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Themenwoche Gerechtigkeit: Warum Frauen drauf zahlen | BR24

© picture alliance/KEYSTONE

Symbolbild für Gleichbehandlung und -bezahlung von Frauen

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    Themenwoche Gerechtigkeit: Warum Frauen drauf zahlen

    Frauen verdienen meist nicht nur weniger als Männer, sie bezahlen auch noch mehr. Unter "Gender Pricing" wird dieses Phänomen zusammengefasst. Nicht einmal das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz hilft da wirklich.

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    Es wäre doch eigentlich anzunehmen, dass zwei Einwegrasierer der gleichen Marke gleich viel kosten. Sie unterscheidet optisch nur die Farbe – schwarz und rosa. Aber auf dem Preisschild macht es sich bemerkbar: Während die Herren-Variante 0,43 Euro pro Stück kostet, müssen Damen heruntergerechnet auf den einzelnen Rasierer 0,63 Euro zahlen. Ein Preisaufschlag von gut 47 Prozent. Drogeriemärkte – wie in diesem Fall Rossmann – erklären per Email auf Anfrage, sie würden ihre Preise nicht nach "geschlechterspezifischen Merkmalen" gestalten. Unter anderem seien Material und Inhaltsstoffe ausschlaggebend. Beim Rasiererbeispiel schwer nachzuvollziehen.

    Mehr für Rasierschaum und Haarschnitt

    Auch der Rasierschaum-Vergleich zeigt: Für das Frauenprodukt in der kleineren, sehr pinken Flasche muss man ganze 90 Prozent mehr zahlen, als die Männer für ihr Produkt. Ist dieser Aufschlag irgendwie gerechtfertigt?

    Wir machen einen kleinen Test an einer haarigen Stelle: An den Beinen des Hospitanten. Der bekommt die Augen verbunden, eine Behandlung mit Rasierschaum und Männer- und Fraueneinmal-Rasierer. Und dann streicht er über die etwa 3 Zentimeter lange, kahle Stelle an seinen Beinen: „Fühlt sich absolut identisch an!“, sagt er.

    "Pink Tax" sind eigentlich verboten

    Zumindest beim Selbsttest ist kein Qualitätsunterschied feststellbar – wie kommen Firmen also dazu, für das gleiche Produkt oder die gleiche Dienstleistung unterschiedliche Preise zu verlangen? Anke Domscheit-Berg kennen viele als Netzaktivistin, als ehemalige Politikerin der Piraten-Partei. Doch sie setzt sich auch für Geschlechtergerechtigkeit ein.

    "Unternehmen nutzen einfach die Möglichkeit aus, Produkte und Dienstleistungen für mehr Geld zu verkaufen zu können." Anke Domscheit-Berg

    Oft würden sie verschleiern, dass es sich um beispielsweise den gleichen Rasierer handelt, indem Unternehmen die Produkte in andere Verpackungen stecken. Und: "Man muss dann ganz genau die Zutaten anschauen oder die Bestandteile, um festzustellen, dass es eigentlich genau das Gleiche ist. Das kostet zu viel Zeit. Die haben Frauen nicht und deshalb zahlen sie oft mehr für das gleiche“, so Domscheit-Berg.

    "Pink Tax" nennt man diese Preisaufschläge. Und das gibt es nicht nur bei Rasierern, auch andere Pflegeprodukte und Dienstleistungen sind in der Version für Frauen deutlich teurer: Haarschnitte oder Blusen reinigen und bügeln lassen.

    Keine Möglichkeit der Verbandsklage

    Das Männer-Produkt kaufen – und alle Probleme sind gelöst? So einfach ist es eben nicht, sagt Anke Domscheit-Berg: "Es ist ein strukturelles Problem und manches lässt sich ja auch nicht so einfach lösen, zum Beispiel beim Frisör, der wird mir als Frau nicht einfach den Männer-Schnitt berechnen." Domscheit-Berg sieht den Gesetzgeber in der Pflicht, sie würde sich wünschen, dass von staatlicher Seite eingeschritten werden würde.

    Denn die Rechtslage ist eindeutig: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gilt auch für die Preisgestaltung von Gütern und Dienstleistungen. Demnach sind unterschiedliche Preise für Männer- und Frauen-Produkte nicht zulässig. Die Frage ist aber, wie sich Kunden oder wohl eher Kundinnen gegen eine solche Benachteiligung wehren können. Denn das Gesetz sieht keine Verbandsklage vor. Es kann zwar jede Einzelne jede beliebige Dienstleistungsstelle, die solche unterschiedlichen Preise verlangt, verklagen. Doch der Schaden, den ein Rasierer oder anderes, teureres „Frauen-Produkt“ im Vergleich zum Aufwand eines Gerichtsverfahrens ausmacht, der ist wohl geringer.