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Geringe Durchseuchungsrate - hohe Testwerte in Corona-Hotspots | BR24

© picture alliance/ZUMA Press

Die Coronavirus-Stichprobenstudie in Österreich zeigt: Es sind dreimal mehr Menschen infiziert als bisher bekannt.

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    Geringe Durchseuchungsrate - hohe Testwerte in Corona-Hotspots

    Eine Stichprobenstudie in Österreich zeigt: Es sind dreimal mehr Menschen infiziert als bisher bekannt. Gemessen an der Bevölkerung ist die Zahl der Erkrankten aber niedrig. Anders in den Tiroler Hotspots: Ischgl und St. Anton am Arlberg.

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    Die mit Spannung erwartete repräsentative Stichprobe mit insgesamt 1.544 Teilnehmern sollte einen ersten Einblick über die Durchseuchungsrate der fast neun Millionen Einwohner Österreichs geben. Laut Hochrechnung sind demnach 28.500 Personen oder 0,33 Prozent der Bevölkerung mit dem Coronavirus infiziert. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent lag die Zahl der Infizierten zwischen 10.200 und 67.400 (0,12 bis 0,76 Prozent der Bevölkerung).

    Hohe Dunkelziffer, aber keine "Herdenimmunität"

    Diese Zahl ist etwa dreimal so hoch wie die bisher festgestellte Zahl der Corona-Infektionen. Diese lag am 6. April noch bei 8.500. Österreichs Wissenschaftsminister Heinz Faßmann: "Wir dürfen uns nicht selbst täuschen. Der Eisberg ist größer als gedacht."

    Das Ergebnis lässt aber auch die Deutung zu, dass die Durchseuchung gering ist, also nur vergleichsweise wenige Menschen mit dem Coronavirus in Kontakt kamen.

    Gesundheitsminister Rudolf Anschober: Es wäre "verantwortungslos" gewesen, "auf die Herdenimmunität zu setzen". Experten sprechen in diesem Fall von fünf bis zehn Jahren.

    Knapp 3.000 Testungen in Quarantänegebieten

    In den derzeitigen Tiroler Hotspots um die Gemeinden St. Anton am Arlberg, Ischgl im Paznauntal und Sölden im Ötztal wurden in den letzten Tagen zusätzlich knapp 3.000 Tests durchgeführt. Die Ergebnisse in diesen sogenannten Coronavirus-Hotspots waren selbst für die medizinischen Experten überraschend: Bei rund 19 Prozent der Personen in Ischgl und rund 13 Prozent in St. Anton konnten Bestandteile des Coronavirus nachgewiesen werden.

    Verlängerung der Quarantäne in Hotspots

    "Aufgrund der nach wie vor vorhandenen Infektionsketten haben wir auf Empfehlung der medizinischen ExpertInnen keine andere Möglichkeit, als die Quarantäne für das Paznauntal und St. Anton für weitere zwei Wochen bis zum 26. April zu verlängern." Günther Platter, Landeshauptmann von Tirol.

    Die Ergebnisse für Sölden stehen noch aus. Es sei davon auszugehen, dass es schon eine lange Zeit der Ausbreitung gegeben habe. Vor allem bei jüngeren Personen sei "die Symptomatik" nicht so stark ausgeprägt, so der Regierungschef. Die hohe Durchseuchung erkläre sich durch die Ereignisse, die sich im Februar und März abgespielt haben.

    Verteilung von Schutzmasken bei Verlassen der Wohnung

    Die gesamte Bevölkerung in den betroffenen Quarantänegebieten darf nun weiterhin nicht die Gemeindegrenzen überschreiten, ohne sich strafbar zu machen. Sie wird zudem in den nächsten Tagen vom Land Tirol mit ausreichend Mund-Nasen-Schutzmasken ausgestattet. "Wichtig ist, dass die Menschen im Paznauntal und in St. Anton diese Masken tragen, wenn sie das Haus verlassen", gab Platter bekannt.

    Verlässlichkeit der Ergebnisse

    Die nationalen und regionalen Ergebnisse sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Österreichweit wurden sogenannte PCR-Tests verwendet, die zeigen, ob jemand akut infiziert ist. Die Studie des Sozialforschungsinstituts Sora gibt daher keine direkte Auskunft darüber, wie viele Menschen Covid-19 schon überstanden haben und immun sind.

    Bereits erfolgte Infektionen können nur mit Antikörpertests ermittelt werde. Diese sind aber nicht einheitlich und oft noch unzuverlässig. Keine Aussage können zudem über Geschlecht und Alter der Infizierten gemacht werden. Dafür seien die Zahlen der Erkrankten zu gering, so die Autoren der Studie. In Tirol konnten sich die Testpersonen freiwillig melden. Daher geben die Ergebnisse nur einen Anhaltspunkt und sind im Gegensatz zur Bundesstudie nicht repräsentativ.

    Mehr Tests bei Risikogruppen

    In etwa zehn Tagen gibt es in den Tiroler Corona-Hotspots eine zweite, umfassende Testreihe. Im Fokus sollen dann auch Untersuchungen in Alten- und Pflegeheimen stehen. Dies deckt sich mit der Bundesstrategie, die vor allem auf Eindämmung und Schutz der Risikogruppen setzt.

    "Wo Erkrankungsfälle auftauchen, werden wir noch deutlicher bemüht sein, diese auch zu isolieren und Ausbreitungen zu verhindern", betont Österreichs Gesundheitsminister Anschober. "Wir werden selbstverständlich auch Sicherungsmaßnahmen für Risikogruppen verstärken, das gilt vor allem für Seniorenheime und Personen mit Vorerkrankungen", heißt es weiter.

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