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Trotz stabiler Zahlen: Italiens Angst vor einer zweiten Welle | BR24

© dpa/picture-alliance/Matteo Trevisan

Obwohl die Zahl der Corona-Fälle in Italien auf relativ niedrigem Niveau liegen, ist die Furcht vor einem erneuten Ausbruch groß.

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    Trotz stabiler Zahlen: Italiens Angst vor einer zweiten Welle

    Während Spanien oder Frankreich von der zweiten Corona-Welle erfasst werden, bleiben in Italien die Infektionszahlen niedrig. Dabei verzeichnet das Land mit die meisten Opfer. Über Italiens Lehren aus dem Frühjahr.

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    Lore Dana reicht ihrer Kundin drei Laibe Brot und ein Stück Pizza über die Theke. Die Angestellte der Bäckerei "il vostro pane quotidiano" in Rom ist froh, wieder Kunden im Laden begrüßen zu können. "Der Lockdown war hart, wir suchen immer noch den Weg zurück in die Normalität. Wie für alle Einzelhändler, war es ein sehr schwieriges Jahr für uns."

    Der Lockdown im Frühjahr hat die Bäckerei schwer getroffen. Sie machten nur 30 Prozent des üblichen Umsatzes. Langsam läuft das Geschäft wieder an - auch dank niedriger Infektionszahlen in Italien. 1.392 Neuinfizierte waren es vorgestern, auch die Tage zuvor blieb die Zahl an neu positiv auf Corona Getesteten konstant unter 2.000 - im Gegensatz zu Spanien, Frankreich und Großbritannien scheint Italien bisher verschont zu bleiben von einer zweiten Welle.

    Für die Verkäuferin ist das eine gute Entwicklung. "Wir haben als Land unsere Lektion gelernt. Vielleicht auch, weil wir von der hohen Zahl an Toten tief erschüttert waren. Nun handeln wir vorausschauender, auch weil wir die ersten waren, die betroffen waren, haben wir nun hilfreiche Maßnahmen gefunden."

    Vom Trauma der ersten Corona-Welle

    Italien ist noch immer auf Platz zwei bei den Corona-Toten in Europa - 34.000 Italiener sind dem Virus zum Opfer gefallen. Nur in Großbritannien waren es mehr. Das Trauma der ersten Corona-Welle scheint nachzuwirken: Die meisten Italiener halten sich an die Maskenpflicht in Geschäften, in Bussen und Bahnen. Sogar im Gottesdienst im Petersdom feiern die Gläubigen mit Maske über Nase und Mund. Unternehmen sind verpflichtet, täglich bei ihren Mitarbeitern Fieber zu messen. Sogar in Modeläden und Cafes kommt die Fiebermess-Pistole zum Einsatz. Küsschen zur Begrüßung gibt es nur noch für allerengste Freunde. Die Italiener haben sich, so scheint es, zurechtgefunden mit den Einschränkungen. Größere Corona-Demonstrationen gegen die Maßnahmen - bislang Fehlanzeige. Viele sind zufrieden mit dem Status quo.

    Gleichzeitig ist sie da, die Furcht vor der zweiten Welle. "Die Disziplin der Leute ist jetzt viel größer", berichtet man auf der Straße. "Die Angst ist immer da, aber solange die Zahlen niedrig bleiben, passt es."

    Disziplin, Testkultur und ein Sommer daheim

    In den Fernsehnachrichten gibt es täglich Corona-Updates mit der Zahl an Neuinfizierten. Wieso das Land aktuell gut dasteht, dafür gibt es mehrere Gründe, sagt Professor Roberto Cauda, Direktor am Institut für Infektionskrankheiten des Gemelli-Krankenhauses in Rom: "Die älteren Menschen haben verstanden, wieso die Vorsichtsmaßnahmen so wichtig sind. Und: Im Frühjahr gab es keine Testkultur. Mittlerweile werden in Italien täglich mehr als 100.000 Tests gemacht. Dies führt dazu, auch die asymptomatischen Fälle zu finden, die, wie wir jetzt wissen, stark für die Übertragung des Virus verantwortlich sind."

    Darüber hinaus, so der Epidemiologe, blieben im vergangenen Sommer viele Italiener im Land. Die Übertragung durch Reiserückkehrer und Touristen hielt sich in Grenzen. Sollten die Zahlen an Infizierten wieder ansteigen, so der Forscher, würden nicht noch einmal in Italien derart viele Menschen wegen Covid-19 sterben. "Wir wissen, dass Kortikosteroide die Sterblichkeit verringern. Eine Information, über die wir im Frühjahr nicht verfügten."

    Dass das Schlimmste überstanden ist, hoffen viele im Land. Auch Lore Dana fürchtet einen möglichen zweiten Lockdown. Vor ihrer Bäckerei hat sie ein großes Schild hingestellt, mit dem Hinweis, die Maske über Nase und Mund zu tragen. Mit Kreide steht darunter geschrieben: "Wer meint, es anders handhaben zu wollen, kann gerne woanders hingehen."

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