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Tausende demonstrieren für Seenotrettung - auch in Bayern | BR24

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Das unter deutscher Flagge fahrende Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat nach Angaben der Regensburger Organisation Sea-Eye vor Libyen 65 Migranten gerettet. Die italienische Regierung verbietet derzeit die Einfahrt in nationale Gewässer.

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Tausende demonstrieren für Seenotrettung - auch in Bayern

In mehr als 90 deutschen Städten sind heute zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen, um für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer zu demonstrieren. Die meisten versammelten sich in Berlin und Hamburg. Aber auch in Bayern gab es Aktionen.

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Vom Gärtnerplatz zum Mariahilfplatz führte der Demonstrationszug in München. Nach Angaben der Veranstalter, der Seebrücke München, nahmen rund 2.000 Menschen daran teil - die Polizei spricht von rund 500.

"Das Mittelmeer ist die tödlichste Grenze der Welt", hieß es auf einem langen orangefarbenen Banner, das die Demonstranten durch die Stadt trugen. Einige Teilnehmer hatten Plakate gemalt oder trugen T-Shirts mit Aufschriften wie "Macht München zu einem sicheren Hafen" oder "open the ports, open the cities" (dt. Öffnet die Häfen, öffnet die Städte).

"Mission Lifeline" auf dem Mittelmeer soll weitergehen

Bei der Abschlusskundgebung vor der Mariahilfkirche sprach auch der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch. Er kündigte an, bald wieder auf dem Mittelmeer Menschenleben zu retten. "Sie haben unser Schiff beschlagnahmt, jetzt haben wir halt ein neues gekauft", sagte der 58-Jährige. Ein Gericht in Malta hatte ihn im Mai zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er ein nicht ordnungsgemäß registriertes Boot in maltesische Gewässer gebracht haben soll.

Würzburger Demonstranten stellen sich hinter OB Schuchardt

Auch in Passau, Nürnberg und Würzburg gingen hunderte Menschen auf die Straße, um sich solidarisch mit den zivilen Seenotrettern zu zeigen - und um für sichere Fluchtrouten zu demonstrieren.

In Würzburg stellten sich die Demonstranten hinter den von Oberbürgermeister Christian Schuchardt verfassten Offenen Brief an den italienischen Innenminister Matteo Salvini. Darin fordert Schuchardt unter anderem eine Entkriminalisierung und ein Ende der Behinderung der Seenotrettung. Er ruft in dem Brief auch dazu auf, sich zu zentralen europäischen Werten wie den Menschenrechten zu bekennen und eine menschenrechtskonforme und solidarische Flüchtlingspolitik zu organisieren.

Kritik am zögerlichen Vorgehen der Bundesregierung

Insgesamt beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren deutschlandweit rund 30.000 Menschen an den Protesten. Die größten Demonstrationen gab es in Hamburg und Berlin. Dabei wurde auch ein Appell der "Sea Watch 3"-Kapitänin Carola Rackete übertragen. Sie sagte: "Man kann von der Bundesregierung erwarten, dass sie mutig vorangeht und sagt: Wir nehmen jetzt bis auf Weiteres alle auf, die auf dem Mittelmeer gerettet werden."

Im jüngsten Streit zwischen Deutschland und Italien geht es um 54 Flüchtlinge an Bord der "Alan Kurdi" der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye. Das Schiff liegt in internationalen Gewässern vor Lampedusa, darf aber laut Innenminister Salvini nicht in den Hafen der italienischen Insel einlaufen. Bundesinnenminister Seehofer hatte erklärt, Deutschland sei bereit, einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen - wenn sich auch andere europäische Länder beteiligen.

Derweil lief das Rettungsschiff "Alex" der italienischen Hilfsorganisation Mediterranea trotz eines von Salvini verhängten Verbots im Hafen von Lampedusa ein. An Bord sind 41 Migranten. Die hygienischen Bedingungen auf dem Segelschiff seien nicht länger tragbar, schrieb die Organisation auf Twitter.

EKD-Chef Bedford-Strohm unterstützt Seenotretter

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, machte sich bei der Kundgebung in Magdeburg erneut für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer stark. "Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass man Menschen, die in Gefahr sind, rettet", sagte er. Zivile Seenotretter dürften nicht länger kriminalisiert werden. Die Menschen würden sich nicht aus Leichtsinn, sondern aus reiner Verzweiflung auf die Schlauchboote begeben, betonte Bedford-Strohm.

Aufgerufen zu den Aktionen in rund 90 Städten hatte die internationale Organisation "Seebrücke". Die Bewegung war vor einem Jahr gegründet worden und fordert die Entkriminalisierung der Seenotrettung, sichere Fluchtwege und sichere Häfen für Flüchtlinge.

Video: Gespräch mit Lifeline-Kapitän Reisch

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Als Kapitän des Seenotretters der Mission Lifeline kennt Claus-Peter Reisch die Situation vor Italien. Das Land weigert sich gerette Menschen aufzunehmen. Europas Flüchtlingspolitik werde auf den Rücken der Kapitäne ausgetragen, so Reisch.