BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Times goes Radio: Britische Top-Zeitung startet Radiosender | BR24

© BR

Zeitung "The Times" in Großbritannien geht mit Radiosender an den Start

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Times goes Radio: Britische Top-Zeitung startet Radiosender

Die altehrwürdige Times hat das Radio entdeckt: Diese Woche ging "Times Radio" auf Sendung in Großbritannien – ein weiterer Wettbewerber im umkämpften Markt der Talkradios. Zum Start landeten einige Hörer allerdings erstmal in Afrika.

Per Mail sharen

Eine große Ehre, in der ersten Morgensendung zu sein, sagt Boris Johnson. Er ist der Stargast am ersten Morgen der neuen Stimme im britischen Radiomarkt: Times Radio.

Aus dem 14. Stock des Times-Gebäudes am Südufer der Themse sendet seit Montag Times Radio, der jüngste Spross des Murdoch-Imperiums. "Wir wollen ein freundliches, intelligentes Programm sein, das die Menschen durch die Nachrichten des Tages führt und zum Nachdenken anregt", sagt Tim Levell, der Programmchef.

Radiomarkt in Großbritannien bereits heiß umkämpft

Der Markt der Gesprächssender ist schon dicht besetzt im Vereinigten Königreich. Da ist zum Beispiel LBC, das steht für Leading British Conversation, also ungefähr: Wir führen die wichtigen Debatten des Landes an. Ein Sender, der sehr von der Kontroverse lebt, mit oft provokanten Moderatoren, zugespitzten Thesen und gelegentlich aggressiver Gesprächsführung – manchmal ein bisschen krawallig. Da ist auch BBC 5 Live, ebenso wie Times Radio nur über die digitalen Verbreitungswege zu hören, ein junges journalistisches Talk-Programm mit einer entspannten Moderationshaltung. Und da ist BBC Radio 4, der Platzhirsch, dessen Interviewslot morgens um zehn nach acht täglich von mehr als sieben Millionen Menschen im Land gehört wird und in der Vergangenheit oft die politische Agenda für den Tag gesetzt hat. "Wir sind anders als Radio 4", sagt Tim Levell.

"Radio4 geht außerhalb der Nachrichtenstrecken in ganz andere Formate, zum Beispiel Feature, Hörspiele, Comedy, Magazine. Alles fantastische Angebote, aber Times Radio wird das Gesprächsprogramm zu den Nachrichten des Tages sein." Tim Levell, Programmchef Times Radio

Die Pandemie könnte eine Chance sein für den neuen Sender

Times Radio hat kräftig bei der Konkurrenz eingekauft: Tom Newton Dunn zum Beispiel, bislang Politik-Chef des Boulevard-Blatts Sun, und John Pienaar von der BBC, der dort eine eigene Radio-Sendung am Sonntag hatte und unter der Woche für das Fernsehprogramm BBC News die britische Politik erklärte. Dazu kommen einige Eigengewächse aus dem Mutterblatt Times, die sich bereits durch erfolgreiche Podcasts einen Namen gemacht haben.

Für die Medienjournalistin Miranda Sawyer ist Times Radio ein Beispiel dafür, wie sich Zeitungshäuser zukunftsfest machen können: "Es gibt verschiedene Wege, wie man beim Leser Aufmerksamkeit erzeugen kann, grade während einer Pandemie, in der keiner mehr physische Produkte wie eine Zeitung kauft. Man braucht Podcasts, man braucht brillante Kolumnisten, eine gute Twitter-Präsenz, Veranstaltungen. Am Ende interessieren sich die Leute vor allem für das Produkt und immer weniger für die Plattform."

Times Radio stellt ein weiteres Standbein der Marke Times dar

Wie viel das neue Programm kostet, ist nicht bekannt, es sollen aber weniger als zehn Millionen Pfund im Jahr sein. Mit unseren Online-Zugriffen sind wir zufrieden, sagt Programmchef Tim Levell, ohne konkrete Zahlen zu nennen, aber das sei ja auch nur ein Teilaspekt. "Unser Geschäftsmodell steht auf zwei Beinen: Wir machen zwar keine klassische Werbung, aber es gibt ein paar Plätze für Sponsoring. Und wir hoffen, dass die Leute die Zeitung abonnieren. Unser Programm stärkt die Gesamtmarke der Times. Wir haben jetzt eine Zeitung, eine Webseite und ein Radioprogramm."

Die Startbedingungen für Times Radio waren eine zusätzliche Herausforderung für die Programmmacher, mitten in der Corona-Krise mit all den Einschränkungen des Lockdowns in London. Medienjournalistin Miranda Sawyer sieht für den Sender mittelfristig aber eine gute Perspektive: "Ich nehme an, dass es am Ende ein Beispiel dafür sein wird, dass jeder seine kleine Nische findet. Man kann in dieser Branche mit einer kleinen Gemeinde sehr treuer Hörer überleben. Ich glaube, sie werden ihren Weg machen."

"Panne" gleich zum Start: Smartspeaker steuern Sender aus Malawi an

Wie schwierig es ist, sich als Neuling im Markt zu etablieren, merkte Times Radio gleich am ersten Tag. Einige Hörer hatten nämlich ihren Smartspeaker angewiesen: Spiele mir Times Radio – und die Smartspeaker spielten Times Radio, aber das klang so ganz anders als erwartet: Die Smartspeaker hatten eine gleichnamige Station im Osten von Afrika angesteuert – Radio Times aus Malawi.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!