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Trauer um Manfred Stolpe: Der "Häuptling", der vereinen wollte | BR24

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Die SPD trauert um Manfred Stolpe. Der frühere Brandenburger Ministerpräsident und Bundesverkehrsminister starb nach langer Krankheit im Alter von 83 Jahren. Das bestätigte die Brandenburgische Staatskanzlei in Potsdam.

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Trauer um Manfred Stolpe: Der "Häuptling", der vereinen wollte

Manfred Stolpe war als erster Ministerpräsident Brandenburgs der klassische Landesvater. In einer Zeit des Umbruchs wollte er einen statt zu spalten - das machte ihn populär. Nun ist er im Alter von 83 Jahren gestorben.

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Wo er hin kam, blieben Plätze nicht lange leer. Ein Ministerpräsident zum Anfassen war Manfred Stolpe: bürgernah, beliebt, identitätsstiftend für viele Menschen in einem damals noch jungen Bundesland. Stolpe nahm diese Rolle an: "Ich habe mich damals bereitgefundenn zu sagen 'Der Häuptling in der Streusandbüchse'", sagte er in Anspielung auf ein gängiges Synonym für Brandenburg. Daraus "wucherte der Begriff Landesvater. Ich habe ihn nicht abgelehnt."

Ein Vermittler auch in der DDR

Schon vor seiner Zeit als Ministerpräsident macht Stolpe Politik. 1936 in Stettin geboren, studiert er zunächst Jura und steigt zu einem führenden Funktionär der evangelischen Kirche in der DDR auf - mit besten Kontakten zu den Regierenden. Er ist als Mittler gefragt, in Ost- und Westdeutschland.

Nach der Wende tritt Stolpe der SPD bei und wird 1990 erster Ministerpräsident Brandenburgs. Kaum ein Politiker reist so viel durchs Land wie er, durch ein Land im Umbruch, in dem damals viele um ihre Arbeit fürchten, wenn sie noch eine haben. "Ich glaube, das Wichtigste hier im Osten für eine solche Verantwortung ist, dass man nicht eine Sekunde vergisst: Es geht darum, dass unsere Menschen hier nicht Bürger zweiter Klasse in Deutschland bleiben", sagte er einmal.

Stolpe will einen, nicht spalten. Möglichst viele mitnehmen, auch die Opposition der SED-Nachfolgepartei PDS. Stolpes konsensorientierter Regierungsstil wird als "Brandenburger Weg" bekannt.

Unter Stasi-Verdacht

Die konsequente Aufarbeitung der SED-Diktatur dagegen bleibt in seiner Ära auf der Strecke. Er selbst wehrt sich immer wieder gegen Vorwürfe, er habe als Kirchenfunktionär insgeheim der Stasi zugearbeitet. Um Unterdrückten zu helfen, führte kein Weg an der Stasi vorbei, so Stolpe. Er sei "immer ein bisschen erstaunt" darüber gewesen, dass man nicht begriffen habe, dass jemand mit dem Ziel, Menschen aus dem Knast zu holen, mit der Stasi zusammenkommen musste. Denn, so fragte Stolpe rhetorisch: "Wer hat den Schlüssel zum Knast gehabt?"

Die Vorwürfe tun seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Trotz seiner Popularität gelingt es ihm aber nicht, die Brandenburger von einer Fusion mit dem Land Berlin zu überzeugen. Die meisten stimmen 1996 dagegen - seine wohl größte Niederlage. Auch eine teils verschwenderische Wirtschaftsförderpolitik bringt Brandenburg unter Stolpe mehr Spott als Kapital.

Nach zwölf Jahren als Landeschef wird er 2002 Bundesverkehrsminister im Kabinett Schröder, verantwortet unter anderem die holprige Einführung der Lkw-Maut. Die Kritik daran konnte seinem Ruf aber nichts anhaben: Stimme und Gesicht der Ostdeutschen zu sein.