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"taz"-Kolumne zur Polizei: Seehofer kündigt Strafanzeige an | BR24

© dpa-picture-alliance/Martin Schutt

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU)

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    "taz"-Kolumne zur Polizei: Seehofer kündigt Strafanzeige an

    Was wäre, wenn die Polizei abgeschafft würde? Darüber hat die Berliner "Tageszeitung" in einer satirischen Kolumne sinniert. Bundesinnenminister Seehofer findet den Artikel "unsäglich" und hat angekündigt, Anzeige gegen die Autorin zu erstatten.

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    Von
    • Eva Böck

    Bundesinnenminister Horst Seehofer spricht von einer "Enthemmung der Worte". Die Kolumne, die vor einer Woche in der Berliner "tageszeitung" erschienen ist, ärgert ihn derart, dass er Strafanzeige erstatten will. Der Text war überschrieben mit dem Titel "Abschaffung der Polizei - All cops are berufsunfähig".

    "Ich werde morgen als Bundesinnenminister Strafanzeige gegen die Kolumnistin wegen des unsäglichen Artikels in der "taz" über die Polizei stellen". Horst Seehofer am Sonntagabend gegenüber der Bild-Zeitung

    Polizisten auf die Mülldeponie?

    Die Autorin der Kolumne hatte sich die Frage gestellt, was denn wäre, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Es ging um berufliche Alternativen für Polizisten. Und am Ende kommt die Schlussfolgerung, dass Beamte doch am besten auf einer Mülldeponie aufgehoben wären.

    "Spontan fällt mir nur eine geeignete Option ein: die Mülldeponie. Nicht als Müllmenschen mit Schlüsseln zu Häusern, sondern auf der Halde, wo sie wirklich nur von Abfall umgeben sind. Unter ihresgleichen fühlen sie sich bestimmt auch selber am wohlsten." Aus der "taz"-Kolumne vom 15. Juni

    Seehofer zieht Parallele zu Ausschreitungen in Stuttgart

    Freilich: alles Satire. Für Horst Seehofer aber hat der Artikel ganz klar Grenzen überschritten. Der Bundesinnenminister zieht auch eine Parallele zur Krawallnacht in Stuttgart.

    "Eine Enthemmung der Worte führt unweigerlich zu einer Enthemmung der Taten und zu Gewaltexzessen, genauso wie wir es jetzt in Stuttgart gesehen haben. " Bundesinnenminister Horst Seehofer

    Seehofer steht mit seiner Ansicht nicht allein da. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft findet die umstrittene "taz"-Kolumne unerträglich. Sie hat bereits Anzeige erstattet. Und auch beim Deutschen Presserat, der freiwilligen Selbstkontrolle der Presse, sind schon haufenweise Beschwerden eingegangen.

    "taz"-Chefredakteurin bedauert den Vorfall

    Barbara Junge, die Chefredakteurin der "taz", bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung. Am Wochenende hat sie sich in der Zeitung an die Leserinnen und Leser gewandt und ihr Bedauern ausgedrückt.

    "Eine Kolumne, so satirisch sie auch gemeint gewesen sein mag, die so verstanden werden kann, als seien Polizisten nichts als Abfall, ist daneben gegangen. Das tut mir leid." Barbara Junge, "taz"-Chefredakteurin

    Junge machte auch deutlich, dass es redaktionsintern heftige Debatten über den Text gegeben habe: "Wir streiten darum, wie stark der subjektive Blick, wie stark Diskriminierungserfahrung den Journalismus prägen soll oder darf."

    Innerhalb der Redaktion "nicht alle gleich"

    Ähnlich äußert sich Saskia Hödl, Leiterin des Ressorts "taz zwei". Sie betont in einem Artikel, der auch über Twitter zu lesen ist, dass innerhalb der Redaktion "nicht alle gleich sind".

    Grüne sehen "Angriff auf Pressefreiheit"

    Aber auch Seehofers Vorgehen stößt auf Kritik. Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, schrieb auf Twitter: "Das ist ein Angriff auf die Pressefreiheit, unabhängig, ob man den Meinungsbeitrag gut oder schlecht findet."

    Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz twitterte, Seehofer überschreite eine Grenze. Und Fraktionskollegin Renate Künast nannte Seehofers Vorgehen auf Twitter gar "ungeheuerlich".

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