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Politiker: Zugfahren predigen, ins Flugzeug steigen? | BR24

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Kondensstreifen

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    Politiker: Zugfahren predigen, ins Flugzeug steigen?

    117 Millionen Passagiere hoben 2018 an deutschen Flughäfen ab - ein Rekord. Die Regierung diskutiert jetzt über Maßnahmen, die Beliebtheit des Fliegens zu bremsen. Peinlich nur: Politiker und Regierungsbeamte gehen selbst lieber in die Luft.

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    Das Thema Klimaschutz ist im Bundeskabinett angekommen: Am Freitag will die Regierung ein großes Maßnahmenpaket vorstellen. Ein wichtiger Aspekt: Der Luftverkehr. Noch wird diskutiert, ob und wie stark sich das Fliegen verteuern und/oder Bahnfahren billiger werden muss, damit mehr Menschen "am Boden bleiben." Besonders im Visier: Inlandsflüge.

    Bonn - Berlin und zurück: So oft gehen Regierungsbeamte in die Luft

    Politiker der Bundesregierung und deren Beamte müssen für ihre Dienstflüge und -fahrten nicht bezahlen. Mit gutem Beispiel gehen sie dennoch nicht voran. Die "Bild"-Zeitung" hatte für das Jahr 2018 200.000 Flüge allein zwischen den Regierungssitzen Berlin und Bonn gezählt. Das Bundesinnenministerium bestätigte dem ARD-Magazin "Hart aber fair" zwar nicht die genaue Zahl, aber doch die Vorliebe der Politik fürs Fliegen. Demnach stiegen die Regierungsbeamte gut viermal so oft in ein Flugzeug als in den Zug: 26.661 Zugfahrten stehen 109.422 Flüge gegenüber.

    849 Leerflüge von Bonn nach Berlin

    Dass die rege Pendelei zwischen Berlin und Bonn überhaupt nötig ist, hat historisch gesehen zwei Gründe: ein Trostpflaster für Bonn - und Trödelei am Bau in Berlin. Um den Bedeutungsverlust der ehemaligen Bundeshauptstadt nach dem Umzug von Regierung und Parlament zu dämpfen, wurden mehrere Ministerien und Bundesbehörden in Bonn belassen. Dort - genauer: im nahen Köln-Wahn - hat heute wie im Jahr des Umzugsbeschlusses 1991 auch die Flugbereitschaft des Bundes ihren Sitz.

    "Damals ist gesagt worden: wir lassen die Flugbereitschaft solange in Bonn, bis der neue Flughafen in Berlin fertig gebaut ist." Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am 16.9. in "Hart aber fair"
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    Schild der Flugbereitschaft in Köln-Wahn

    Die räumliche Aufteilung führt überdies zu überflüssigen Abholflügen. Offiziell genannt wird die Zahl von 849 Leerflügen.

    Immerhin: während das Bundesbauministerium bisher immer betont hatte, ohne eine Neubau am BER könne die Flugbereitschaft nicht von Köln-Wahn nach Schönefeld umziehen, soll eine Studie jetzt alternative Möglichkeiten ausloten.

    "Ablasszahlungen" aus Steuermitteln

    Der Bund der Steuerzahler fordert schon seit langem ein Ende der Aufteilung von Behörden zwischen Berlin und Bonn. Dass der Bund etwa zwei Millionen Euro jährlich für die Klimaneutralisierung seiner Dienstreisen ausgebe, sei ein "Ablasshandel", sagte Verbandspräsident Reiner Holznagel der "Passauer Neuen Presse". Statt sich mit dem Geld der Steuerzahler "freizukaufen", solle der Umzug organisiert werden.

    💡 Luftverkehr und Klimawandel

    Nach Angaben der Deutschen Luftverkehrswirtschaft ist der Luftverkehr im Land für 2,69 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Die Gesamtwirkung auf das Klima liegt durch zusätzliche Emissionen etwa von Stickstoff und Wasserdampf höher - Berechnungen des Weltklimarats IPPC gehen von rund fünf Prozent aus.

    Neue Antriebsstoffe ("Bio-Kerosin") könnten diese Bilanz verbessern. So forscht man an der TU München an einem ganz neuen Treibstoff aus Algen. Der Münchner Flughafen arbeitet zudem daran, seine Klimabilanz "am Boden" zu verbessern. Kurzfristig wirksame Effekte verspricht indes vor allem eine Maßnahme: Die Reduzierung unnötiger Flugbewegungen.