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Tanker-Attacke: Siko-Chef Ischinger schlägt EU-Schutzmission vor | BR24

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Für US-Präsident Trump ist der Iran verantwortlich für den mutmaßlihen Angriffe auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Das sagte er dem Sender FOX News. Der Iran bestreitet das vehement.

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Tanker-Attacke: Siko-Chef Ischinger schlägt EU-Schutzmission vor

Nach mutmaßlichen Angriffen auf Tanker im Golf von Oman hat der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Ischinger, eine EU-Schutzmission vorgeschlagen. Gestern machte neben den USA auch Großbritannien den Iran für den Zwischenfall verantwortlich.

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Nach den mutmaßlichen Angriffen auf zwei Öl-Tanker im Golf von Oman hat der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, zur Deeskalation aufgerufen und eine Schutzmission durch die EU ins Spiel gebracht. Auf Twitter schrieb er, mit Aufklärungstechniken von Luftwaffe und Marine könnten weitere Vorfälle verhindert werden. Die EU habe im Kampf gegen Piraterie am Horn von Afrika gezeigt, dass sie Schutz für Tanker bieten könne.

Großbritannien beschuldigt Iran

Unterdessen machte nach den USA auch Großbritannien den Iran für den Zwischenfall verantwortlich. Außenminister Hunt erklärte, kein anderer Staat oder nicht-staatlicher Akteur käme dafür vernünftigerweise in Betracht. Beweise dafür legte Hunt aber nicht vor.

Der internationale Druck auf den Iran wächst: Der Generalsekretär der Arabischen Liga mahnte Teheran zu Zurückhaltung. "Mein Aufruf an meine iranischen - und ich nenne sie - Brüder: Seid vorsichtig und kehrt euren Kurs um, denn ihr drängt alle in eine Konfrontation, in der niemand sicher wäre", sagte Ahmed Abul Gheit nach einem Treffen mit UN-Generalsekretär António Guterres in New York am Freitag.

Widersprüchliche Berichte über Tanker-Angriffe

Abul Gheit wollte sich noch nicht auf eine Position festlegen. Es gebe widersprüchliche Berichte, wer verantwortlich sei. Das müsse erst geklärt werden. "Die Fakten werden offengelegt werden, da bin ich sicher. Es ist nur eine Frage der Zeit." Treibende Kraft in der Arabischen Liga ist Saudi-Arabien, der Erzfeind des Iran.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits am Freitag Teheran für die Attacken verantwortlich gemacht. In einem Interview untermauerte er diese Sichtweise: "Der Iran hat es getan", sagte Trump dem Sender Fox News. Es handele sich um eine "nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran", sagte auch US-Außenminister Mike Pompeo. Dem Iran gehe es darum, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen.

Die Trump-Regierung hatte sich vor einem Jahr einseitig aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran zurückgezogen, das Teheran aus Sicht Washingtons zu viele Zugeständnisse einräumt. Seitdem führte das Weiße Haus schrittweise die Sanktionen wieder ein, um Teheran zu Verhandlungen zu bewegen.

Zuletzt haben sich die Spannungen zwischen den USA und dem Iran aber massiv verschärft. Schon vor einem Monat hatte es vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate mutmaßliche Sabotageakte gegen vier Handelsschiffe gegeben. Auch dafür machten die USA den Iran verantwortlich.

Iran weist alle Vorwürfe zurück

Dagegen deutet der Iran einen Angriff unter falscher Flagge ("false flag") an. Gegner könnten die Zwischenfälle inszeniert haben, um einen Vorwand zu haben, noch härter gegen das Land vorzugehen - und es möglicherweise anzugreifen. Die Beschuldigungen seien "lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich", wie Außenamtssprecher Abbas Mussawi am Freitag laut der staatlichen Agentur Irna sagte. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, solle man lieber herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Sorge vor einem neuen Golfkrieg

Weltweit wächst nun die Sorge, dass die Vorfälle die Spannungen zwischen den USA und dem Iran weiter anheizen könnten. Die Vereinigten Arabischen Emirate beklagten eine "gefährliche Eskalation" in der Region. Auch der saudiarabische Energieminister Chalid al-Falih äußerte sich besorgt. Der irakische Regierungschef Adel Abdel Mahdi rief beide Seiten dazu auf, "Ruhe" zu bewahren.

UN-Generalsekretär Antonio Gueterres sprach sich nun für eine unabhängige Untersuchung aus.

"Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu kennen. Und es ist sehr wichtig, dass Verantwortlichkeiten geklärt werden. Das ist natürlich nur möglich, wenn es eine unabhängige Instanz gibt, die diese Fakten überprüft." UN-Generalsekretär Antonio Gueterres

Video des US-Militärs soll iranisches Boot an japanischem Tanker zeigen

US-Außenminister Pompeo hatte zur Untermauerung der Vorwürfe an den Iran zudem ein Video präsentiert, das nach der Explosion aufgenommen sein soll. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot Typ "Gaschti" der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Bootbesatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes. Das Video hat eine schlechte Bildqualität. Von unabhängiger Stelle verifiziert ist es bislang nicht.

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Nach den Explosionen auf zwei Tankern im Golf von Oman geben die USA dem Iran die Schuld: Washington hat heute mit einem Video auch angebliche Beweise dafür vorgelegt. Doch Teheran weist die Vorwürfe vehement zurück.

Das Rätselraten geht weiter

Die genauen Umstände der Zwischenfälle bleiben somit zunächst weiter mysteriös. Der japanische Betreiber eines der Schiffe bestritt, dass der Tanker von einem Torpedo getroffen wurde. Es habe zwei Angriffe im Abstand von einigen Stunden gegeben, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo in Tokio. Die Crew der "Kokuka Courageous" habe vor der zweiten Explosion ein "fliegendes Objekt" gesehen, das auf sie zugesteuert sei, erklärte er weiter. Am Donnerstag hatte er zunächst mitgeteilt, der Tanker sei von "einer Art Granate" angegriffen worden.

Die Reederei des norwegischen Öltankers "Front Altair" hat inzwischen mechanisches oder menschliches Versagen als Explosionsursache ausgeschlossen. Beide Schiffe, die "Kokuka Courageous" und die "Front Altair", waren mit Erdölprodukten beladen. Die "Front Altair" brannte über Stunden hinweg. Nach den Vorfällen wurden die Besatzungsmitglieder jeweils in Sicherheit gebracht. Insgesamt handelte es sich den Angaben zufolge um 44 Seeleute.

Als Reaktion auf die mutmaßlichen Angriffe stiegen die Ölpreise am Freitag weiter an.