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Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit hält Coronatests für Reiserückkehrer "nicht prinzipiell schlecht", aber er fordert eine klare Abwägung. Eine "Pooltestung mittels PCR-Verfahren" sei "durchaus überlegenswert", erklärt er.

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Schmidt-Chanasit: Tests für Reiserückkehrer genau überlegen

Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit hält Corona-Tests für Reiserückkehrer "nicht prinzipiell schlecht", aber er fordert eine klare Abwägung. Eine "Pool-Testung mittels PCR-Verfahren" sei "durchaus überlegenswert", erklärt er.

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Von
  • Rolf Büllmann
  • Nicole Hirsch

Bei der Entscheidung, ob es eine Testpflicht für Reiserückkehrer geben soll, müsse man genau den Nutzen einer solchen Maßnahme betrachten, meint der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit. Grundsätzlich finde er das Vorhaben "nicht prinzipiell schlecht", betonte er im radioWelt-Interview auf Bayern 2.

Schmidt-Chanasit sprach sich für Pool-Testungen von Reisenden nach ihrer Rückkehr aus dem Urlaubsland aus. "Wir kennen die ganzen Nachteile auch der Schnelltests und sie kosten ja auch nicht unerheblich. Insofern wäre hier sicherlich eine Pool-Testung mittels PCR-Verfahren durchaus überlegenswert", sagte Schmidt-Chanasit.

Pool-Tests gelten als effizient

Zum Hintergrund: PCR-Tests für Einzelpersonen sind aufwendig und relativ teuer. Um die Tests so effizient wie möglich einzusetzen, könnte man mehrere Personen gleichzeitig testen. Dazu werden diese in einem "Pool" zusammengefasst. Ist das Ergebnis negativ, ist alles in Ordnung. Fällt ein Pool-Test jedoch positiv aus, muss der Pool aufgelöst und alle, die darin waren, nochmals getestet werden.

Besser in Deutschland statt im Urlaubsland testen

Schmidt-Chanasit zeigte sich skeptisch, was die Qualität von Tests vor Ort in den jeweiligen Urlaubsländern angeht: "Da wird viel Schindluder getrieben. Man kann sich nicht sicher sein, ob diese Tests auch gut, so wie wir sie in Deutschland durchführen würden, dort vor Ort durchgeführt werden." Aus Praktikabilitätsgründen plädierte Schmidt-Chanasit dafür, die Testpflicht so einfach wie möglich auszugestalten, auch wenn dies einige benachteiligen würde.

Als Beispiel nannte Schmidt-Chanasit Menschen, die sich im Urlaub vorsichtig verhalten und Deutschland einem größeren Risiko ausgesetzt wären. "Weil sie vielleicht in Spanien zwei Wochen auf der Finca gewesen sind und niemand anderen getroffen haben als ihre Familienmitglieder."

Eine Vereinfachung, die dazu führe, dass alle hier getestet werden, sei "vielleicht etwas ungerechter", aber "wahrscheinlich erst mal besser als ein sehr kompliziertes Regelwerk, das vielleicht dann wenig Effekt hat", so Schmidt-Chanasit.

Inzidenz allein nicht mehr angemessen

Schmidt-Chanasit bekräftigte seine Forderung nach einem neuen Richtwert, um die Pandemielage bewerten zu können. Die Inzidenz als alleinige Orientierungsgröße sei nicht mehr angemessen. "Es müsste ein komplexer Index gebildet werden aus verschiedenen Werten, damit das der Bürger und die Bürgerin auch versteht und nicht immer auf zehn Werte gleichzeitig gucken muss."

Die Inzidenz habe sich von den Krankenhauseinweisungen "ein Stück weit entkoppelt", erklärte Schmidt-Chanasit. "Das, was ja entscheidend ist, ist die Überlastung des Gesundheitssystems, was wir eben vermeiden wollen."

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