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Der Theologe Eberhard Jüngel

    "Theologie ist Aufklärung" - Ein Nachruf auf Eberhard Jüngel

    Eberhard Jüngel, einer der großen deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts, ist im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hat sich jahrzehntelang in philosophische und theologische Debatten eingemischt und war auch viele Jahre in der EKD aktiv.

    Von
    Nela FichtnerNela Fichtner

    Eberhard Jüngel war zutiefst davon überzeugt, dass die Theologie eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe hat: "Theologie muss aufklären. Theologie ist Aufklärung. Im Lichte des Evangeliums", sagte Eberhard Jüngel. Zum Evangelium zu finden war für den 1934 in Magdeburg geborenen Jüngel keine Selbstverständlichkeit. Seine Eltern erzogen ihn nicht religiös und seine letzten Schuljahre waren vom religionsfeindlichen DDR-Regime geprägt.

    Feindliche Haltung der DDR gegenüber der Kirche machte sie für Jüngel interessant

    "Damals, Anfang der Fünfzigerjahre, bekam man in der Schule und im öffentlichen Leben missliebige Wahrheiten einfach nicht zu hören. Ich bin einen Tag vor dem Abitur als Feind der Republik aus dem Gymnasium entfernt worden, weil ich mir dennoch erlaubt habe, das, was ich für Wahrheit hielt, auch auszusprechen", erzählt Eberhard Jüngel von dieser Zeit. Jüngel hatte im Unterricht kritisiert, dass der Staat diakonische Einrichtungen beschlagnahmte. Die kirchenfeindliche Haltung der Regierung machte die Kirche für ihn umso attraktiver.

    Er studierte in Naumburg und Ostberlin evangelische Theologie und ging 1966 an die Universität Zürich mit einer befristeten Ausreisegenehmigung, deren Begrenzung er fortan ignorierte. Drei Jahre später, 1969, folgte er dem Ruf an die Universität Tübingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2003 blieb. Dort leitete er auch viele Jahre lang das Tübinger Stift, Deutschlands berühmteste Theologenschmiede. Als Ordinarius für Systematische Theologie und Religionsphilosophie veröffentlichte Eberhard Jüngel zahlreiche Bücher und Schriften, die international Beachtung fanden.

    Theologie: Eine "nachdenkende Wissenschaft"

    Zu seinem Ruf als Vordenker sagte er im Rückblick: "Nachdenker würde mir besser gefallen, denn die Theologie ist eine nachdenkende Wissenschaft. Sie hat nämlich etwas ihr Vorgegebenes. Das ist die Heilige Schrift. Es sind die Texte des Alten und des Neuen Testamentes und denen so nachzudenken, dass der Wahrheitsanspruch dieser alten Texte im Wahrheitsbewusstsein unserer Gegenwart sich bewähren kann."

    Jüngel prägte unzählige theologische Debatten

    29 Jahre lang saß Eberhard Jüngel in der EKD-Synode, dem Kirchenparlament der Evangelischen Kirche in Deutschland. Intensiv widmete er sich ökumenischen Fragen. Jüngel wurde mit wichtigen Preisen ausgezeichnet und prägte unzählige theologische Debatten.

    Wichtig war ihm dabei immer, klar zu unterscheiden zwischen "Gott und Abgott, zwischen Glaube und Aberglaube. Dass wir Menschen sein sollen und nicht Götter werden sollen, dass wir auch in unserem politischen Leben nicht pseudoreligiöse Ansprüche erheben oder gar verwirklichen, sondern dies, dass wir menschliche Menschen werden, weil wir Gott und Mensch richtig zu unterscheiden vermögen. Auch das ist ein Ziel der Denkanstoß der Theologie."

    Mit Informationen vom SWR.

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