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Studienerfolg bei Corona-Impfstoff sorgt für weltweite Euphorie | BR24

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Bildrechte: Biontech

Zu 90 Prozent wirksam ist angeblich das Serum BNT-162b2. Die Pharmafirma aus Mainz arbeitet seit dem Frühjahr mit Hochdruck daran und will nun in den USA die Zulassung beantragen.

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Studienerfolg bei Corona-Impfstoff sorgt für weltweite Euphorie

Mit Hochdruck arbeiten Forscher weltweit an einem Impfstoff gegen Corona. Und nun gibt es offenbar einen Durchbruch: Biontech und Pfizer wollen noch im November einen Zulassungsantrag stellen. Bayern bereitet schon die Verteilung des Impfstoffes vor.

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Von
  • Johannes Roßteuscher

Hoffnungszeichen im Kampf gegen Corona: Die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer wollen noch im November einen Antrag auf Zulassung ihres Impfstoffs stellen, der seit Jahresanfang entwickelt wird. Der Impfstoff soll 90 Prozent der Geimpften vor einer Infektion schützen. Die ersten Reaktionen sind positiv.

Experten zeigen sich hoffnungsvoll

Sehr ermutigend seien diese Nachrichten, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. Stand heute werde es wahrscheinlich so schnell wie noch nie in der Menschheitsgeschichte einen Impfstoff gegen ein neues Virus geben.

Auch die ersten Reaktionen aus der Wissenschaftswelt sind fast durchweg positiv. "Interessante erste Signale", sagte die Hamburger Infektiologin Marylyn Addo vergleichweise vorsichtig. Von "großartigen und positiven Daten" sprach ihr Kölner Kollege Gerd Fätkenheuer.

Die Experten beziehen sich vor allem auf die Tatsache, dass der Impfstoff 90 Prozent der Geimpften schützen soll. Zum Vergleich: Im Fall von Corona können auch Impfstoffkandidaten die Zulassung beantragen, die nur einen 50-prozentigen Schutz bieten. "Die Daten zur Wirksamkeit sind wirklich beeindruckend. Das ist besser als von den meisten von uns erwartet. Ich wäre schon bei einer Effektivität von 70 oder 75 Prozent erfreut", sagte William Schaffner, Experte für Infektionskrankheiten am Vanderbilt Medical Center. "Ehrlich gesagt sind das die besten Nachrichten, die ich seit dem 10. Januar erhalten habe", erklärte der Virologe Florian Krammer von der New Yorker Icahn School of Medicine.

WHO: Mitteilung "sehr positiv"

Die Weltgesundheitsorganisation äußert sich angesichts der Fortschritte optimistisch. Bei einer Auslieferung bis März kommenden Jahres an jene, die für das Virus am meisten anfällig seien, könnte der Verlauf der Pandemie eine fundamental andere Richtung einschlagen, sagte WHO-Spitzenvertreter Bruce Aylward am Montag. Die Mitteilung der Pharmafirmen Biontech und Pfizer nannte er "sehr positiv".

US-Präsident Donald Trump, der einen Impfstoff noch vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November in Aussicht gestellt hatte, sprach von "großartigen Nachrichten". Sein Kontrahent Joe Biden, der die Wahl gewann, sagte, die Nachrichten seien "ausgezeichnet", änderten aber nichts an der Tatsache, dass Mundschutz, Abstandhalten und andere Maßnahmen bis weit in das nächste Jahr hinein erforderlich sein würden.

Bayern stellt sich bereits auf die Verteilung ein

Bayern bereitet sich derweil auf die Verteilung des Impfstoffes gegen das Coronavirus vor. Der Bund werde den Corona-Impfstoff an neun Stellen in Bayern liefern, sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) der Deutschen Presse-Agentur.

Von dort werde das Material an die Impfzentren geliefert, die im Freistaat analog zu den lokalen Testzentren aufgebaut werden sollen. Die Kreisverwaltungsbehörden würden diese Impfzentren aufbauen und betreiben. Zusätzlich sind mobile Teams geplant, die zum Beispiel Menschen in Altenheimen impfen.

Nebenwirkungen noch nicht ausgeschlossen

Allerdings: Weil alles so schnell geht, war auch der Beobachtungszeitraum für die Studienteilnehmer sehr kurz – möglicherweise erst spät auftretende Nebenwirkungen oder Nebenwirkungen bei gewissen Risikogruppen können da natürlich nicht ausgeschlossen werden, darauf weist zum Beispiel der Münchner Corona-Experte Clemens Wendtner hin – der die Nachricht aber trotzdem insgesamt als positiv bezeichnet: Die vorgestellten Ergebnisse seien ein "Silberstreifen an dem sonst so düsteren Horizont".

Bis Montag hatten mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht.

In der Studie wurden demnach bis Sonntag insgesamt 94 Covid-19-Fälle bestätigt - die weitaus meisten davon bei der Kontrollgruppe, die das Placebo-Präparat erhalten hatte. Die Ergebnisse werden nach Angaben von Biontech und Pfizer erst dann abschließend ausgewertet, wenn insgesamt 164 Fälle erreicht sind. Zudem werde geprüft, in welchem Maß die Impfung nicht nur vor Covid-19, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit schütz. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch etwaige Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden.

Erster Impfstoff mit dieser Technologie

Der Impfstoff basiert auf der so genannten Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Produktion von Proteinen und damit zur Bekämpfung der Krankheitserreger vermitteln soll. Bislang wurde weltweit noch keine Impfung auf Basis dieser neuen Technologie zugelassen. Ein solcher Impfstoff soll schneller in großem Maßstab hergestellt werden können als herkömmliche. Er benötigt aber auch eine deutlich höhere Kühlung, was die Logistik erschwert.

Faire Verteilung soll angestrebt werden

Biontech und Pfizer wollten voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte, er gehe von einer parallelen Beantragung der Zulassung bei FDA und der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aus. Als deutscher Gesundheitsminister wolle er erreichen, dass ein Impfstoff eines deutschen Unternehmens "nicht zuerst in anderen Ländern zur Verfügung steht". Auch von Biontech hieß es, die vorhandenen Dosen sollten "fair" verteilt werden. Es werde nicht "ein Land alles erhalten".

Impfungen vielleicht schon Ende 2020 oder Anfang 2021

Wann dann tatsächlich mit dem Impfen begonnen werden könnte, ist noch unklar. Für den Fall der Zulassung macht Wendtner von der München Klinik Schwabing Hoffnung auf einen raschen Impfstart: "Wenn dieser Schritt erfolgen wird, könnte in der Tat bereits Ende 2020 eine Impfwelle anrollen."

Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet mit dem ersten Quartal 2021. Dann wird allerdings streng priorisiert, das hat heute die Ethikkommission bekannt gegeben. Zunächst sind die Hochrisikogruppen dran, dann Pflegepersonal, dann besonders systemrelevante Berufe, genannt wurden Mitarbeiter in Gesundheitsämtern, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer, Erzieher.

Auch andere Firmen streben Impfstoff-Zulassungen an

Und was man nicht vergessen darf: Auch viele andere Firmen entwickeln einen Corona-Impfstoff. Auch die US-Firma Moderna will im November die Zulassung beantragen.

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