Nach der ersten Hilfe und den ersten Tagen in Sicherheit bricht bei vielen Flüchtlingen ein Traumta auf.

Nach der ersten Hilfe und den ersten Tagen in Sicherheit bricht bei vielen Flüchtlingen ein Traumta auf.

Bildrechte: Picture Alliance/dpa/Robert Michael (Symbolbild)
    >

    Trauma-Therapien: Projekt hilft Geflüchteten

    Trauma-Therapien: Projekt hilft Geflüchteten

    Wie im Jahr 2015 gibt es nun auch im Ukraine-Krieg eine große Hilfsbereitschaft für ankommende Schutzsuchende. Doch Helfende kommen an ihre Grenzen, wenn bei Flüchtlingen etwa Traumata aufbrechen. Eben da setzt das Projekt TRIGG an.

    Wenn Sabine Turpeinen Nachrichten über den Krieg in der Ukraine hört, werden ihre eigenen Kriegs-Traumata wach. Die Ängste, die ihre Eltern während des Zweiten Weltkriegs hatten, haben sie ihrer Tochter weitervererbt. Deswegen war die 70-Jährige früher selbst in Therapie; und deswegen kann sie sich gut in die Menschen hineinversetzen, die nun aus der Ukraine fliehen: "Sie sind erstmal erleichtert und glücklich, dass sie es geschafft haben, dass keine Bomben auf sie gefallen sind. Aber in ein paar Wochen, ein paar Monaten, werden die Traumata kommen."

    Psychotherapeutische Hilfe fehlt – vor allem auf dem Land

    Damit Geflüchtete dann möglichst professionelle Hilfe bekommen, bietet sie nun selbst eine therapeutische Basis-Ausbildung an, nämlich in der sogenannten Traumapädagogischen Intensiv-Gruppe für Geflüchtete (TRIGG). Ausschlaggebend war die Erfahrung von 2015, als viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, für die psychotherapeutische Angebote aber fehlten – vor allem auf dem Land. Daraufhin gründete sich TRIGG, geleitetet wird der Verein von einem professionellen Trauma-Therapeuten.

    Die Idee: Ehrenamtliche werden in zwölf Schulungstreffen sensibilisiert für die Probleme Geflüchteter. Einerseits wird psychologisches und asylrechtliches Grundwissen vermittelt, andererseits geht es auch um den konkreten Umgang mit Geflüchteten, erklärt Laurin Schulte von TRIGG: "Dass man zum Beispiel fragt, ob man jemanden berühren darf. Es gibt natürlich einen Fall, wo jemand eine Umarmung mal braucht, meistens kommt dann ein 'Ja'."

    Nächtliche Notrufe aus der Asyl-Unterkunft

    Ganz wichtig auch: Krisenmanagement. Wann rufe ich den Therapeuten an? Wenn bei Sabine Turpeinen nachts das Telefon klingelt, ist es oft ein Notruf aus der Asyl-Unterkunft Wolfratshausen. Dort betreut sie Geflüchtete aus Afrika. Einer von ihnen ist Princen aus Nigeria, der von seinen Schlafproblemen erzählt: "Ich habe oft Alpträume, dann wache ich auf, werde aggressiv, schlage gegen die Wand, verletzte mich selbst. Dann kommen die Security-Leute."

    In solchen Situationen ruft Prince auch bei Sabine Turpeinen an. "Dann lass ich normalerweise alles fallen, fahr hin und er lässt mich dann an sich ran. Und ich kann ihn dann irgendwie beruhigen."

    Prince besucht regelmäßig bei TRIGG eine Therapie-Gruppe für Männer, Frauen haben eine eigene Gruppe. Der 30-Jährige besucht nun einen Integrationskurs. Für ihn ist klar: "Ohne die Hilfe von Sabine und anderen Helfern von TRIGG wäre ich jetzt entweder schon tot oder im Gefängnis. Dank ihnen geht es mir jetzt gut."

    Diese Hilfe wünscht sich TRIGG nun auch für Geflüchtete aus der Ukraine.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.