BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Gewalttat in Hanau: Was bisher bekannt ist | BR24

© dpa-Bildfunk/Boris Roessler

Nach einer tödlichen Schießerei in zwei Shisha-Bars in Hanau laufen noch immer die Ermittlungen.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Gewalttat in Hanau: Was bisher bekannt ist

Elf Tote, fast alle mit Migrationshintergrund. Wahrscheinliches Motiv: Rassismus. Ein Terrorakt? Der mutmaßliche Täter - ein 43-jähriger gebürtiger Hanauer - lebte und studierte auch in Bayern. Hier der aktuelle Stand der Ermittlungen.

Per Mail sharen
Teilen

Was genau ist passiert?

In der hessischen Kleinstadt Hanau hat am Mittwochabend gegen 22 Uhr ein Mann in zwei Shisha-Bars um sich geschossen. Nach Polizeiangaben fielen die ersten Schüsse in einer Shisha-Bar am Heumarkt in der Hanauer Innenstadt, später auch in einer zweiten Shisha-Bar im nur wenige Kilometer entfernten Stadtteil Kesselstadt. Das Fluchtfahrzeug des mutmaßlichen Schützen führte die Ermittler zur Wohnung des Verdächtigen.

Wer sind die Opfer?

Bei den Schüssen in den Bars sind insgesamt elf Menschen zwischen 21 und 44 Jahren ums Leben gekommen, sechs wurden verletzt, einer davon schwer. Stunden nach der Gewalttat fanden Spezialkräfte der Polizei die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in dessen Wohnung. Neben ihm lag seine 72-jährige Mutter, ebenfalls tot. Nach Angaben von Hessens Innenminister Beuth wiesen beide Schussverletzungen auf.

Neun Tote - also alle außer dem Täter und seiner Mutter - haben nach Angaben aus Sicherheitskreisen einen Migrationshintergrund, fünf der Opfer hatten wohl die türkische Staatsbürgerschaft. Auch vier der fünf Verletzten haben ausländische Wurzeln.

Wer ist der Verdächtige?

Der mutmaßliche Täter ist ein 43-jähriger gebürtiger Hanauer. Tobias R. sei weder als ausländerfeindlich bekannt gewesen noch sonst polizeilich in Erscheinung getreten, so Hessens Innenminister Peter Beuth. Er soll jedoch Sportschütze und legal im Besitz einer Waffe gewesen sein. Bislang gibt keine Hinweise auf weitere Täter. Die Bundesanwaltschaft stellt aber die Frage, "ob es noch bislang unbekannte Mitwisser oder Unterstützer gibt." Mit den weiteren Ermittlungen wurde inzwischen das Bundeskriminalamt beauftragt, das mit dem Landeskriminalamt Hessen kooperiert.

Was war sein Motiv?

Die Bundesanwaltschaft, die noch in der Nacht die Ermittlungen wegen Terrorverdachts übernommen hatte, hat Indizien auf ein rassistisches Motiv. Auf seiner Website veröffentlichte Tobias R. laut Generalbundesanwalt Peter Frank "eine Art Manifest", das eine "zutiefst rassistische Gesinnung" verrate.

Zudem gab es im Netz Videos, die sich dem Verdächtigen zuordnen lassen. "Darin zeigt er sich als zutiefst verstörter und rechtsradikal eingestellter Mensch", sagt ARD-Terrorismusexperte Holger Schmidt. Es seien absurde Ausführungen über dunkle Mächte, Erlöser aus dem All und völkisch-rassistische Theorien. Er fordere, ganze Völker auszuradieren und eine "Grobsäuberung" durchzuführen.

Bestätigen sich die Einschätzungen, wäre die Tat nach der Ermordung des CDU-Politikers Walter Lübcke und dem Anschlag von Halle der dritte rechtsextremistisch motivierte Mordanschlag innerhalb eines Jahres.

Verdächtiger studierte in Bayreuth BWL

Der mutmaßliche Täter aus dem hessischen Hanau hat früher auch an verschiedenen Orten in Bayern gelebt. Nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wohnte Tobias R. zeitweilig in Oberfranken und in Oberbayern - zuletzt wohl 2018 im südbayerischen Raum.

Von September 2000 bis Juni 2006 lebte R. in Bayreuth. Wie die Universität dem Bayerischen Rundfunk bestätigte, hat er Internationales Management studiert und mit einem Diplom in Betriebswirtschaftslehre bestanden. Über Auffälligkeiten sei der Hochschule nichts bekannt.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR.de

Der hessische Innenminister Peter Beuth äußert sich zur Gewalttat in Hanau.