch
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Versicherungskarten verschiedener gesetzlicher und einer privaten Krankenkasse.

Zusammen mit den Milliarden-Überschüssen der letzten drei Quartale haben die Krankenkassen nun insgesamt 21 Milliarden Euro an Betriebsmitteln und Rücklagen. Gleichzeitig aber werden wie immer gegen Ende des Quartals nicht alle Patienten wie gewünscht behandelt.

Behandlungen werden zum Teil nicht mehr durchgeführt

"In diesem Jahr keine Physiotherapien mehr möglich!" Dieses Schild am Eingang einer Münchner Hausarztpraxis zeigt das Dilemma, in dem sich manche Ärzte befinden. Das Budget ist gedeckelt, bestimmte Behandlungen können nicht öfter als vorgesehen verschrieben oder durchgeführt werden. Sonst zahlt der Arzt am Ende selbst drauf.

Markus Beier, Vorsitzender des Bayerischen Hausärzteverbandes, sagt: "Es gibt weiterhin in dem Bereich Heilmittel Regresse und Limitierungen. Das ist etwas, wogegen wir sehr stark angehen, weil es unseren Nachwuchs abschreckt, weil es für unsere Patienten nicht gut ist und weil auch Mittel da wären, um sie in die Versorgung zu geben."

Hausärzte befürchten Rückzahlungen bei Grippeimpfstoff-Bestellung

Ein weiteres Beispiel für eine solche Einschränkung sind für Beier die eher zurückhaltenden Vorbestellungen des Grippeimpfstoffs, wo für Hausärzte die Gefahr bestünde, bei zu vielen Bestellungen etwas zurückzahlen zu müssen. Diese Haltung der Ärzte kommt bei den Krankenkassen nicht gut an.

"Wir haben kein Verständnis dafür, wenn Ärztinnen und Ärzte mit Verweis auf angeblich erschöpfte Budgets bestimmte Leistungen nicht mehr ermöglichen. Jeder hat das Recht, die medizinische Behandlung zu bekommen, die notwendig ist." Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes

Aktuelle Überschüsse der Krankenkassen seien kein Grund dafür, Leistung nach Kassenlage zu machen, so der Sprecher der Gesetzlichen Krankenkassen. Stattdessen verweist er auf einen Zuwachs von zehn Prozent Ausgaben in den ersten drei Quartalen 2018 im Bereich Heilmittel, zu denen zum Beispiel auch die Physiotherapie gehört.

Gesetzliche Krankenkassen senken Zusatzbeitragssatz

Für viele Versicherte machen sich die erheblichen Überschüsse der Krankenkassen aber auf andere Weise bemerkbar. "Aufgrund der insgesamt guten Finanzsituation haben in diesem Jahr bereits gesetzliche Krankenkassen mit insgesamt 21,9 Millionen Versicherten ihren Zusatzbeitragssatz gesenkt", so Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.