BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: picture alliance / empics | Emma Bowden

Die Kinderbetreuung ist in der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung. Viele Familien setzen da auf Au-pairs – junge Menschen, die nach Deutschland kommen und in den Familien leben. Doch das ist nun nicht mehr so einfach.

4
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Trotz Einreiseerlaubnis: Au-pairs dringend gesucht

Die Kinderbetreuung ist in der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung. Viele Familien setzen da auf Au-pairs – junge Menschen, die nach Deutschland kommen und in den Familien leben. Doch das ist nun nicht mehr so einfach.

4
Per Mail sharen
Von
  • Linus Lüring

Für viele Familien ist es gerade nicht einfach, ein Au-pair zu finden. Denn die jungen Leute, die aus Nicht-EU-Ländern kommen, durften wegen der Corona-Pandemie lange nicht einreisen. Das ist inzwischen wieder möglich, aber die Schwierigkeiten gehen trotzdem weiter.

Familie aus dem Allgäu: Im März sollte das Au-pair kommen

Eigentlich war für Familie Schöll aus Fischen im Allgäu alles klar: Im März 2020 wollte die 22-Jährige Jessica aus der Elfenbeinküste zu ihnen kommen. Als Au-pair sollte sie sich um die beiden Kinder der Familie kümmern, erklärt Carmen Schöll.

Aber, auch wenn alle Formalitäten erledigt waren und das Visum erteilt war – wegen der Corona-Bestimmungen war die Einreise für Au-pairs wie Jessica, die nicht aus der EU kommen, im Frühjahr und Sommer nicht möglich. Aus EU-Staaten durften Au-pairs schon seit Juni wieder nach Deutschland kommen.

"Durch den regelmäßigen Kontakt haben wir immer gesprochen, haben gesagt: Mensch, das wird schon! Wir warten noch ein bisschen, halt durch!" Carmen Schöll, zweifache Mutter und Gastronomin

Seit November Einreise für alle Au-Pairs theoretisch möglich

Familie Schöll betreut 16 Ferienwohnungen und mehrere Restaurants. Auch wenn der Betrieb deutlich eingeschränkt ist wegen Corona – die Schölls brauchen eine Kinderbetreuung. Seit Jahren haben sie deshalb immer wieder Au-pairs.

Dann endlich gibt die Bundesregierung Mitte November grünes Licht: Auch Au-pairs aus Nicht-EU-Staaten dürfen wieder einreisen, wenn sie länger als sechs Monate in Deutschland bleiben und einen Au-pair-Vertrag mit einer Familie haben.

Also hätte auch Jessica aus der Elfenbeinküste zu Familie Schöll ins Allgäu reisen können. Aber es kam anders.

"Als klar war, dass sie kommen kann, hat sie sich dann gegen eine Einreise entschieden, weil es einfach zu lange gedauert hat." Carmen Schöll, zweifache Mutter und Gastronomin

Kritik an Botschaften wegen Visavergabe

Für Familie Schöll beginnt die komplizierte Au-pair-Suche jetzt von vorn. Aber auch Familien, deren Au-pairs nach wie vor kommen möchten, haben ein Problem. Denn oft müssen Visa in den deutschen Botschaften vor Ort neu beantragt werden. Zwar soll es vereinfachte Verfahren für Au-pairs geben, die bereits ein Visum hatten.

Aber die Botschaften vergeben teilweise im Moment an Au-pairs gar keine Termine oder erst in den kommenden Monaten, erklärt Sandrine Link. Sie vertritt als Vorsitzende des Dachverbands Au-Pair-Society die Interessen vieler Vermittlungsagenturen.

"Es läuft noch nicht so ganz. Wir versuchen positiv zu bleiben und hoffen natürlich, dass sich mehr tut und dass die Botschaftsmitarbeiter uns auch entgegenkommen." Sandrine Link, Au-pair-Vermittlerin

Auswärtiges Amt: Visastellen in den Botschaften arbeiten derzeit häufig nur im Notbetrieb

Der sozialpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Pascal Kober, hatte sich dafür eingesetzt, dass Au-pairs wieder einfacher nach Deutschland kommen können. Er begrüßt, dass das jetzt wieder möglich ist, kritisiert aber auch, dass die Visaerteilung lange dauert.

"Wir würden uns hier mehr Engagement von Seiten des Auswärtigen Amtes wünschen, die Auslandsvertretungen vor Ort auch in die Lage zu versetzen, diese Visum-Anträge auch zu bearbeiten. Ich denke da vor allen Dingen an digitale Möglichkeiten." Pascal Kober, sozialpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion

Das Auswärtige Amt erklärt auf BR-Anfrage, dass die Visastellen in den Botschaften derzeit wegen der Corona-Pandemie häufig nur im Notbetrieb arbeiten könnten. Gleichzeitig würde man überall auf der Welt mit Hochdruck daran arbeiten, dass Visa für Personengruppen, die trotz der geltenden Corona-Bestimmungen einreisen dürfen, möglichst schnell erteilt werden können. Dazu zählen auch Au-pairs.

Familien verzweifelt auf der Suche nach Au-pairs

Wie viele Familien derzeit in Deutschland auf ein Au-pair warten, ist unklar. Fest steht allerdings, dass die Zahl der Au-pairs in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Im vergangenen Jahr kamen rund 15.000 nach Deutschland, davon die Hälfte aus Nicht-EU-Ländern wie Georgien, Kolumbien oder Russland.

Viele verzweifelte Familien versuchen nun auf unterschiedlichen Wegen, ein Au-pair zu finden, zum Beispiel in Facebook-Gruppen. Gleichzeitig bewerben sich dort auch Personen aus der ganzen Welt, um als Au-pair nach Deutschland zu kommen. Sandrine Link von Au-pair-Society mahnt zur Vorsicht.

"Da sollte man als Familie Fingerspitzengefühl mitbringen. Generell ist es besser, eine Agentur zu kontaktieren, weil die Personen auch überprüft werden sollten. Wir haben vor Ort Partneragenturen und die können dann sagen, die Bewerberin gibt es wirklich. Das sind keine Fakeprofile. Wir verlangen auch, dass sie dann einen Corona-Test machen bei der Einreise." Sandrine Link, Au-pair-Vermittlerin

Familie Schöll hatte vor kurzem Glück. Ein Au-pair aus Madagaskar, das bereits in Deutschland war und nach einer neuen Familie suchte, konnte zu ihnen ins Allgäu kommen. Aber Mitte Januar muss die Frau wieder nach Hause. Für Carmen Schöll geht die Suche weiter.

Wenn wir dann wieder öffnen dürfen, dann muss ich natürlich auch wieder arbeiten. Und das Jahr wird für uns in der Gastronomie mit Sicherheit anstrengender als alle Jahre zuvor, was wir natürlich auch hoffen. Und dann muss ich natürlich auch bereitstehen. Aber ohne Au-pair-Mädchen ist die Situation sehr schwierig für mich. Carmen Schöll, zweifache Mutter und Gastronomin

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

B5 aktuell

Von
  • Linus Lüring
Schlagwörter