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Israel erlebt eine schwere Umweltkatastrophe. Auf 160 Kilometern Länge wurden Teerklumpen an der Küste angeschwemmt. Mit tödlichen Folgen für viele Meeresbewohner.

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"Teer an der ganzen Küste": Umweltkatastrophe in Israel

Israel erlebt die schlimmste Umweltkatastrophe der vergangenen Jahrzehnte. Auf rund 160 Kilometern Länge werden an der Küste des Landes Teerklumpen angeschwemmt, jahrelange Schäden werden befürchtet, die Ursache des Desasters ist noch unklar.

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Von
  • Tim Aßmann

Es sind Bilder, die berühren. Eine kleine Meeresschildkröte mit klebriger Teerschicht über Kopf und Panzer. Ein 17 Meter langer Finnwal – tot am Strand angespült. Auf rund 160 Kilometern Länge wurden und werden Teerklumpen angeschwemmt, die im Sand liegen oder an Klippen kleben. Tausende Freiwillige und Soldaten sind im Einsatz, harken die Klumpen zusammen oder sammeln sie mühsam per Hand ein, so wie ein Anwohner am Bonim-Strand nahe Haifa.

"Es sind unheimlich große Mengen an Teer, es ist ein regelrechter Teer- Fluss , der sich am Bonim Strand entlang zieht. Das sind keine Mengen, bei den man sagen kann, es reicht, wenn sich eine Person darum kümmert. Das muss der Staat machen. Aber jeder, der eine Harke hat und guten Willens ist, kann herkommen und dabei helfen zu retten, was zu retten ist." Anwohner in der Gegend von Haifa

Strände sind gesperrt

Einzelne Helfer klagten über Gesundheitsprobleme durch den Kontakt mit dem Teer. Für die Öffentlichkeit sind die betroffenen Gebiete gesperrt. Israels Meerwasser-Entsalzungs-Anlagen, die rund drei Viertel des Trinkwasserbedarfs abdecken, sind nach Regierungsangaben bisher nicht von den Verschmutzungen betroffen.

Anhaltende Umweltschäden befürchtet

Das genaue Ausmaß der Umweltkatastrophe ist noch nicht absehbar. Experten gehen von verheerenden und jahrelangen Folgen vor allem für die küstennahen Ökosysteme aus. Von noch nie dagewesenen Schäden an Israels Mittelmeerküste sprach Shaul Goldstein, Direktor der israelischen Nationalpark-Verwaltung, beim Besuch eines Strandes zwischen Haifa und Akko.

"Wir erleben die schlimmste Umweltkatastrophe der vergangenen Jahrzehnte in Israel. Der Teer erreicht den Strand und zerstört Lebensräume. Er klebt im Sand und auf den Felsen. Er verklebt Steine und Tiere." Shaul Goldstein, Direktor der israelischen Nationalpark-Verwaltung,

Auch Israels Regierungschef Netanjahu machte sich vor Ort ein Bild von den Schäden. Er kündigte die kurzfristige Bereitstellung von Finanzhilfen an und will mit anderen Anrainerstaaten darauf hinwirken, dass Schiffe mit Erdgas- statt mit Dieselmotoren ausgerüstet werden. Ein Langfrist-Ziel mit aktuell eher begrenzt wirkenden Erfolgsaussichten.

Schifffahrt als Verursacher vermutet

Die Schifffahrt wird als Verursacher der Teerklumpen vermutet. Es gibt Hinweise auf einen Ölteppich rund 50 Kilometer vor der israelischen Küste, der wenige Tage vor Beginn der Umweltverschmutzung an den Stränden gesichtet wurde. Hat ein Schiff Öl oder Diesel abgelassen und so die Katastrophe ausgelöst? Wir werden die Schuldigen finden, verspricht Israels Umweltministerin Gila Gamliel.

"Das ist ein gravierendes Ereignis für die Umwelt. Wir werden die Quelle der Verschmutzung ausfindig machen, die Verantwortlichen finden und strafrechtlich belangen." Gila Gamliel, israelische Umweltministerin

Vor Ort geht es weiter darum, die Schäden so gut wie eben möglich zu beseitigen. Schon das Säubern der Strände wird Monate in Anspruch nehmen. Andere Küstenabschnitte sind deutlich schwieriger zu reinigen.

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Teer an einem Strand in der Nähe von Ashdod

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