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Bundeskanzlerin Merkel zu Hanau: "Rassismus ist ein Gift" | BR24

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Sehen Sie hier Angela Merkels Statement in voller Länge. Nach den Worten der Bundeskanzlerin weist nach der Gewalttat von Hanau vieles darauf hin, dass der Täter aus rechtsextremistischen und rassistischen Motiven heraus gehandelt hat.

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Bundeskanzlerin Merkel zu Hanau: "Rassismus ist ein Gift"

Nach der Gewalttat von Hanau mit elf Toten ist das Entsetzen bundesweit groß. Bundeskanzlerin Merkel sprach von Rassismus als "Gift", das in der deutschen Gesellschaft existiere. Auch andere Politiker und Verbandsvertreter reagierten bestürzt.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich angesichts der Gewalttat in Hanau erschüttert gezeigt. "Rassismus ist ein Gift", sagte sie am Donnerstagmittag in Berlin. "Hass ist ein Gift. Es existiert in unserer Gesellschaft und ist schuld an viel zu vielen Verbrechen." Für eine abschließende Bewertung sei es zwar noch zu früh, vieles weise aber auf rechtsextremistische und rassistische Motive des Täters hin. Am Mittwochabend hatte ein 43-Jähriger in Hanau neun Menschen mit mutmaßlichem Migrationshintergrund, sowie sich selbst und seine Mutter erschossen.

Es werde alles unternommen, um die Hintergründe der Morde bis ins Letzte aufzuklären, sagte Merkel weiter. Die Bundesregierung und alle staatlichen Institutionen stünden "für die Rechte und Würde jedes Menschen in unserem Land, wir unterscheiden Bürger nicht nach Herkunft und Religion", so die Politikerin. Man stelle sich denen, die versuchten, Deutschland zu spalten, mit aller Kraft und Entschlossenheit entgegen. Sie denke jetzt vor allem an die Familien und Freunde der Ermordeten, sagte Merkel: "Niemand von uns kann ermessen, welches Leid der Täter über sie gebracht hat."

Herrmann: Tat von Hanau "neue Eskalation rechter Gewalt"

Auch andere Politiker verurteilten die Ereignisse scharf. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kündigte ein hartes Vorgehen an. "Der Rechtsstaat wird sich solcher Gewalt mit aller Härte und Entschiedenheit entgegenstellen", twitterte der CSU-Chef. Die brutale Tat mache ihn fassungslos. "In Gedanken sind wir bei den Angehörigen der Opfer."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete die Gewalttat als "neue Eskalation rechter Gewalt". Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen habe die Tat des 43-jährigen Deutschen einen klar rechtsextremen Hintergrund, allerdings sei der Mann den Behörden bisher nicht als Rechtsextremist bekannt gewesen. Als Reaktion will Herrmann jetzt die Sicherheitsvorkehrungen in Bayern überprüfen, insbesondere auf Faschingsveranstaltungen und bei typischen Treffpunkten von Menschen mit Migrationshintergrund.

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Laut dem Bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU) war der mutmaßliche Täter zeitweilig in Bayern wohnhaft. Aktuell müsse geprüft werden, ob die Sicherheitsmaßnahmen angesichts der Faschingsumzüge in Deutschland verschärft werden müssen.

Aigner bestürzt - Faschingsveranstaltung im Landtag abgesagt

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) zeigte sich bestürzt: "Der Bayerische Landtag trauert um die Toten dieser schrecklichen Tat. Wieder sind Menschen Opfer von Hass und Terror geworden. Dieser Angriff auf unsere offene Gesellschaft und unsere Werte macht uns fassungslos. In Gedanken sind wir in diesen traurigen Stunden bei den Angehörigen und Freunden der Getöteten. Wir wünschen ihnen Kraft und Beistand", so Aigner in einer Mitteilung. Die für den heutigen Donnerstag geplante Faschingsveranstaltung im Maximilianeum wurde aufgrund der Ereignisse in Hanau abgesagt.

Hessischer Innenminister Beuth bestätigt "fremdenfeindliches Motiv"

Der hessische Innenminister Peter Beuth verurteilte die Tat aufs Schärfste: "Es ist ein Anschlag auf unsere freie und friedliche Gesellschaft", so Beuth. "Der mutmaßliche Täter war nach jetzigen Erkenntnissen weder dem Landesamt für Verfassungsschutz als fremdenfeindlich bekannt, noch ist er polizeilich in Erscheinung getreten. Bislang liegen keine Hinweise auf weitere Täter vor." Der CDU-Politiker bestätigte einen mutmaßlichen rechtsextremen Hintergrund der Tat. "Nach unseren jetzigen Erkenntnissen ist ein fremdenfeindliches Motiv durchaus gegeben", so Beuth. Darauf deute etwa eine Homepage hin, aus der sich ein mutmaßlicher rechter Hintergrund ergebe. Der Täter soll legal im Besitz einer Waffe und Sportschütze gewesen sein.

Volker Bouffier, der hessische Ministerpräsident (CDU), sprach von einem Angriff "auf uns alle." Die Tat sei ein "tiefer Einschnitt". "Wir sind an eurer Seite, das gilt für jeden in unserem Land, ganz egal, wo er herkommt und wie er aussieht", sagte Bouffier weiter. Die Regierung werde alles tun, "um gegen Rassismus, gegen Hetze und Hass anzutreten".

