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Süddeutsche Backwaren in China - Das Pekinger Café Konstanz | BR24

© Markus Pfalzgraf/ARD

Man erkennt es schon von weitem an seinem hölzernen Spitzdach, das "Café Konstanz" in Peking. Draußen an der Fassade prangt ein stilisierter Hirsch, die Tische und Regale drinnen stehen auf beigen Bodenfliesen vor einer meterlangen

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Süddeutsche Backwaren in China - Das Pekinger Café Konstanz

Man erkennt es schon von weitem an seinem hölzernen Spitzdach, das "Café Konstanz" in Peking. Draußen an der Fassade prangt ein stilisierter Hirsch, die Tische und Regale drinnen stehen auf beigen Bodenfliesen vor einer meterlangen Kuchentheke.

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Von der Schwarzwälder Kirschtorte ist nur noch ein Stück übrig, von der Linzer Torte auch. Mehr ist noch im Angebot vom Apfelkuchen, Käsekuchen und natürlich Christstollen. Der Inhaber Zhang Yingjie ist erst vor wenigen Jahren in das Geschäft mit Backwaren eingestiegen.

"Zurzeit kaufen die Chinesen mehr Kuchen, für Geburtstage, oder sie essen ihn hier zum Kaffee und treffen sich mit Leuten. Dann kaufen sie auch andere Süßspeisen. Am Ende nehmen sie noch Brot mit." Zhang Yingjie, Café Konstanz in Peking

Backprodukte aus Deutschland importiert

Hinter der Kuchentheke liegen Vollkornbrote und Allgäuer Bauernbrot im Regal, in Körben darunter Brezen und Brötchen. Mit sprachlichen oder regionalen Befindlichkeiten hält man sich hier nicht auf – verkauft wird, was gekauft wird. Die Rohstoffe besorgt Zhang Yingjie in Deutschland, erst kürzlich war er wieder in München und am Bodensee.

"Alle Kunden, die mal in Deutschland waren, sagen, unsere Brote sind original. Einmal habe ich gesehen, wie eine Deutsche unser Brot nahm und weinte. Sie meinte, das sei genau der Geschmack aus der Heimat!" Zhang Yingjie

Großmutters Apfelkuchen

Früher waren die Kunden vor allem Ausländer, z.B. Angestellte deutscher Firmen in Peking. Heute ist die Kundschaft zu 70 Prozent chinesisch, schätzt der Inhaber. An diesem Tag sicher mehr. Ein treuer Kunde, Zhang Changzhuo, kommt herein. Er ist 67, trägt einen langen Wintermantel und auf dem Kopf die schwarze Kappe eines deutschen Herstellers. Herr Zhang kauft ein Walnussbrot.

"Ich komme etwa zwei oder drei Mal im Monat, meist kaufe ich Brote. Die sind hier ohne Zucker, die finde ich sehr lecker, schön hart. Und guter Geschmack. Früher habe ich in der Nähe gewohnt, aber dann bin ich umgezogen. Ich wohne jetzt weit weg, aber ich komme trotzdem oft." Zhang Changzhuo

Sein Sohn studiere in Deutschland, sagt Zhang noch. Auch andere Kundinnen haben einen Bezug – und sei es, dass der Schwager einer Freundin Deutscher ist, wie bei einer jungen Chinesin. Sie heißt Bi Tong und sitzt oben im Café, das man über eine Treppe erreicht. "Das ist Großmutters Apfelkuchen. Das andere ist wohl ein Stück Kaffee-Schokoladenkuchen, ich weiß nicht genau", sagt Bi Tong

Kässpätzle, Flammkuchen und Schweinshaxe

Zusammen mit einer Freundin sitzt Tong unter einem mehrere Meter breiten Gemälde: Es zeigt den Bodensee. Denn das Restaurant über der Bäckerei heißt Bodenseestube, weil einer der Gründer von dort kommt. Hier gibt es Kässpätzle, Schweinshaxen, Rinderrouladen und Wurstplatte. Natürlich auch Hefeweizen und fränkisches Schwarzbier. Aber jetzt es ist noch früh am Tag. Eine Frau hat einen Flammkuchen bestellt, und am Nebentisch kaut ein Mann, der mal in Deutschland gearbeitet und ein paar Wörter aufgeschnappt hat, eher lustlos an einer Brezel. Schmeckt die etwa nicht? "Nee, nee", antwortet er. Er zeigt auf die wenigen Salzkörner an der Brezel. Es fehle das Salz. Und tatsächlich ist die Brezel auch etwas trocken.

"Ich finde es hier schon gut. Wenn ich etwas Deutsches essen möchte, ist das besser als nichts! Kaffee und Kuchen sind im Großen und Ganzen in Ordnung," Yu, Gast im Café Konstanz