BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Thunberg und Neubauer sprechen bei Merkel vor | BR24

© BR

Genau zwei Jahre nach ihrem ersten "Schulstreik" sitzt Greta Thunberg bei Angela Merkel im Kanzleramt. Die eine kämpft kompromisslos für den Klimaschutz, bei der anderen gehören Kompromisse zum Berufsbild. Was kann dabei rauskommen?

26
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Thunberg und Neubauer sprechen bei Merkel vor

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit vier Aktivistinnen der Klimaschutzbewegung "Fridays for future" getroffen. Anderthalb Stunden tauschten sie sich darüber aus, wo noch zu wenig für das Klima getan wird und was Deutschland tun sollte.

26
Per Mail sharen

Normalerweise empfängt Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Gäste im kleinen Rahmen, schenkt – ganz die gute Gastgeberin – selbst Kaffee ein und sorgt für Nähe. Corona-bedingt traf sie die vier Klima-Aktivistinnen Luisa Neubauer, Greta Thunberg, Anun de Wever und Adélaide Charlier in einem offiziellen Sitzungssaal, in dem sonst das Bundeskabinett tagt. Ein offizieller Anstrich für das informelle Gespräch, bei dem die Fridays-for-Future-Aktivistinnen eine Botschaft loswerden wollten: Deutschland muss mehr dafür tun, dass sich die europäischen Staaten an ihre eigenen Klimaziele auch wirklich halten.

Greta: Führung ist gefragt – und: raus aus unserer Komfortzone!

Die Aktivistin Greta Thunberg sagte nach dem Treffen, Merkel sei "nett und sehr freundlich" gewesen. Das war es dann aber auch schon mit zuvorkommenden Worten der jungen Schwedin über die Gastgeberin Merkel. Die 17-Jährige sagte, die Bundeskanzlerin trage große Verantwortung und habe zugleich die große Chance, eine Führungspersönlichkeit zu werden. Die Welt brauche Politiker, die die Klimakrise auch wirklich als Krise behandeln. Greta weitete dann noch den Blick und appellierte ganz allgemein an die Menschen, sich aus ihren Komfortzonen herauszubegeben und den Mut aufzubringen, langfristig zu denken.

Merkels Zwiespalt als Physikerin UND Politikerin

Der belgischen FFF-Aktivistin Adélaide Charlier zufolge nimmt Merkel aus dem Gespräch die Aufforderung mit, mutiger zu sein. Einen ähnlichen Eindruck hat auch Luisa Neubauer. Merkel habe sich gewillt gezeigt, in der laufenden deutschen Ratspräsidentschaft in Sachen Klimaschutz etwas zu leisten. Neubauer zufolge hat die Bundeskanzlerin beteuert, dass sie als Physikerin die wissenschaftliche Einordnung des Klimawandels verstehe – sie könne sich also nicht herausreden. Merkel habe aber auch betont, wie komplex Klimapolitik sei. Dessen ungeachtet forderte Neubauer: "Wir brauchen Aktionen und nicht nur schöne, große Worte".

Umsetzung des Pariser Klimaabkommens – ein "Teufelskreis"

Luisa Neubauer betonte dabei, sie spreche nicht von persönlichen Ansichten oder Forderungen: "Es geht nicht um das, was wir wollen, sondern darum, was die Wissenschaft sagt, was notwendig ist". Und das sei die Umsetzung des Pariser Abkommens in konkrete Politik. Das Ende 2015 von nahezu 200 Staaten verabschiedete Abkommen hat zum Ziel, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius zu halten. Das Problem der Umsetzung führt Greta Thunberg auf eine Art Teufelskreis zurück: Jeder der vier Hauptakteure Regierungen, Menschen, Medien und Wirtschaft schiebe die Verantwortung den anderen in die Schuhe. So sei das nicht zu schaffen.

Kritik hinter den FFF-Kulissen

Das Treffen fand nicht bei allen Aktivisten der Klimaschutzbewegung Anklang. Die Berliner "taz" hatte vorab einige Stimmen von Kritikern gesammelt. Der Termin sei nicht abgesprochen gewesen, klagt ein hessischer Aktivist, die Basisgruppen seien erst vor wenigen Tagen informiert worden. Einem anderen stößt auf, dass "immer die gleichen Leute in der Öffentlichkeit stehen". Luisa Neubauer, die in den Medien oft als "deutsches Gesicht von FFF" bezeichnet wird, mache gute Arbeit und habe Expertise. Andere Aktivisten mit "vielleicht auch radikaleren Positionen" kämen aber nicht zur Geltung. Greta Thunberg sagte dazu, "wir haben nie gesagt, dass wir FFF vertreten". Das gelte auch für den Brief "Face the Climate Emergency" an die Staats- und Regierungschefs, der der Auslöser für das heutige Treffen mit Merkel war. Dieser Brief, betont Thunberg, sei nicht im Namen der Bewegung geschrieben, sondern im Namen individueller Klimaaktivistinnen.

© BR

Greta Thunberg kommt ins Kanzleramt: Hintergrund ist ein offener Brief von Fridays for Future an die Staats- und Regierungschefs der EU mit einer Mahnung.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!