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Tirol kündigt Ausweitung der Fahrverbote an | BR24

© Georg Barth / BR

Kontrolle bei Innsbruck

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Tirol kündigt Ausweitung der Fahrverbote an

Die Klagedrohungen der bayerischen Staatsregierung machen in Tirol offenbar wenig Eindruck. Im Gegenteil: Jetzt will Landeshauptmann Günther Platter auch den Transitverkehr in den Bezirken Kufstein und Reutte einschränken.

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Fahrverbote für Transitreisende auf Landstraßen, 40 Beamte an zehn Kontrollstellen, deutlich reduzierter Autoverkehr: Tirols Regierungschef sieht seine Aktion als Erfolg und sich selbst im Recht. Mehr als das: Die Tiroler Landesregierung will nach diesem Wochenende die bisherigen Maßnahmen bewerten und in der nächsten Woche eine Ausweitung für die Bezirke Kufstein und Reutte präsentieren, so Platter im Bayerischen Rundfunk.

"Es ist eine Notmaßnahme, die wir ergreifen müssen, um zu verhindern, dass durch Ausweichverkehr die Verkehrs- und Versorgungssicherheit in den Tiroler Gemeinden rund um die Autobahn zusammenbricht." Günther Platter, Landeshauptmannn von Tirol

In Kufstein nutzen viele Urlauber die Bundesstraße, um die österreichische Maut oder die durch die bayerischen Grenzkontrollen verursachten Staus zu umgehen. Über das im Lechtal gelegene Reutte und den Fernpass führt ebenfalls eine beliebte Ausweichstrecke ins Inntal.

© dpa

Stau auf einer Autobahn-Ausweichstraße in Kufstein

Welche Autobahnausfahrten schon gesperrt sind

Die neuen Planungen ergänzen eine Reihe von Maßnahmen, die in den letzten Tagen für Schlagzeilen gesorgt haben. Demnach dürfen Transitreisende bis Mitte September jeweils samstags ab 7 Uhr bis sonntags um 19 Uhr an den Autobahnausfahrten zwischen Hall in Tirol und Zirl auf der Inntalautobahn A12 sowie zwischen Gries am Brenner und Patsch auf der Brennerautobahn A13 in beiden Richtungen nicht mehr abfahren (Alle Informationen im Detail hier).

© BR

Durchreisende dürfen am Wochenende viele Landstraßen in Tirol nicht mehr nutzen - die Belastung für die Dörfer rund um Innsbruck war zu groß geworden.

Tiroler reagieren erleichtert - die Urlauber gelassen bis genervt

Die Tiroler reagieren auf die Maßnahmen mit Erleichterung. Sie sei in den letzten Tagen mit ihrem Auto kaum mehr aus der Garage gekommen, sagt eine Anwohnerin dem BR. Eine andere Tirolerin berichtet, es sei um Pfingsten tagelang nicht möglich gewesen, mit einem Kind die Straße zu überqueren. Und fügt an: Wer staufrei in den Urlaub wolle, könne ja auf Bahn oder Flugzeug umsteigen.

Die betroffenen Urlauber reagieren überwiegend gelassen auf die geltenden Fahrverbote - so die Auskunft der Tiroler Polizei. Bislang habe es bei den Kontrollen keine Probleme gegeben, hieß es. Lediglich einige Motorradfahrer hätten sich um ihre geliebten Kurvenstrecken gebracht gesehen. Der BR registrierte aber auch leicht genervte Reaktionen. Vor allem die in den Augen vieler allzu plötzliche Einführung kommt nicht gut an.

Tirol als Vorbild für Bayerns Grenzgemeinden?

Hajo Gruber, Bürgermeister des bayerischen Grenzortes Kiefersfelden, zeigt aus seiner Erfahrung heraus einiges Verständnis für die Politik des Nachbarn. Denn auch bayerische Bürger und Bürgermeister der Region wünschen sich weniger Grenzverkehr im Ort. Gruber wartet jetzt gespannt auf die Weiterentwicklung der Sperren, die Kiefersfelden entweder zugute kommen oder den Ort weiter belasten könnten.

"Diskriminierung" oder "Majestätsbeleidigung"?

In der Politik stehen die nach dem Mauturteil des EuGH ohnehin gespannten Beziehungen zwischen Bayern und Österreich vor einem neuen Stresstest.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte die Sperren im Münchner Merkur als "diskriminierend und europarechtswidrig" bezeichnet und mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht. Platter kontert nun, es fiele ihm auf, "dass die Tiroler Maßnahmen in Bayern immer wieder als Majestätsbeleidigung aufgefasst werden." Es sei seine Aufgabe als Landeshauptmann, die Tiroler Bevölkerung vor "solchen Zuständen" zu schützen.

© BR

Bayerns Ministerpräsident Söder hat das Tiroler Vorgehen scharf kritisiert. Er forderte juristische Maßnahmen. Der Bund müsse in Europa Klage einreichen.

© BR

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter blieb ungerührt angesichts einer deutschen Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und kündigte Einschränkungen des Transitverkehrs auch in den Bezirken Kufstein und Reutte an.