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Zehntausende bei Klima-Demos von München bis Mindelheim | BR24

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Fridays for Future hat heute weltweit zum Klimastreik aufgerufen. Auch im Freistaat sind auch heute wieder zehntausende Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße gegangen.

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Zehntausende bei Klima-Demos von München bis Mindelheim

Der Protest geht weiter, weltweit und in Bayern. Allein in München hat "Fridays for Future" mindestens 17.000 Menschen mobilisiert. Auch in vielen Kleinstädten wurde demonstriert - wie in zahllosen Teilen der Welt von Australien bis in die Arktis.

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Wer eine Karte der Klimaproteste zeichnen wollte, hätte viel zu tun: Längst sind es nicht mehr nur die Großstädte, in denen demonstriert wird. Aus Mittel- und Oberfranken etwa werden "Fridays for Future"-Demos an 19 Orten gemeldet - darunter etliche kleinere Kommunen wie Stein, Selb, Dinkelsbühl und Weißenburg.

Zum Beispiel Mindelheim

Ähnlich sieht es in Schwaben aus, wo von Augsburg bis Lindau Tausende demonstrierten - auch viele Füssener und Marktoberdorfer. Den relativ größten Protest hat diesmal wohl Mindelheim erlebt. Neben zahlreichen Schülern nahmen hier auch viele Erwachsene am Klima-Marsch im Regen teil. Manche Jugendlichen kamen mit ihren Eltern – die ihrerseits Transparente dabei hatten, etwa mit der Aufschrift "Wir Eltern stehen hinter Euch Kids“.

Neben bekannten Parolen hatten die Demonstranten auch recht konkrete Forderungen und Vorschläge. So regte ein Demonstrant dem BR gegenüber an, das Maschinenbau-Unternehmen Grob - mit mehr als 4.000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber in Mindelheim - solle Solarkollektoren auf seinen Dächern installieren; viele kleinere Unternehmen in der Region machten dies schon vor.

© BR / Florian Regensburger

Musikalischer Protest in Mindelheim

© BR / Florian Regensburger

Der Demonstrationszug in der Mindelheimer Altstadt

© dpa

Auch viele Eltern sind auf den Beinen.

Größter Demonstrationszug in München

Die absolut gesehen größte Demonstration fand in München statt. Zwischen 18.000 - so die Polizei - und über 30.000 Teilnehmer - so die Veranstalter - zogen am Mittag vom Königsplatz durch die Maxvorstadt und wieder zurück. In Würzburg beteiligten sich bis zu 4.000 Menschen an der Klimademonstration. Auch in Augsburg, Regensburg und Nürnberg wurde protestiert. Insgesamt waren in Bayern 80 Demonstrationen und Aktionen geplant.

Die Bilanz: Beeindruckend - aber auch ernüchternd

Die bayerischen Proteste sind nur ein kleiner Teil einer weltweiten Bewegung, die auch diesmal wieder Hundertausende mobilisierte. In Hamburg waren bis zu 30.000 Demonstranten in der Innenstadt unterwegs, in Berlin knapp doppelt soviele.

"Ich hätte gerade eigentlich Geschichtsunterricht. Wichtiger als Geschichte ist jedoch momentan meine Zukunft." Berliner Schüler zur Presseagentur dpa

Die Bilanz des Aktionstags fällt dennoch durchwachsen aus. Entgegen dem bisherigen Trend – nämlich dass es immer mehr Menschen werden – ist die Zahl der Teilnehmer heute erstmals etwas zurückgegangen. Im September waren in München noch 40.000 Demonstranten unterwegs.

Erste Ermüdungserscheinungen? Was ein Experte dazu sagt

"Jugendliche neigen zum situativen Engagement", erklärt Dieter Rucht, Professor am Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Also: Sie engagierten sich wochen- oder monatelang für eine Sache, aber irgendwann kämen sie in neue Lebensphasen und dann sei etwas Neues angesagt. Außerdem sei der Protest aktuell noch von den Medien getrieben, doch auch deren Interesse würde mit der Zeit abklingen, wenn keine Erfolge kämen. Und genau das ist das Problem.

Aktuelles Beispiel: Der Bundesrat hat heute zwar Teile des Klimapaketes vorerst gestoppt - eine Neuauflage des Klimapaketes, wie sie die Aktivisten mit dem #NeustartKlima fordern, wird es aber eher nicht geben. Kurz zuvor wurde bekannt, dass kein einziger G20-Staat das von Wissenschaftlern geforderte 1,5-Grad-Klimaziel erreichen wird.

Rucht analysiert: "Fridays for Future" habe es zwar geschafft, Klimaschutz auf die öffentliche Agenda zu setzen und in weiten Teilen der Bevölkerung zu verankern - doch politisch sei nicht viel passiert.

Galerie: Der Freitag in München, Rom, Warschau ...

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Der Demonstrationszug in München

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Berlin

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Hamburg

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Kopenhagen

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Warschau

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Athen

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Rom

"Green Friday": Menschen in 158 Länder machen mit

International sind nach Angaben des Netzwerks über 2.400 Städte in 158 Ländern dabei. Teilweise gingen die Teilnehmer auf das in den USA erfundene, aber inzwischen international weltweit etablierte Konsum-Event "Black Friday" ein. "Stoppt Black Friday!" riefen die Demonstranten des Protestzugs über den Strøget, die große Einkaufsmeile Kopenhagens, auf der zeitgleich zahlreiche Menschen auf der Suche nach Schnäppchen unterwegs waren.

Die Protestteilnehmer dagegen forderten, der Handel müsse endlich klimafreundlich werden: Aus dem Black Friday müsse ein "Green Friday" gemacht werden. In Frankfurt am Main kam es laut Polizei zur Blockade von Geschäftseingängen an der Einkaufsstraße Zeil.

© BR

Klimaproteste in Australien und Asien.

In Australien sind vor allem die Waldbrände Thema

Wegen der Zeitverschiebung waren auch diesmal die Australier die ersten, die auf die Straße gingen. Diesmal haben sich etliche Betroffene der verheerenden Buschbrände angeschlossen. "Ein absoluter Feuersturm ist durch mein Grundstück gerast", berichtet Janet Reynolds, die erzählt, sie habe in dem Inferno alles verloren. Landesweit gab es "down under" Aktionen in 60 Städten.

"Menschen haben ihre Häuser verloren, Menschen haben ihr Leben verloren. (...) Wie weit muss es noch kommen, bis die Regierung endlich aktiv wird? Studentin Daisy Jeffrey vor dem Amtssitz von Premierminister Scott Morrison

Grußadressen aus dem hohen Norden

Sowohl auf dem arktischen Eis vor dem deutschen Forschungsschiff "Polarstern" als auch vor der deutschen Neumayer-Forschungsstation in der Antarktis demonstrierten Wissenschaftler für mehr Klimaschutz.

"Polarforscher vom Süden bis zum Norden danken Fridays for Future dafür, Aufmerksamkeit auf unsere Wissenschaft zu richten!" Melanie Bergmann, Wissenschaftlerin des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven