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Synodaler Weg: Katholische Kirche traut sich an heiße Eisen | BR24

© BR/Tilmann Kleinjung

Am 1. Advent startet der Reformprozess "Synodaler Weg" in der deutschen katholischen Kirche. Themen der kommenden zwei Jahre: Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und Frauen. Unter den Bischöfen ist dieser Reformprozess umstritten.

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Synodaler Weg: Katholische Kirche traut sich an heiße Eisen

Die Katholische Kirchen hat ihren großen Reformprozess gestartet. Themen der nächsten zwei Jahre: Macht, Sexualmoral, Zölibat, die Rolle der Frauen. Der Münchner Kardinal Marx äußerte sich zuversichtlich. Der Synodale Weg ist aber auch umstritten.

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Am Beginn des Synodalen Weges stand eine symbolische Geste. Gemeinsam haben der Münchner Kardinal Reinhard Marx und Karin Kortmann am heutigen 1. Adventssonntag im Münchner Liebfrauendom eine Kerze entzündet.

Kardinal Marx äußert sich zuversichtlich

Marx ist auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Kortmann Vizepräsidentin der deutschen Katholiken (ZdK). "Wo etwas falsch läuft in der katholischen Kirche, müssen wir reden", betonte der Kardinal mit Blick auf den nun anstehenden großen Reformprozess. Es sei wichtig, aufeinander zu hören, auch wenn es unterschiedliche Positionen gebe. "Ich hoffe sehr, dass das gelingt", sagte Marx in seiner Predigt.

Kortmann erklärte: "Die Erwartungen der Gläubigen an substantielle Ergebnisse sind hoch, aber auch die Sorge vor einem Scheitern." Sie sei überzeugt, "dass wir in der Verantwortungsgemeinschaft von Laien und Geweihten, neue Wege gehen müssen".

Zölibat, Weiheämter für Frauen und Machtbegrenzung

Viele Themen, über die die Bischöfe und katholischen Laienvertreter nun beraten werden, berühren weltkirchliche Fragen und können eigentlich nur von Rom entschieden werden: Welche Rolle spielen Frauen in der Kirche? Gibt es Ausnahmen vom Zölibat? Wie lässt sich klerikale Machtfülle begrenzen?

Marx hofft auf ergebnisoffenen Dialog

Fragen, die die katholische Kirche nicht erst seit dem Missbrauchsskandal beschäftigen und die innerkirchlich heftig umstritten sind: Die einen fordern eine Abschaffung des Pflichtzölibats und Weiheämter für Frauen. Das dürfte auf die Mehrheit des deutschen Katholizismus zutreffen. Eine mächtige und lautstarke Minderheit will die traditionellen Strukturen und sieht die Kirchenkrise vor allem als Glaubenskrise. Kardinal Reinhard Marx plädiert für einen ergebnisoffenen Dialog und hofft auf einen gemeinsamen Weg.

Vorbehalte bei Bischöfen von Regensburg und Köln

Skeptischer sind die Bischöfe von Köln und Regensburg. Kardinal Rainer Maria Woelki von Köln hat in einem Interview die Sorge geäußert, dass mit dem Synodalen Weg ein Kirchenparlament installiert wird, in dem alle Mitglieder gleich stimmberechtigt sind – also Bischöfe und Laienkatholiken. Bischof Rudolf Voderholzer aus Regensburg behält sich vor, jederzeit auszusteigen, wenn der Prozess aus seiner Sicht in die falsche Richtung läuft.

Keine Entscheidungen, die in Roms Befugnisse eingreifen

Die Frage ist nun, wie weit der Weg führt. In der Satzung des Synodalen Wegs sind ein paar Bremsen eingebaut – auch aus Rücksicht auf Rom und die kritischen Stimmen in Deutschland: Beschlüsse können nur gefasst werden, wenn auch zwei Drittel der anwesenden Bischöfe dafür stimmen. Die Versammlung darf nichts entscheiden, was dem Papst oder dem Vatikan vorbehalten ist. Welche Beschlüsse am Ende auch umgesetzt werden, das entscheidet der jeweilige Ortsbischof.

Das Ringen um Reformen in der katholischen Kirche in Deutschland findet übrigens nicht hinter verschlossenen Türen statt. Die Tagungen der Synodalversammlung, die am letzten Januarwochenende in Frankfurt beginnen, sind presseöffentlich.