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Trotz Corona: Wie der Strandsommer doch noch klappen könnte | BR24

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Noch ist unklar, wie schnell Reisen wieder möglich sein werden.

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Trotz Corona: Wie der Strandsommer doch noch klappen könnte

Die Sonne scheint, doch die Strände sind leer wie sonst nur im Winter. An der mecklenburgischen Ostseeküste suchen viele nach Möglichkeiten, den Tourismus in Corona-Zeiten doch noch möglich zu machen.

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Blauer Himmel, die Sonne strahlt. Fast ironisch gut ist das Wetter in diesen Tagen in Warnemünde. Für Franziska und Martin Treichel hätte eigentlich vor einem Monat die Saison begonnen. Bis zu 300 Strandkörbe vermieten sie in bester Lage am Strand - normalerweise. Gerade gibt es nur einen einzigen: zu Vorführzwecken. Drin sitzen dürfen nur die Treichels selbst. Geschäftlicher Betrieb am Strand ist verboten wegen Corona.

Auch ihr Holzpavillon mit Ausschank und Terrasse, an dem sie Gäste sonst gastronomisch versorgen, muss geschlossen bleiben. Restaurants, Bars, Cafés dürfen in Mecklenburg-Vorpommern und auch anderswo in Deutschland Getränke und Snacks derzeit nur außer Haus verkaufen. Am Strand ist noch nicht mal das erlaubt. Zu groß die Angst der Behörden, dass ein offener Verkauf zu viele Leute auf einmal anziehen könnte.

Strandkörbe als Quarantänezentrum

Ganz einleuchtend findet Franziska Treichel das nicht. "Dann kaufen die Leute ihre Getränke eben im Supermarkt und setzen sich damit an den Strand", sagt sie. Sie und ihr Mann hoffen, dass eine Verlangsamung der Corona-Infektionen doch noch eine verkürzte Saison möglich machen wird. Zumindest die Strandkörbe seien eigentlich kein Problem, selbst in Corona-Zeiten, betont Martin Treichel. Schließlich könne man da sogar Kontaktverbote einhalten. Für ihn ist ein Strandkorb "wie so ein kleines Quarantänezentrum". Da sitzt man, ist abgeschirmt und hat eigentlich mit den Nachbarn überhaupt nichts zu tun, sagt er.

Außerdem teile sich ja keiner mit Fremden einen Strandkorb, sondern mit dem Partner oder der Familie. Trotzdem überlegen die Treichels, dieses Jahr weniger Strandkörbe aufzustellen, um noch mehr Platz zwischen den Körben zu lassen. Wenn es denn überhaupt wieder erlaubt ist.

Nur die Wildschweine schauen vorbei

Auch Oliver Behrens würde gern wieder etwas aufgestellt sehen: Zelte und Wohnwagen nämlich. Fläche hat er auf seinem Campingplatz in Graal-Müritz genug. Auch er will reduzieren: Statt 500 könnte es nur 300 touristische Stand- und Zeltplätze geben, wenn das Öffnen erlaubt würde. Das Areal im Wald ist weitläufig, derzeit schauen aber nur ab und an die Wildschweine vorbei.

Hauptproblem ist auch für ihn nicht der Platz im Freien, sondern die Frage: Wie lassen sich die Abstandsregeln in den Sanitäranlagen einhalten. Gerade testet Behrens, ob Waschbecken mithilfe von Plexiglaswänden voneinander abgetrennt werden können. Und er denkt über ein Ampelsystem nach, damit sich niemand beim Gang zu Klo oder Dusche zu nahe kommt.

Die Kosten laufen weiter

Im Feriendorf, das Angela Heiland in Markgrafenheide leitet, ist das kein Thema. Dort hat jede Familie, die anreist, ihr eigenes Bad. Trotzdem will die Chefin für noch mehr Platz sorgen, als ohnehin schon da ist. Die Dünenhäuser bestehen eigentlich aus drei Einheiten, in diesem Sommer will Heiland die mittlere Einheit frei lassen. Weniger Gäste, dafür mehr subjektives Sicherheitsgefühl. Buffet und Wellness werden allerdings bis auf Weiteres tabu bleiben. Dafür soll der Lieferservice auf dem Gelände ausgebaut werden. Statt Frühstück im großen Restaurantsaal, Brötchen für die individuelle Terrasse.

Drei Tage bräuchten sie und ihr Team, um wieder richtig loszulegen, sagt Heiland. Aber im Prinzip sei man jederzeit bereit. So sehen es auch die Treichels und Oliver Behrens. Alle wünschen sich, am besten schon morgen wieder Gäste zu empfangen. Im Moment verdient keiner von ihnen Geld, die Kosten laufen aber weiter. Und für jeden von ihnen geht es noch um mehr: Es sind Lebenswerke, die vor dem Ruin stehen könnten. Aber die Sonne scheint und das hält irgendwie auch den Optimismus hoch. Nur wie realistisch sind Hoffnungen, dass in diesem Sommer der Betrieb wenigstens eingeschränkt möglich ist?

Wenig Chancen auf normalen Tourismus

Tobias Woitendorf schaut auf die hochglanzgeputzen Segelboote am Pier von Rostock, die auf Ausfahrten warten. Der Tourismusdirektor von Mecklenburg-Vorpommern gibt sich zuversichtlich. Aber auch er weiß, solange quasi ein Reiseverbot innerhalb Deutschlands gilt und keine Gäste an die Ostsee reisen dürfen, gibt es wenig Chancen auf normalen Tourismus. Nächste Woche soll es Gespräche über eine vorsichtige Lockerung zwischen Landesregierung und Branchenvertretern geben. Die Verbände haben bereits erste Vorschläge gemacht, wie man Tourismus phasenweise und langsam wieder zulassen könnte.

Es gehe schließlich auch um viele Arbeitsplätze, jeder fünfte arbeite hierzulande in diesem Bereich, sagt Woitendorf. Und versucht, schon weiterzudenken. Momentan sei die Corona-Ansteckungsrate innerhalb von Mecklenburg-Vorpommern sehr gering, und es sei klar, dass man das so halten wolle. Wenn es irgendwann mehr Testkapazitäten gebe, könne man auch über das Testen von Urlaubern auf Corona nachdenken, dies sei aber noch ferne Zukunftsmusik. Es komme jetzt darauf an, praktische Maßnahmen zu planen.

Das heißt: Restaurants und Hotels mit weniger Belegung, keine Großveranstaltungen. Die Zahl der Übernachtungsgäste könne man steuern, erklärt Woitendorf. "Bei Tagestouristen ist es natürlich komplizierter, weil man natürlich nicht weiß, welche Menschen da kommen - vielleicht müsste man darüber nachdenken, ob und wie man Kontrollen oder auch Limits einführen kann." Wichtig sei aber, dass nun möglichst bald Klarheit geschaffen werde, unter welchen Bedingungen die Saison möglicherweise doch starten könne. Und ob überhaupt. "Nur vom theoretischen Beginnen des Tourismus werden die Unternehmen nicht überleben können."

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