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Thanksgiving in den USA: Riskante Reise zum Familienfest | BR24

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Bildrechte: dpa-picture-alliance/Bill Greenblatt

Thanksgiving in New York: Geisterparade und Truthahn mit bitterem Nachgeschmack

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Thanksgiving in den USA: Riskante Reise zum Familienfest

Trotz deutlicher Mahnungen haben sich viele US-Amerikaner auf die Reise gemacht, um Thanksgiving mit der Familie feiern zu können. Dabei steigen nach solchen Feiertagen die Infektionszahlen erfahrungsgemäß an.

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Von
  • Peter Mücke

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte eindringlich gewarnt: In diesem Jahr solle nur zu Hause und nur mit Menschen aus dem eigenen Haushalt Thanksgiving gefeiert werden. Das sei zwar keine Vorschrift, aber eine "dringende Empfehlung". Eine, die jedoch viele US-Amerikaner ignoriert haben.

In den vergangenen Tagen verzeichneten die US-Flughäfen das höchste Passagieraufkommen seit Ausbruch der Pandemie - auch wenn sich nach ersten Schätzungen nur etwa halb so viele Menschen wie im Vorjahr zu Thanksgiving ins Flugzeug setzen. Allerdings sind in diesem Jahr auch viele aufs Auto umgestiegen.

Thanksgiving: In den USA wichtiger als Weihnachten

Thanksgiving ist für die meisten US-Amerikaner wichtiger als Weihnachten, erst recht nach dem monatelangen Lockdown in vielen Teilen des Landes, in denen sich viele das Reisen verkniffen haben. Jetzt setzen sie sich in Bewegung, um Eltern, Verwandte und Freunde zu treffen und den traditionellen Truthahn zu essen.

Doch genau diese Treffen sind es, die schon nach Memorial Day im Mai, dem Nationalfeiertag 4. Juli, nach Labor Day im September und zuletzt nach Halloween die Infektionszahlen nach oben schnellen ließen. Dabei sind diese Feiertage verglichen mit Thanksgiving eher zu vernachlässigen.

Die Parade wird ins Fernsehen verlegt

In New York hat man sich schweren Herzens immerhin von einer Tradition verabschiedet. Wo sich sonst in Manhattan Zehntausende schon am Vorabend an der vier Kilometer langen Strecke versammelt hatten, um die spektakuläre Thanksgiving-Parade zu sehen, herrscht heute Leere. In den vergangenen 96 Jahren hatten es weder Schnee, Regen und Wind, noch die Große Depression vermocht, den traditionellen Aufmarsch von Menschen mit riesigen Helium-Ballons zu verhindern. Die Pandemie hat es geschafft - jedenfalls weitgehend.

Wie so vieles in diesen Corona-Tagen ist auch die diesjährige New Yorker Thanksgiving-Parade ein reines Fernseh-Event. "Lasst uns zusammen feiern - jeder bei sich zu Hause", heißt es von der Kaufhauskette "Macy’s", die die Parade traditionell veranstaltet. Die Ballons mit Motiven aus der Comic-Welt werden in diesem Jahr nicht von Menschen, sondern speziellen Trucks gezogen. Genauso wie die Auftritte von Musical-Stars sind die meisten Bewegtbilder vorab aufgezeichnet worden. Der Zusammenschnitt wird dann im Fernsehen ausgestrahlt.

Schnelltest vor Reiseantritt

Viele New Yorker werden diese Übertragung nicht zu Hause sehen, sondern irgendwo bei Freunden oder Verwandten andernorts in den USA. In den vergangenen Tagen bildeten sich lange Schlangen vor den Arztpraxen und Corona-Testzentren der Stadt. Zum Teil standen die Menschen mehrere Stunden an, um sich noch einmal testen zu lassen, bevor die Thanksgiving-Reise beginnt.

Eine trügerische Sicherheit, denn ein negatives Ergebnis ist immer nur eine Momentaufnahme, mahnen Experten. Zudem setzen sich, schon wegen der langen Wartezeiten, auch viele ungetestet in die vollen Flugzeuge und Esszimmer ihrer Angehörigen.

Gouverneur gibt schlechtes Beispiel ab

Selbst diejenigen, die sonst immer zur Vorsicht mahnen, gehen da mit schlechtem Beispiel voran. So kündigte der vor allem auch in deutschen Medien als Corona-Krisenmanager gefeierte New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo in einem Radio-Interview an, er habe seine Mutter und zwei seiner Töchter zu Thanksgiving nach Hause eingeladen.

Als eine Welle der Kritik über ihn hereinbrach, ruderte er in einer Pressekonferenz zurück und lud die Verwandtschaft von sich selbst ergriffen wieder aus: "Wenn du jemanden liebst, dann sage ihm: 'Ich liebe dich so sehr, dass ich dich dieses Thanksgiving nicht besuchen kommen werde.'"

Kleinere Truthähne - und Corona-Müdigkeit

Nach fast neun Monaten Pandemie sind vielen US-Amerikanern solche Appelle egal. Jedenfalls an Thanksgiving. Auch wenn die Feiern wohl etwas kleiner ausfallen werden - zumindest sind in diesem Jahr deutlich kleinere Truthähne vorbestellt worden.

Meghan McGinty, Fachfrau für Katastrophenschutz an der Johns-Hopkins-Universität, ist sich sicher: "Wenn wir unsere Feiern nicht auf unseren eigenen Haushalt beschränken, wird die Zahl der Fälle und Krankenhauseinweisungen unweigerlich zunehmen. Thanksgiving wird ein entscheidender Zeitpunkt sein."

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