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Türkische Hilfsorganisation verteilt Brot an syrische Zivilisten.

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    Syrien zwischen Krieg, Hunger und Corona

    Während die Welt auf die Corona-Pandemie blickt, leiden die Menschen in Syrien momentan vor allem unter einem großen Feind: dem Hunger. Zehn Millionen Syrer sind von Lebensmittellieferungen abhängig.

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    Von
    • Björn Blaschke
    • BR24 Redaktion

    Immer mehr Menschen in Syrien leiden unter Hunger. Es ist eine traurige Gemengelage, die im Bürgerkriegs-Land herrscht. Fast sechseinhalb Millionen Menschen sind auf der Flucht im eigenen Land. Sie sind geflohen vor Kämpfen, Bombardements, Verschleppung, Krieg.

    Egal, wo sie hingehen, sie stoßen auf mangelnde medizinische Versorgung und ein darniederliegendes Bildungssystem. Irgendwo in der nordsyrischen Provinz Idlib hat etwa Abu Ahmad Zuflucht gesucht. In einem Gefängnis: "Als wir in die Provinz Idlib kamen, haben wir keinen anderen Ort gefunden. Also sind wir in dieses verlassene Gefängnis gezogen, auch wenn es kaum zu bewohnen ist. 75 Familien sind hier, drei in jedem Raum."

    Zehn Millionen Syrer von Lebensmittellieferungen abhängig

    Doch wo immer die Geflüchteten untergekommen sind, ob bei Freunden oder Verwandten, in Zeltlagern oder in verlassenen Gefängnissen – ihr größter Feind ist momentan der Hunger. Der grausame Mix aus Krieg, wirtschaftlichem Stillstand und jetzt Covid-19-Lockdown-Maßnahmen hat die Lebensmittelpreise in Syrien innerhalb eines Jahres um 200 Prozent gesteigert. Das Land befindet sich in einer Wirtschaftskrise, die Landeswährung verliert drastisch an Wert. Mitarbeiter des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, kurz WFP, verteilen zum Beispiel Grundnahrungsmittel im Norden Syriens. Derzeit sind annähernd zehn Millionen Menschen von solchen Lieferungen abhängig. Corinna Fleischer, die Direktorin des Programms in Syrien, sagt:

    "Die Lebensmittelpreise waren während der neun Jahre Krieg nie höher. Leute sagen uns, dass sie es sich nicht mehr leisten können, Essen auf den Märkten zu kaufen. Sie müssen warten, bis die Preise sinken. Stellen Sie sich vor: Eltern können es sich nicht mehr leisten, ihre Kinder zu ernähren." Corinna Fleischer, WFP

    Situation könnte sich aufgrund von US-Sanktionen verschlimmern

    In einem Teil des Landes, der bisher mehr oder weniger zu Präsident Bashar al-Assad stand, kam es deshalb kürzlich sogar zu Demonstrationen gegen die Führung in Damaskus. Die Slogans erinnern an 2011, als es erste Proteste in Syrien gab: "Das Volk will den Sturz des Systems!" Und: "Revolution!"

    Die Lage könnte sich durch ein neues Sanktions-Paket der USA noch verschlimmern: Der sogenannte Caesar Act droht Personen und Firmen mit Strafen, die mit Syriens Regierung Geschäfte machen. Die Erfahrung lehrt allerdings, dass Sanktionen selten diejenigen treffen, die sie treffen sollen, sondern vor allem die Bevölkerung. Und das, obwohl heute schon 80 Prozent der Syrer an oder unterhalb der Armutsgrenze leben.

    Hilfsorganisationen bitten um Gelder

    Das Welternährungsprogramm der UN hat von der Weltgemeinschaft dringend 200 Millionen US-Dollar erbeten, um bis zum Jahresende allein die Lebensmittelhilfen für das Land sicherstellen zu können. Wenn das Geld bis August nicht zusammenkommt, müssen die Rationen ab Oktober gekürzt werden.

    Der stellvertretende Syrien-Direktor der Hilfsorganisation CARE, Tue Jakobsen, hat deshalb drei Forderungen: "Der UN-Sicherheitsrat diskutiert derzeit, ob die Hilfslieferungen eingestellt werden sollen. CARE ruft den UN-Sicherheitsrat dazu auf, die UN-Hilfsaktionen fortzusetzen und zu steigern. Außerdem müssen die Bedürfnisse von Frauen und Mädchen beachtet werden. Konflikt und wirtschaftliche Krise treffen Frauen und Mädchen besonders hart. Und schließlich ruft CARE alle Konfliktparteien dazu auf, einen Waffenstillstand in Kraft zu setzen. Und politische Lösungen zu finden, die den Konflikt beenden."

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