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Suche nach Atommüll-Endlager: Wie es nun weitergeht | BR24

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Es muss eine Entscheidung für die Ewigkeit getroffen werden, für eine Million Jahre. Wenn es nach der Bundesgesellschaft für Endlager geht, kommen 90 Gebiete in Deutschland in Frage, darunter auch zwei Drittel von Bayern.

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Suche nach Atommüll-Endlager: Wie es nun weitergeht

Knapp mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands kommt aus rein geologischen Gesichtspunkten als Atommüll-Endlager in Frage. Die Suche ist noch weit von einem konkreten Standort entfernt. Wie geht es jetzt weiter?

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Aufschluss gibt die Postleitzahl. Wer sie auf der Webseite der Bundesgesellschaft für Endlagerung in die Suchfunktion tippt, erfährt ganz schnell, ob der eigene Wohnort zu den bunten Flecken auf der Deutschlandkarte gehört. Bunter Fleck heißt in diesem Fall: grundsätzlich geeignet für ein Atommüll-Endlager.

Diese Postleitzahlensuche soll Bürgerinnen und Bürgern nun schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt Einblicke in die Suche geben. Alle sollen sich informieren können, welche Gebiete in Deutschland grundsätzlich in Frage kommen, um irgendwann hochradioaktive Abfälle langfristig zu lagern, Abfälle aus der Zeit der Atomkraftwerke.

"Standort mit der bestmöglichen Sicherheit"

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) muss diesen Ort im Auftrag des Bundes finden und es ist auch vorgesehen, dass sie ihn irgendwann betreibt. "Die bundesdeutsche Geologie ist von Nord bis Süd und Ost bis West so günstig, dass wir mit Überzeugung sagen können, dass sich daraus der eine Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle wird ermitteln lassen“, sagt BGE-Geschäftsführer Stefan Studt bei der Vorstellung des ersten Zwischenberichts in Berlin.

Nicht nur ein erster Zwischenbericht, sondern auch ein erster Erfolg, so sieht es Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD): "Wir haben jetzt, drei Jahre nach Beginn des Verfahrens, die ersten sichtbaren Fortschritte bei der Endlagersuche. Und das ist erst mal eine gute Nachricht."

Weite Teile Bayerns kommen in Frage

54 Prozent, knapp mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands, kommen demnach in Frage. Auch weite Teile Bayerns gehören dazu, vor allem Ober-, Unter- und Mittelfranken, die Oberpfalz und Niederbayern. Der Großraum München und das Alpenvorland hingegen sind größtenteils ausgeschlossen von der weiteren Suche.

Diese ersten Erkenntnisse sagen allerdings noch gar nicht so viel über den endgültigen Standort eines Atommüll-Endlagers aus. Stattdessen wurden zunächst alle Gebiete in Deutschland erfasst, die unter rein geologischen Gesichtspunkten grundsätzlich als Standort in Frage kommen.

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Mögliche Standorte für ein Atom-Endlager in Bayern

Schulze: "Noch keine Fakten geschaffen"

Im weiteren, stufenweisen Verfahren müssen die Experten der Bundesgesellschaft für Endlagerung die Gebiete nun weiter eingrenzen, Fragen unter anderem der Sicherheit und der Bevölkerungsdichte einfließen lassen, aber auch das Expertenwissen aus den Regionen. "Es werden jetzt noch keine Fakten geschaffen", sagt Bundesumweltministerin Schulze.

Der nächste Schritt: Bürgerbeteiligung. Nur so könne am Ende ein Standort stehen, der akzeptiert wird, so Schulze. Die Öffentlichkeit sei nun gefragt, weitere Experten, auch vor Ort, um den Bericht auf Herz und Nieren zu prüfen.

Im Oktober geht es los

Eine erste Gelegenheit dazu soll es am 17. und 18. Oktober geben, bei der sogenannten "Fachkonferenz Teilgebiete". Sie findet in Kassel statt, ist aber vor allem als digitale Veranstaltung angekündigt, bei der Bürgerinnen und Bürger ortsunabhängig mitmachen kann.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung will dort ihre vorläufigen Erkenntnisse zur Diskussion stellen. Bürgerinnen und Bürger, aber auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, haben die Möglichkeit, sich einzubringen, Vorschläge zu machen, mitzudiskutieren. Das alles, so heißt es bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung, soll in die weitere Suche einfließen.

Noch bis ins Jahr 2021 hinein sind solche Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung geplant.

Noch keine Orte für erste Erkundungen

Erst danach will die Bundesgesellschaft für Endlagerung konkrete Orte bestimmen, an denen es erste Erkundungsarbeiten geben soll, zunächst nur oberirdisch. Allein entscheiden kann die BGE darüber allerdings nicht. Der gesetzliche Rahmen für die Standortsuche sieht vor, dass der Gesetzgeber, also auch der Bundestag darüber entscheiden muss, wo erste oberirdische Erkundungsarbeiten stattfinden.

In darauffolgenden Schritten erst will die Bundesgesellschaft für Endlagerung auch unterirdische Erkundungen angehen, mit dem langfristigen Ziel, einen konkreten Standort in Deutschland vorzuschlagen. Bis 2031 soll es soweit sein, so das Ziel. Auch den finalen Standort-Vorschlag muss der Gesetzgeber, also auch der Bundestag, absegnen.

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat das Auswahlverfahren nach einem Endlager für Atommüll kritisiert. Er befürchte eine enorme Verunsicherung im Land.

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