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Stuttgart: Krawallnacht-Prozess hinter verschlossenen Türen | BR24

© dpa

Schäden nach der Krawallnacht in Stuttgart vom 20. auf den 21.6.2020

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    Stuttgart: Krawallnacht-Prozess hinter verschlossenen Türen

    Im Prozess um Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt im Sommer ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden: Zwei Angeklagte, die sich wegen versuchten Totschlags verantworten müssen, sollen wegen ihres jugendlichen Alters geschützt werden.

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    • BR24 Redaktion

    Die ersten Urteile nach der Stuttgarter Krawallnacht sind gesprochen. Mehrere Schläger wurden verurteilt - zwei der Täter zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren. Ein weiterer Täter, der in jener Nacht unter anderem einen Bewusstlosen ausgeraubt und mehrere Geschäfte geplündert hatte, muss für drei Jahre hinter Gitter.

    Viele Angeklagte sitzen nach wie vor in Untersuchungshaft, gegen Dutzende andere wurde der Haftbefehl gegen Auflagen ausgesetzt. Insgesamt erwartet das Amtsgericht bis zu 100 Prozesse.

    Ab heute verhandelt ein Gericht nun wegen versuchten Totschlags. Es ist der schwerste Vorwurf in Zusammenhang mit der Krawallnacht - doch die Türen bleiben zu. Die beiden 17 und 19 Jahre alten Angeklagten müssten wegen ihres jugendlichen Alters geschützt werden, entschied der Vorsitzende Richter des Landgerichts. Zwar gebe es ein starkes öffentliches Interesse an dem Fall. Allerdings wiege die Gefahr einer Bloßstellung und Stigmatisierung schwerer.

    Die Anklage: Tritte gegen den Kopf

    Schwer wiegt allerdings auch die Anklage. Der damals 16-, heute 17-jährige Deutsche aus Geislingen/Steige trat einen am Boden liegenden und nach einem Fausthieb bereits bewusstlosen 24-Jährigen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gezielt gegen den Kopf, der in Esslingen wohnende ältere der beiden Angeklagten habe dies gebilligt.

    Das Opfer der beiden hatte sich gegen die Randalierer gestellt und sie aufgefordert, keine Flaschen mehr zu werfen. Der Student erlitt bei dem Angriff eine Gehirnerschütterung, Prellungen und Schürfwunden. Seine Aussage wird für den Nachmittag erwartet.

    Was in Stuttgart passierte

    Rückblick auf die Nacht vom 20. auf den 21. Juni letzten Jahres in Stuttgart: Nach einer Drogenkontrolle am späten 20. Juni eskaliert die Situation. Bei den anschließenden Auseinandersetzungen randalieren Dutzende vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt. Sie werden angefeuert und begleitet von einer Masse Schaulustiger. Polizisten werden bedroht, beworfen, getreten und verletzt, Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert.

    Die Vorfälle sorgten weit über Stuttgart hinaus für Schlagzeilen und hitzige Debatten. Videoüberwachung, Alkohol- und Aufenthaltsbeschränkungen wurden diskutiert, erste Kameras an zentralen Plätzen sind geplant.

    Wichtiger Aspekt: Wiedergutmachung

    Während die Gewerkschaft der Polizei und Bundesinnenminister Seehofer (CSU) die vergleichsweise harten Strafen bislang begrüßten, fordern andere vor allem eine "Kultur der Wiedergutmachung".

    Die Fachstelle Täter-Opfer-Ausgleich führt dafür positive Beispiele an: Ein junger Mann habe nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft in dem Laden, dessen Scheibe er eingetreten hatte, persönlich um Entschuldigung gebeten, ein anderer gestohlene Ware zurückgebracht und bei einem zweiten Termin Schadenersatz gezahlt.

    "Ziel der Vermittlung ist nicht nur die Schadenswiedergutmachung, sondern auch der Austausch zwischen den Jugendlichen und den geschädigten Personen darüber, was passiert ist und welche Folgen die Krawallnacht hatte", so Sylvia Henning von der Landesarbeitsgemeinschaft Täter-Opfer-Ausgleich.

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