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Das Logo des Tafel-Ladens ist an einem Fenster angebracht.

Tafel-Laden versorgt Bedürftige

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Felix Kästle
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    Tafeln unter Druck - "So angespannt war die Lage noch nie"

    Der Ukraine-Krieg, stark steigende Lebenshaltungskosten - viele Menschen kommen nicht mehr über die Runden und sind auf Tafeln angewiesen. So haben sich in Bayern die Anmeldungen von Bedürftigen vielerorts verdoppelt. Nun schlagen die Tafeln Alarm.

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    Die Menschenmenge vor dem Fan-Haus des Fußball-Bundesligisten 1. FC Union Berlin ist kaum zu übersehen oder zu überhören. Geordnet stehen und sitzen sie auf markierten Linien des Parkplatzes. Es sind allerdings keine Union-Fans - sondern Mütter, Senioren, junge Männer oder Familienväter, die auf ein paar Lebensmittel warten. Einkaufstrolleys und Taschen haben sie mitgenommen, einige sogar Hocker, denn das Warten könnte hier länger dauern.

    "Wir können nicht alle versorgen"

    Jeden Dienstag um 14 Uhr findet an diesem Ort im Stadtteil Köpenick im Osten Berlins eine Lebensmittelausgabe statt. Der Fußballverein hat dafür seine Fläche am Fanhaus zur Verfügung gestellt. Einige stehen deswegen seit acht Uhr da, andere kamen sogar noch früher. 47 solcher Ausgabestellen gibt es in der ganzen Stadt, der Verein ist Partner der Berliner Tafel.

    Ob es zuletzt mehr Menschen geworden seien? "Wenn wir jetzt am Tag über 500 Menschen mit Lebensmittel versorgen, wo wir vorher nur 300 oder 320 hatten, dann ist das ein signifikanter Anstieg, absolut", sagt Seele. "Wenn es mehr werden würden, müssen wir uns was einfallen lassen, wie wir das händeln. Denn wir können nicht alle versorgen."

    Viele Tafeln können keine neuen Bedürftigen mehr aufnehmen

    So wie hier geht es derzeit bei vielen Tafeln insgesamt 960 Tafeln in Deutschland zu. Durch den Krieg in der Ukraine und die starken Preissteigerungen reiche es bei immer mehr Menschen nicht mehr für das Nötigste wie etwa ausreichend Lebensmittel, sagt Jochen Brühl, der Vorsitzende der Tafel Deutschland.

    Immer mehr Tafeln haben oder hatten nach Angaben des Bundesverbands einen Aufnahmestopp für neue Hilfesuchende verhängt. "Weil sie nicht genug Lebensmittelspenden haben, die sie an immer mehr Menschen weitergeben können, oder weil ihnen Helferinnen und Helfer oder Räumlichkeiten für weitere Ausgabezeiten fehlen", sagt Brühl. "So angespannt wie aktuell war die Lage der Tafeln noch nie."

    Ansturm größer als 2015

    In Bayern haben die Tafeln einen Zuwachs von 50 bis 150 Prozent erlebt, sagt Peter Zilles, Vorsitzender des Landesverbands Tafel Bayern. Über 90 Prozent der Neuanmeldungen seien Geflüchtete aus der Ukraine. Auch hier hatte es schon bei mehreren Tafeln einen Aufnahmestopp gegeben. Dadurch sei allerdings das Problem nur aufgeschoben worden. "Es ist keine Patentlösung."

    So hatte es beispielsweise in Bayreuth direkt nach der Aufhebung des Aufnahmestopps "unglaublichen Andrang bei der Registrierung" gegeben. Seit 14 Jahren arbeitet Zilles ehrenamtlich bei den Tafeln. Das sei bisher allerdings der größte Zulauf - während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 sei er nicht annähernd so hoch gewesen.

    Tafeln in Sachsen "regelrecht überrannt"

    Auch andere Bundesländer zeichnen ein ähnliches Bild der Lage. In Sachsen würden die Tafeln "regelrecht überrannt", sagte kürzlich ein Sprecher des zugehörigen Landesverbands. Die Zahl der Bedürftigen, die bei den Tafeln in Nordrhein-Westfalen Hilfe suchen, habe sich im Vergleich zu 2020 verdoppelt. So müssten beispielsweise in Essen nach Angaben des Landesverband-Vorsitzenden viele ohne Tafelausweis wieder weggeschickt werden.

    Von einer "Akutsituation" sprach die Tafel-Chefin in Brandenburgs Hauptstadt Potsdam kürzlich. Normalerweise würden dort 1.200 Kunden unterstützt, seit April seien zusätzlich 1.400 ukrainische Geflüchtete hinzugekommen. In Hamburg ist der Andrang nach Auskunft der dortigen Tafeln so groß, dass etwa drei Viertel einen Aufnahmestopp verhängt hätten.

    Supermärkte geben nicht mehr so viel ab

    Vor dem Fan-Haus von Union Berlin läuft die Lebensmittelausgabe bereits. "Die Supermärkte geben nicht mehr so viel ab, das ist schon knapp geworden", sagt Wolfgang, einer der Ehrenamtlichen. Es gebe deswegen auch Menschen, die kein Verständnis dafür hätten, dass mal etwas weniger bereitstehe. Bis jetzt habe es aber immer für alle gereicht.

    Am Ende des Rundgangs bei den Blumen steht Klaus Feske, einer der ältesten Ehrenamtlichen. Seit 17 Jahren und damit von Anfang an ist er dabei. "Die Massen werden immer mehr, und wenn es hoch hergeht, dann ist es schon anstrengend für einen älteren Herrn", sagt der 87-Jährige.

    Dennoch mache er seine Aufgabe noch mit großer Freude, nehme sich Zeit für jede individuelle Blumenberatung. Zu vielen hat er deswegen einen persönlichen Draht. Denn trotz aller Hektik: Hinter jedem Menschen hier steckt am Ende auch eine zum Teil leiderfüllte Geschichte. "Manche kommen und sagen: Bei mir haben sie Krebs festgestellt", erzählt er. "Da muss man dann eben auch ein bisschen tröstende und aufmunternde Worte finden. Das ist uns wichtig."

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