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Tiertransporte: Tagelang im Stehen quer durch Europa | BR24

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Bayern hat Tiertransporte in einige Länder außerhalb der EU vorübergehend verboten. Aus Tierschutzgründen. Was hat das Tiertransport-Verbot bisher gebracht? Frigga Wirths, Deutscher Tierschutzbund, zieht Bilanz.

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Tiertransporte: Tagelang im Stehen quer durch Europa

Bayern hat Tiertransporte in einige Länder außerhalb der EU vorübergehend verboten. Aus Tierschutzgründen. Was hat das Tiertransport-Verbot bisher gebracht? Frigga Wirths, Deutscher Tierschutzbund, zieht Bilanz.

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Bayern 2-radioWelt: Werden jetzt weniger Tiere unter unwürdigen Bedingungen durch Europa gekarrt?

Frigga Wirths, Deutscher Tierschutzbund: Das wäre schön. Aber ganz so einfach lässt sich das Problem leider nicht lösen. Es war eine unheimlich gute Aktion, dass bayerische Veterinärämter sich gesträubt haben, diese Transporte in Länder wie Zentralasien, nach Nordafrika, in die Türkei usw. abzufertigen - und sich einfach auf die Gesetzeslage berufen haben. Nämlich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs, das besagt, dass bei Tiertransporten bis zum Zielort – und sei er auch noch so weit entfernt – die europäischen Gesetze eingehalten werden müssen. Und das ist de facto nicht möglich, bei so einer Vorabprüfung zu kontrollieren. Sie haben sich also geweigert, diese Transporte abzufertigen. Die Bundesländer Hessen und Schleswig-Holstein sind dem Beispiel gefolgt, leider die anderen Bundesländer nicht. Und wir haben im Moment die Situation, dass Transporte dann zum Beispiel nach Brandenburg oder nach Niedersachsen oder nach Rheinland-Pfalz oder nach Nordrhein-Westfalen gehen und von da aus abgefertigt werden, also die Veterinärbehörden da leider eine etwas lockerere Auffassung zum Tierschutz haben - und die Tiere dann eben von dort aus dann auf diese wahnsinnig weiten Strecken gehen.

Bayern 2-radioWelt: Warum verbietet man in Bayern nicht einfach, die Tiere innerdeutsch zu verschicken?

Frigga Wirths: Das ist leider nicht möglich. Das haben die Veterinärbehörden auch versucht; sie wurden dann aber quasi per Gerichtsurteil dazu gezwungen. Das ist so, dass die Tiere ein Gesundheitszeugnis bekommen müssen, und wenn sie gesund sind, darf ihnen das die Veterinärbehörde nicht verweigern. Mit diesem Gesundheitszeugnis können sie dann in das nächste Bundesland transportiert werden - und wie gesagt auf diesem Umweg dann in die Drittländer transportiert werden.

Bayern 2-radioWelt: Bayern hat eine Liste mit 17 Tabu-Ländern erstellt: Ägypten, Irak, die Türkei, Tunesien usw. – stehen die richtigen Länder darauf?

Frigga Wirths: Diese Listen sind natürlich schon ein sehr, sehr richtiger Schritt. Es ist einfach aberwitzig, lebende Tiere auf dem Landweg oder per Schiff in Länder wie den Iran zu transportierten. Was soll das? Das ist entgegen jedem gesunden Menschenverstand. Da ist auch eine gewisse Fluktuation drin in den Ländern, die auf diesen Listen stehen. Sie müssen eigentlich jederzeit kontrolliert werden: Wie ist die Situation im Land? Wie ist die Möglichkeit, die Tiere da entsprechend der Gesetzeslage hinzubringen? Gibt es Versorgungsstationen? usw. Und in der Regel sind diese Versorgungsstationen eben nicht vorhanden. Wir haben jetzt gerade das Beispiel Russland und Usbekistan gehabt, dass wirklich Tausende von Tieren auf diese Strecke gehen. Und jetzt endlich hat sich eine Delegation aus Deutschland auf diese Strecke begeben. Das war die hessische Tierschutzbeauftragte und drei Amtstierärzte aus Hessen, Bayern und Schleswig-Holstein, die gesagt haben: Wir gucken uns jetzt einfach mal an, wie diese Routen sind und ob die Versorgung der Tiere möglich ist. Und sie haben das festgestellt, was wir seit Jahren sagen: Es gibt keine Versorgungsstationen bzw. es gibt keine Versorgungsstationen, die geeignet sind, diese Tiere aufzunehmen. Das heißt: Die sind also tagelang auf dem Transporter und kommen dort nicht runter.

Bayern 2-radioWelt: Als Reaktion auf die Reise der Experten im Sommer haben Niedersachsen und Schleswig-Holstein jetzt bestimmte Exportrouten in Richtung Osten geschlossen. Das heißt, es verändert sich schon was, oder?

Frigga Wirths: Schleswig-Holstein hat diese Exporte schon seit längerem geschlossen; die haben genauso oder ähnlich wie die Bayern schon seit Anfang des Jahres eine schwarze Liste mit Ländern, in die keine Tiere mehr exportiert werden. Und Niedersachsen hat diese strenge Regelung aus Schleswig-Holstein bis jetzt ausgenutzt und die Tiere gingen eben von anderen Bundesländern, zum Beispiel nach Niedersachsen, um von dort aus verschickt zu werden. Niedersachsen hat sich jetzt aufgrund dieses Berichtes entschlossen, auch nach Russland, Usbekistan und Kasachstan keine Tiere mehr zu schicken. – Durchaus aber in Länder wie Marokko, wie die Türkei, wie Nordafrika, wie Ägypten oder wie Iran, Irak etc.

Bayern 2-radioWelt: Das heißt, die Richtung stimmt, aber es müsste noch deutlich mehr passieren?

Frigga Wirths: Ja, es muss deutlich mehr passieren. Man muss einfach dranbleiben und man kann nur hoffen, dass sich doch etwas tut und die entsprechenden Politiker in der Lage sind zu begreifen, was das für ein Unding ist, was sie hier den Tieren antun. Und dass es einfach auch in der Bevölkerung keinen Rückhalt mehr hat. Kein Mensch kann verstehen, warum man tragende Rinder auf dem Lkw von Deutschland bis nach Usbekistan oder bis nach Ägypten transportiert.