Auch Bundesregierung und EU-Spitze reagierten erschüttert. "Die Gedanken sind heute morgen bei den Menschen in Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Bundespräsident entsetzt über "terroristische Gewalttat in Hanau"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier brachte sein Entsetzen über die "terroristische Gewalttat in Hanau" zum Ausdruck. Der Bundespräsident sagte in Berlin: "Meine tiefe Trauer und Anteilnahme gelten den Opfern und ihren Angehörigen. Den Verletzten wünsche ich baldige Genesung. Ich stehe an der Seite aller Menschen, die durch rassistischen Hass bedroht werden. Sie sind nicht allein." Steinmeier erklärte weiter: "Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland verurteilt diese Tat und jede Form von Rassismus, Hass und Gewalt. Wir werden nicht nachlassen, für das friedliche Miteinander in unserem Land einzustehen."

Esken: "Rechter Terror in Deutschland"

Die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken und weitere führende Politiker der Sozialdemokraten sprachen von rechtem Terror. "Viel zu lange haben wir uns davor gescheut, es mit klaren Worten zu benennen: Rechter Terror in Deutschland", kritisierte Esken.

Grünen-Vorsitzende: Widerstand gegen Rechtsextremismus

Auch die Bundesvorsitzenden der Grünen, Annalena Baerbock und Robert Habeck haben sich zu dem geäußert, was in Hanau passiert ist und riefen zu einem breiten gesellschaftlichen Widerstand auf: "Es gilt, Rechtsextremismus und Rassismus jeden Tag die Stirn zu bieten, auf allen Ebenen: im Alltag und in der Gesellschaft", erklärten sie. Die Parteichefs beklagten "den Hass, der da gewirkt hat, der sich seit Jahren durch unser Land frisst: Er breitet sich im Netz aus und wird zu brutaler Wirklichkeit."

Kramp-Karrenbauer: "Wir müssen zusammenstehen"

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte sich auf Twitter "fassungslos und traurig über die brutale Gewalttat in Hanau". Sie ergänzte: "Ich bin in Gedanken bei den Opfern, ihren Familien und Freunden. Die Hintergründe müssen jetzt weiter aufgeklärt werden. Gewalt aus rechtsextremen Motiven darf uns nicht ruhen lassen, wir müssen dagegen zusammenstehen."

EU-Ratspräsident Charles Michel sprach auf Twitter von einer "Tragödie" und beklagte einen "sinnlosen Verlust von Menschenleben". EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich ebenfalls entsetzt über die Gewalttat von Hanau. "Die Tragödie, die sich gestern Nacht in Hanau ereignet hat, hat mich zutiefst erschüttert", schrieb die CDU-Politikerin auf Twitter. Ihre Gedanken seien bei den Familien und Freunden der Opfer. Ihnen sprach von der Leyen ihr Beileid aus. "Wir trauern heute mit Ihnen."

Bundesaußenminister Maas: "Grausame Nacht"

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak schrieb auf Twitter von einem "furchtbaren Verbrechen". Er sei "fassungslos und traurig". Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sprach von "schrecklichen Ereignissen" und einer "grausamen Nacht".

Knobloch fordert "energisches" Eingreifen des Staates

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, fordert eine entschiedene Reaktion. "Sollten sich die Medienberichte bestätigen, wäre dies der dritte rechtsextreme Mordanschlag in unserem Land innerhalb von weniger als einem Jahr", schrieb Knobloch auf Facebook. "Dieser massiven Zunahme von Hass und Gewalt müssen Politik und Justiz jetzt energisch entgegentreten, bevor es zu spät ist." Die Zahl der Opfer, aber auch der Menschen, die in Angst und Unsicherheit leben müssten, sei bereits jetzt viel zu hoch, so Knobloch. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, erklärte, "nach der Mordserie des NSU zieht sich wieder eine rechtsextreme Blutspur durch Deutschland". Er warf Polizei und Justiz in Deutschland vor, "häufig auf dem rechten Auge eine Sehschwäche zu haben".

Ayman verlangt besseren Schutz durch Sicherheitsbehörden

Der Zentralrat der Muslime fordert seine Gläubigen in Deutschland zum Selbstschutz auf. "Nach dem gestrigen Terror rufe ich die Muslime in Deutschland auf, erhöht wachsam zu sein und zudem zusätzlich eigene Schutzmaßnahmen für sich, ihre Familien und Gotteshäuser und Einrichtungen zu ergreifen", sagte der Vorsitzende des Zentralrats, Aiman Mazyek, am Donnerstag in Berlin.

Bedford-Strohm: rechtspopulistische Kreise streuen Gift

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm bezeichnete die Gewalttat als "traurigen Beleg für die brutalen Konsequenzen des Gifts, das rechtspopulistische und rechtsextreme Kreise zu streuen versuchen".

Siemens-Chef Joe Kaeser äußert sich

Auch Vertreter aus Industrie und Wirtschaft haben sich am Donnerstag zu Wort gemeldet: So mahnte etwa Siemens-Chef Joe Kaeser: "Hass, Ausgrenzung und Rassismus sind Wurzeln des Bösen und Ursachen für menschliche Katastrophen. Sie sind Gift für die Zivilisation. Wer sie verharmlost, duldet oder gar fördert, macht sich mitschuldig."

DFB-Präsident Keller: Gegen Diskriminierung zusammenstehen

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) Fritz Keller, hat nach der Gewalttat von Hanau zum gesellschaftlichen Zusammenhalt gegen jegliche Form der Ausgrenzung aufgerufen. "Sie ist die nächste eindringliche Mahnung, dass wir alle gegen Hass und Rassismus, gegen jede Form der Diskriminierung zusammenstehen müssen - ob auf der Stadiontribüne, auf der Straße oder im Internet", sagte der 62-Jährige. Dies sei ein "täglicher Auftrag."