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Tausende bei Freitagsgebet: Hagia Sophia ist wieder Moschee | BR24

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Am Freitagnachmittag versammelten sich in und an der Hagia Sophia in Istanbul tausende gläubige Muslime.

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Tausende bei Freitagsgebet: Hagia Sophia ist wieder Moschee

In Istanbul ist das erste muslimische Freitagsgebet nach der Rückumwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee zu Ende gegangen. Nach Angaben von Staatspräsident Erdoğan nahmen daran 350.000 Menschen teil.

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Es war ein Tag der Gesten und Symbole: Als um genau 13:16 Uhr der Gebetsruf von allen vier Minaretten der Hagia Sophia ertönte ging für viele Muslime ein Traum in Erfüllung. 350.000 Gläubige waren für diesen Moment gekommen, auch weit aus dem Osten der Türkei.

Gardinen verdecken während Gebeten christliche Symbole

Tag und Nacht wurde in den vergangenen zwei Wochen gearbeitet, um aus dem Museum, das die Hagia Sophia 85 Jahre lang war, eine Moschee zu machen. 4.000 Quadratmeter Teppich wurden verlegt und ein Gardinensystem installiert, um die christlichen Symbole in der ursprünglichen byzantinischen Kathedrale während des islamischen Gebetes zu verstecken.

Deshalb hieß es auch Vorhang zu, als der Chef der türkischen Religionsbehörde Ali Erbas zu seiner Freitagspredigt ansetzte: "Heute ist gleichzeitig ein Tag der Ehre und Bescheidenheit", hatte Erbas verkündet. "Endloser Dank gebührt Allah dem Allmächtigen. Der uns diesen ehrenvollen Tag ermöglicht hat, uns in Moscheen zu treffen, den heiligsten Orten auf Erden und in der Hagia Sophia vor ihn treten zu dürfen." Und dann fügte er ein Zitat hinzu, das dem Propheten Mohammed zugeschrieben wird: "Eines Tages wird Konstantinopel erobert werden. Gesegnet ist der Herrscher, dem dies gelingt."

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan lauschte diesen Worten andächtig, obwohl heute viele von der zweiten Eroberung Istanbuls sprachen. Dabei war es Erbas selbst der die Gebetskanzel fast wie ein Eroberer bestiegen hatte: Mit einem Schwert in der Hand. Eine islamische Geste, bei der es darauf ankommt, in welcher Hand das Schwert getragen wird. Wer es rechts trägt, offenbart seine Absicht, es zu benutzen und zielt darauf ab, den Feind einzuschüchtern. Erbas trug es rechts.

Griechisch-Orthodoxe Kirche: "Akt der Schändung"

Kritik war rund um die Hagia Sophia nicht zu hören. Sie kam vor allem aus dem Ausland. In Griechenland und auf Zypern läuteten aus Protest die Glocken vieler Kirchen. Das Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche, Erzbischof Hieronymus, bezeichnete die Umwandlung als Akt der Schändung.

Die laizistische türkische Opposition verhielt sich auffällig still. "Weil sie denken, dass diese Entscheidung sehr populär ist", begründete Orhan Pamuk, türkischer Literaturnobelpreisträger und bekennender Atatürk-Anhänger, gegenüber der Deutschen Welle diese Haltung."Leider ist es ja auch so. Freudig aufgenommen von der türkischen Bevölkerung und das Schicksal der Hagia Sophia sollte auch in den Händen der türkischen Bevölkerung liegen. Aber ich bin auch ein Bürger dieses Staates. Ich bin säkular und dagegen."

Auch Nicht-Muslime dürfen Hagia Sophia weiter besuchen

Doch auch Menschen, die keiner oder einer anderen Religion angehören, sollen die Hagia Sophia weiterhin besuchen dürfen. Nur eben außerhalb der Gebetszeiten. Dass die Moschee zu den Gebetszeiten voll werden wird, obwohl es so viele Moscheen in Istanbul gibt – daran hat der 20-jährige Student Mehmet keinen Zweifel: "Ich werde natürlich zurückkommen. Früher im Museum war ich auch, aber jetzt kann ich ohne Ticket rein. Jetzt werden wir hier unsere Gebete verrichten. Das ist nicht irgendeine Moschee oder eine Moschee die leer bleiben wird." Er musste sich das Freitagsgebet auf einer Großbildleinwand ansehen, weil drinnen kein Platz mehr war.

Erdoğan konnte sich heute feiern lassen, als derjenige, der die Hagia Sophia zum zweiten Mal in der Geschichte zu einer Moschee gemacht hat. Das Läuten der griechischen Glocken war in Istanbul nicht zu hören.

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Tausende Muslime haben zusammen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan das erste Freitagsgebeit in der Hagia Sophia seit fast 90 Jahren begangen. Das weltberühmte Bauwerk war erst vor kurzem zur Moschee umgewandelt worden.