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Tourismus am Gardasee: Ausverkauf wegen Corona-Krise? | BR24

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Der Gardasee steht möglicherweise vor dem Ausverkauf, fürchten viele Italiener. Das Land liegt wegen der Corona-Krise wirtschaftlich am Boden. Ausländische Investoren, insbesondere aus China, haben schon lange ein Auge auf Immobilien dort geworfen.

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Tourismus am Gardasee: Ausverkauf wegen Corona-Krise?

Der Gardasee steht vor dem Ausverkauf, fürchten viele Italiener. Das Land liegt wegen der Corona-Krise wirtschaftlich am Boden. Ausländische Investoren, insbesondere aus China, haben schon lange ein Auge auf Immobilien dort geworfen.

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Zu Pfingsten beginnt am Gardasee die Hauptsaison. Auf den Uferstraßen stauen sich üblicherweise die Autos, vorwiegend mit deutschen Kennzeichnen, denn der Gardasee gehört zu den Lieblingsurlaubsregionen der Deutschen. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Urlauber bleiben derzeit noch wegen der Corona-Krise aus. Das trifft die italienische Wirtschaft hart.

Bürgermeister in Sorge

Limone sul Garda ist ein Touristen-Hotspot. Vor allem deutsche Urlauber kommen hierher. Doch derzeit ist die Strandpromenade menschenleer, die Strände sind verwaist. Viele Einheimische fürchten nun den Ausverkauf an ausländische Investoren. Bürgermeister Antonio Martinelli bereitet das große Sorgen. In Limone sind die meisten Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen noch in den Händen Einheimischer. Er selbst betreibt eine Bar am alten Hafen. Martinelli hat Angst, dass sich das wegen der Corona-Krise jetzt ändert, weil die Besitzer verkaufen müssen.

"Die Krise könnte natürlich dazu führen, dass jemand, der vielleicht schon vorher Probleme hatte, nun gezwungen wird, aufzugeben." Antonio Martinelli, Bürgermeister Limone sul Garda

Touristenhotspot attraktiv für Investoren

In normalen Zeiten kann man am Gardasee gutes Geld verdienen. Jedes Jahr kommen 22 Millionen Touristen hierher. Im vergangenen Jahr gab es allein in Limone 1,3 Millionen Übernachtungen. Genau das locke auch Investoren an, sagt Bürgermeister Martinelli, zum Beispiel aus China. Auch für seine Bar habe sich bereits ein chinesischer Investor interessiert, erzählt er.

"Eines Tages ist ein sehr eleganter Mann hier in mein Lokal gekommen und hat gefragt, ob das Lokal verkauft wird. Ich habe ihn sofort weggeschickt, und er ist abgehauen." Antonio Martinelli, Bürgermeister Limone sul Garda

Websites mit Angeboten für Investoren

Nicht jeder will oder kann so ein Kaufangebot ausschlagen. Es macht zudem den Anschein, dass einige Einheimische explizit an chinesische Investoren verkaufen wollen, weil sie angeblich einen guten Preis zahlen. Im Netz sind zahlreiche Websites, die darauf spezialisiert sind, italienische Immobilien an Chinesen zu vermitteln – vor allem Restaurants, Bars und Hotels.

Einheimische fürchten Ausverkauf

In den vergangenen Monaten sind auf diesen Websites auch immer mehr Angebote am Gardasee dazugekommen - darunter beispielsweise ein Restaurant in Limone. Als wir versuchen, mit dem Verkäufer Kontakt aufzunehmen, bestätigt er am Telefon, inseriert zu haben. Ein Interview lehnt er allerdings ab. Auch in Desenzano am Südende des Gardasees werden einige Restaurants und Bars auf der Website für chinesische Investoren angeboten. Auch hier möchten die Besitzer nicht öffentlich darüber sprechen. Das verwundert nicht, denn viele Einheimische haben angesichts der Krise Angst vor einem Ausverkauf ihrer Heimat an China.

Investoren schon in großen Städten

Auch in anderen Teilen Italiens waren chinesische Investoren bereits auf Einkaufstour - vor allem in den großen Städten, stellt Werner Rieger fest. Der Makler vermittelt seit 30 Jahren Immobilien in Italien. In Venedig und Mailand sehe man das besonders stark in den letzten zehn Jahren.

"Ich kann mich noch an ein Beispiel eines Friseurladens erinnern. Da sind sie gekommen mit einem Köfferchen und haben gefragt: 'Was willst du für den Laden?' Und dann haben sie ihn aufgekauft." Werner Rieger, Immobilienmakler am Gardasee

Hotelier würde chinesisches Angebot annehmen

Immobilienmakler Werner Rieger hat auch Kunden, die jetzt an Chinesen verkaufen wollen. Einer von Riegers Kunden ist schließlich doch bereit, mit dem BR zu sprechen. In der Nähe von Malcesine betreibt der Südtiroler Heinrich Kaufmann seit 57 Jahren sein kleines Hotel Villa Monica. Mittlerweile ist er 81 und würde das Hotel gern verkaufen - auch an Chinesen.

"Man kann sich heute vielleicht auf dem Markt nicht aussuchen, was man will. Und wenn das passende Angebot kommt, wird das auch angenommen." Heinrich Kaufmann, Hotelier Malcesine, Gardasee

Er kann es sich leisten, auf das richtige Angebot zu warten, betont Hotelier Kaufmann. Andere können das möglicherweise nicht, weil sie vor der Pleite stehen. Die Corona-Krise könnte am Gardasee tiefe Spuren hinterlassen.

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