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Linden-Krone

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    Tag des Waldes: Bundeshilfen "eine verschwindend geringe Summe"

    Den Bäumen in Deutschland geht es so schlecht wie nie: Dürre, Stürme und Schädlinge setzen dem Wald als wichtigem Lebens- und Erholungsraum schwer zu. Was tut die Politik, um ihn zu erhalten und fit zu machen für die Auswirkungen des Klimawandels?

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    Von
    • Birgit Schmeitzner

    Der Wald – gerade in Corona-Zeiten ist er ein Rückzugsort für viele Menschen. Er steht für Ruhe und Erholung, und der gebotene Abstand zu den anderen lässt sich leicht einhalten. Doch der Wald ist noch mehr: Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Ein Wirtschaftsfaktor, weil er Holz produziert und Arbeitsplätze schafft. Und vor allem: ein Klimaschützer.

    "Jedes Jahr holt der Wald rund 60 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid aus der Luft und speichert die Treibhausgase im Holz. Das ist eine enorme Leistung und gut für die deutsche CO2-Bilanz – denn der Wald und die Verwendung von Holzprodukten steht für eine Entlastung 'bis zu 14 Prozent'." Julia Klöckner, Bundeslandwirtschaftsministerin (CDU)

    Ein "Alleskönner" in Not

    Der Wald leistet viel, aber er kann das nur, wenn es ihm auch gut geht. Das ist aber nicht der Fall: Ein Dürre-Jahr nach dem anderen, Stürme und dann auch noch Schädlinge wie der Borkenkäfer, der bei den stressgeplagten Bäumen leichtes Spiel hat. Nur noch jeder fünfte Baum steht mit voller Krone gesund da. In Bayern sind 43 Prozent aller Bäume geschädigt, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Anstieg um acht Prozentpunkte. Betrachtet man die einzelnen Baumarten, stechen zwei heraus: zum einen die Buchen, fast die Hälfte hat Kronenschäden, im Jahr zuvor war es nur ein Drittel. Auffallend auch die Kiefern: 60 Prozent von ihnen weisen inzwischen Schäden auf.

    Problem Schadholz

    Laut Klöckner fielen in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt 171 Millionen Kubikmeter Schadholz an – sei es durch den Wind, der Äste oder ganze Bäume abgebrochen hat, sei es durch Schädlingsbefall. Viel von diesem Schadholz soll raus aus den Wäldern, und außerdem soll es mehr Wälder geben, die besser mit Trockenheit klarkommen. Das alles ist allein über den Holzerlös nicht zu finanzieren, ohnehin ist der Marktpreis im Keller.

    Fördermittel von Bund und Ländern

    Waldbesitzer und Forstwirte können auf Hilfe vom Staat zurückgreifen. Klöckner betont, wie "effektiv, unkompliziert und auch schnell" das vorangehe. Aus einem Bund-Länder-Topf wurden im vergangenen Jahr gut 200 Millionen Euro ausgezahlt, die größten Beträge nach Bayern und Nordrhein-Westfalen. Tausende Kommunen haben zudem einen Antrag auf die neue "Bundeswaldprämie" gestellt, hier wurden bislang rund 110 Millionen Euro überwiesen. Insgesamt stehen laut Klöckner 1,5 Milliarden Euro bereit.

    1,5 Milliarden Euro – reicht das?

    Diese Summe klingt erst einmal gut, bis man sich klar macht, um welche Fläche es geht. Ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands ist von Wald bedeckt. Das sind 11,4 Millionen Hektar, auf denen rund 90 Milliarden Bäume wachsen. Wenn man nun zum Beispiel die Waldprämie auf den Hektar herunterbricht, kommt eine übersichtliche Summe heraus: 100 bis 120 Euro als einmalige Auszahlung.

    Kein Vergleich zu der dauerhaften Unterstützung für die Landwirtschaft, darauf weist der Forstwissenschaftler Jürgen Bauhus hin. Bauhus, der den vom Ministerium berufenen Wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik (WBW) leitet, kommt zum Schluss: auch wenn Deutschland für den Wald 1,5 Milliarden Euro in die Hand nimmt, so sei das doch nur "eine verschwindend geringe Summe".

    Stiftung mit Geld aus der CO2-Bepreisung

    Bauhus fände ein anderes Modell besser: eine Bundesstiftung, die durch die CO2-Bepreisung finanziert wird. Aus diesem Topf könnte dann dauerhaft Geld in den Aufbau von anpassungsfähigeren Wäldern fließen. Anpassungsfähig heißt dem Forstwissenschaftler zufolge: ein Mix aus mindestens drei bis vier verschiedenen Baumarten, die an den Standort passen, die sich gut vertragen und vielen Unwägbarkeiten trotzen: Resistent gegen Trockenstress, stabil genug, um auch heftigen Wind und zum Beispiel auch Feuer auszuhalten. Auch der Blick in die Zukunft sei bei der Auswahl der Baumarten wichtig, damit die Wälder auch noch in 50 oder 100 Jahren passen.

    Achtsam draußen im Grünen

    Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner sieht es als Jahrhundertaufgabe an, den Wald wieder fit zu machen. Sie wünsche sich mehr Bewusstsein der Menschen, dass sich dieser Einsatz lohne. Aber auch im Kleinen könne jeder einzelne etwas tun – achtsam sein. Denn "unsere Wälder bieten uns so viel, umso wichtiger ist es, pfleglich mit ihnen umzugehen." Schon ein Papiertaschentuch, achtlos weggeworfen, brauche fünf Jahre, um zu verrotten. Eine Zigarettenkippe gar zehn Jahre. Nicht jedem sei bewusst, wie sehr Müll das sensible Ökosystem Wald belaste.

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