BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Trotz britischer Mutation: Die Schweden genießen ihre Skiferien | BR24

© BR Bild/dpa-Bildfunk/Pontus Lundahl

Schweden, Are: Vor einem Skilift bilden sich lange Schlangen. Skifahrer halten Abstand, um die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

26
Per Mail sharen

    Trotz britischer Mutation: Die Schweden genießen ihre Skiferien

    Ihre Sportferien lassen sich die Schweden nicht nehmen, trotz der britischen Corona-Mutation und der Warnung vor einer dritten Welle. Die Behörden bleiben bei ihrem Grundprinzip: Es gibt kaum Verbote, statt dessen wird auf die Vernunft gesetzt.

    26
    Per Mail sharen
    Von
    • Ines Schneider
    • Carsten Schmiester

    Sportlov, wörtlich übersetzt "Sportferien", sind für Schweden fast schon eine heilige Tradition. Seit den 1940er Jahren gibt es in den vier großen Regionen des Landes gestaffelt je eine Woche schulfrei - gegen Ende des Winters. Ursprünglich, um Heizkosten in den Schulen zu sparen, später dann im Sinne der "Volksgesundheit": Bewegung und frische Luft nach langen Monaten vor dem Ofen.

    Die Freizeitmaschinerie läuft auf Hochtouren - trotz Corona

    Heute ist das Ganze eine riesige Spaßmaschine in den nördlichen Skigebieten des Landes, die darauf wirtschaftlich angewiesen sind. Und diese Maschine läuft und läuft - trotz der britischen Corona-Mutation und der Warnungen vor einer dritten Welle. Die schwedische Gesundheitsbehörde bleibt dabei auf ihrem seit Beginn der Pandemie nur leicht veränderten Sonderweg und bei ihrem Grundprinzip: Es gibt kaum Verbote, stattdessen das Vertrauen auf die Vernunft der Menschen.

    Schweden verteidigt seinen Sonderweg

    Staatsepidemiologe Anders Tegnell verteidigt die Öffnung der Skigebiete, in denen sich seit Anfang der Woche Zigtausende tummeln: "Wäre es denn besser, wenn alle Stockholmer zu Hause blieben und in die Einkaufszentren gingen, statt auf sichere Art und Weise in die Berge zu fahren und dort auf Distanz zu gehen?"

    Sara Byfors arbeitet wie Tegnell bei der Gesundheitsbehörde. Wenn es ein Risiko gäbe, meint sie, dann das, dass lokale Krankenhäuser und Ärzte mit den vielen Gästen überfordert sein könnten. Das sei aber auch vor der Pandemie schon so gewesen:

    "Skifahren an sich sehen wir nicht als Risiko. Man ist draußen und es ist gut für die Gesundheit, sich zu bewegen. Wichtig ist, wie man sich verhält, damit man andere nicht ansteckt: Bei der Anreise, aber auch vor Ort. Dass man keine neuen Kontakte knüpft, zuhause einkauft, nicht mit anderen zusammen wohnt und unter sich bleibt." Sara Byfors von der schwedischen Gesundheitsbehörde
    © BR Bild/dpa-Bildfunk/Pontus Lundahl

    Sportferien in Schweden. Skifahrer halten beim Schlangestehen vor den Liften Abstand

    Soweit die Theorie: Bisherige Erfahrungen mit Skiurlaubern zeigen allerdings eher gegenteiliges, nämlich sehr geselliges Verhalten. Die Schweden müssen sich in den diesjährigen Sportferien also extrem zusammenreißen und auf alles verzichten, was sonst vor und nach dem Skifahren Spaß macht. Der Staat verlässt sich darauf - und die Gastgeber freuen sich über das Geschäft. Sofie Andersson leitet das des Skiresort Fjätervålen in Dalarna. "Die gesamte Saison ist fantastisch“, sagt sie. "Ski- und Osterferien sind komplett ausgebucht.“

    Nicht ganz so happy ist dagegen Anders Lindblom. Er ist als Arzt für den Seuchenschutz in Dalarna verantwortlich: "Wir sehen derzeit einen Anstieg der Infektionen hier. Deshalb ist es wichtig, dass man sich an die Regeln hält. So minimiert man das Risiko, aber ganz ausschließen kann man es nie."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!