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Stuttgart unter Schock: "Nie dagewesene Dimension von Gewalt" | BR24

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Nach den Ausschreitungen in Stuttgart will Baden-Württembergs Innenminister Strobl gegen die Randalierer mit der vollen Härte des Rechtsstaats vorgehen. Plünderungen, Randale, marodierende Gewalttäter würden nicht geduldet, so der CDU-Politiker.

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Stuttgart unter Schock: "Nie dagewesene Dimension von Gewalt"

Randale, Plünderungen, Angriffe auf Polizisten: Nach einer Krawallnacht in Stuttgart zeigen sich Polizei und Politiker entsetzt. Auslöser für den Gewaltausbruch war eine Drogenkontrolle, bis zu 500 Leute aus der Partyszene beteiligten sich.

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Eine noch "nie dagewesene Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte und massive Sachbeschädigung bis hin zu Plünderungen": So fasste der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz zusammen, was sich in der Nacht in der Innenstadt abgespielt hat.

Randale nach Drogenkontrolle

Zur Eskalation kam es gegen 23.30 Uhr: Beamte hatten einen 17-jährigen Deutschen im Schlossgarten wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, wie Polizeivizepräsident Thomas Berger berichtete. Daraufhin hätten sich 200 bis 300 Personen mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Polizisten mit Steinen und Flaschen angegriffen.

Auf dem Schlossplatz hätten sich noch mehr beteiligt, die Gruppe sei auf 400 bis 500 Personen gewachsen. 19 Beamte seien verletzt worden, einer davon sei dienstunfähig. Bislang seien 24 Menschen vorläufig festgenommen worden.

Neun Geschäfte geplündert

Auf Twitter-Videos war zu sehen, wie Menschen mit Gegenständen Scheiben von Polizeiwagen einschlugen und gegen die Einsatzfahrzeuge traten. Dabei wurden sie von Umstehenden angefeuert. Weitere Aufnahmen zeigten stark zerstörte Innenräume von Geschäften sowie Ware, die vor den Läden zerstreut auf dem Bürgersteig lag. "Die Situation ist völlig außer Kontrolle", kommentierte ein Polizeisprecher am frühen Sonntag die Ereignisse.

Insgesamt wurden nach Polizeiangaben zwölf Einsatzwagen beschädigt, bis hin zum Totalschaden. Bei 40 Ladengeschäften wurden Schaufenster beschädigt oder zerstört. Neun Geschäfte wurden geplündert. Erst nach Stunden habe sich die Lage beruhigt. Insgesamt waren rund 280 Polizisten im Einsatz.

"Es sind unglaubliche Geschehnisse, die mich fassungslos gemacht haben und die ich in den 46 Jahren Polizeidienst, die ich bislang hinter mir habe, noch nicht erlebt habe." Franz Lutz, Stuttgarter Polizeipräsident

Randalierer aus Partyszene - Rätselraten um Motiv

Eine politische Motivation für die Krawalle schließt die Polizei aus. Die Randalierer kämen aus einer "Party- und Eventszene", die sich am Wochenende in der Innenstadt treffe, sich betrinke und in den sozialen Medien inszeniere.

Auch Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) nannte neben Alkohol auch das Geltungsbewusstsein in sozialen Medien als Grund. "Ein Grund wird Alkohol sein, ein anderer die Sucht, in sozialen Medien mit Filmchen zu kommen." Kuhn zeigte sich "schockiert von dem Ausbruch an Gewalt, von den Angriffen auf die Polizei und den Zerstörungen in unserer Stadt". Es dürfe "keine rechtsfreien Räume" in Stuttgart geben.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wertete die Vorfälle inzwischen als "kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören". Es müsse "mit Hochdruck" geklärt werden, wer hinter den Gewalttaten stecke. "Unsere Gedanken sind bei den verletzten Polizeibeamten und den durch die Plünderungen Geschädigten", erklärte Kretschmann weiter.

Verstärkung für Stuttgarter Polizei

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) kündigte an, man werde gegen die Randalierer mit der vollen Härte des Rechtsstaats vorgehen. Plünderungen, Randale, marodierende Gewalttäter würden nicht geduldet, so der CDU-Politiker. Am Polizeipräsidium Stuttgart sei eine 40-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet worden.

Inzwischen wurden mehr als 200 Einsatzkräfte aus dem Stuttgarter Umland vorübergehend in die baden-württembergische Landeshauptstadt beordert, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen.

Bayerns Innenminister fordert Aufklärung

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert als Konsequenz der Randale von Stuttgart auch an Wochenenden rund um die Uhr eine ausreichende Polizeipräsenz, damit solche Vorfälle nicht passieren. Im Interview mit dem BR sagte der Minister, die Ausschreitungen der vergangenen Nacht in Stuttgart seien ihm unbegreiflich. Herrmann forderte eine sorgfältige Aufarbeitung der Vorfälle. Insgesamt gehe die Gewalt von Jugendlichen zwar zurück, es sei aber wahrzunehmen, dass brutale Gewalt gegen die Polizei insgesamt zugenommen habe.

Herrmann kritisiert Eskens Polizei-Äußerungen scharf

Zudem kritisierte Herrmann die Aussagen der SPD-Vorsitzenden Saskia Esken scharf. Es sei völlig fehl am Platz, die Polizei pauschal des Rassismus zu verdächtigen, sagte der CSU-Politiker dem "Münchner Merkur" (Montag). SPD-Chefin Esken hatte vor kurzem in einem Interview gesagt: "Auch in Deutschland gibt es latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte, die durch Maßnahmen der Inneren Führung erkannt und bekämpft werden müssen." Nach massiver Kritik relativierte Esken dies wieder.

"Die breite Mehrheit der Bevölkerung will eine starke Polizei", sagte Herrmann, "weil sie für Recht und Ordnung sorgt und unseren freiheitlichen Rechtsstaat verteidigt." Nun angesichts der Polizeigewalt in den USA pauschale Rückschlüsse auf Deutschland zu ziehen, sei grob fahrlässig. "Das darf politische Führung nicht", sagte der Innenminister.

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Der Polizei müsse der Rücken gestärkt werden, fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann nach den Ausschreitungen in Stuttgart.

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