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Ob Fracht- oder Kreuzfahrtschiff: Die Umweltbilanz der Ozeanriesen ist miserabel.

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    Studie: Schiffe entsorgen Abgas-Gifte im Meer

    Um Abgasgrenzwerte einzuhalten, wurden in vielen Ozeanriesen "Schwefelwäscher" eingebaut. Das Waschwasser wird häufig ungereinigt ins Meer abgelassen und verursacht gravierende Schäden. Das belegt eine neue Studie, die dem BR exklusiv vorliegt.

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    Von
    • Norbert Haberger

    Die unabhängige Forschungs-Organisation ICCT (The International Council on Clean Transportation), die schon bei der Aufdeckung des VW-Dieselskandals in den USA maßgeblich beteiligt war, geht in ihrer heute veröffentlichten Studie von weltweit 4.300 Schiffen aus, auf denen sogenannte Schwefelwäscher (Scrubber) eingebaut sind. Sie entfernen Schwefel, indem sie Meerwasser über die Abgase sprühen. Die einfachste und billigste Methode das Waschwasser anschließend loszuwerden, ist die Einleitung ins Meer. Rund zehn Milliarden Tonnen ungereinigten Waschwassers gelangen so jedes Jahr in die Ozeane. Sie enthalten neben Schwefel unter anderem giftige Kohlenwasserstoffe, sowie Schwermetalle wie Nickel, Blei oder Quecksilber.

    Die Abwässer schaden Tieren und Menschen

    Die Schadstoffe werden mit Krebserkrankungen und Fortpflanzungsstörungen bei Meeressäugern, also bei Walen und Delfinen in Verbindung gebracht. Sie werden auch von Fischen aufgenommen und gelangen so unter anderem in die menschliche Nahrungskette. Da die Abwässer von den Schiffen saurer und wärmer als das normale Meerwasser sind, haben sie auch Auswirkungen auf Korallenriffe. Durch steigende Meerestemperaturen und Ozeanversauerung bleichen die Korallen aus und sterben ab. Für die durch den Klimawandel ohnehin schon schwer belasteten maritimen Systeme ist das eine zusätzliche Belastung.

    Besonders empfindliche Küstenregionen sind betroffen

    Die Forschungs-Organisation ICCT schätzt in ihrer neuen Studie, dass 80 Prozent der Abwässer aus den Entschwefelungsanlagen von Schiffen innerhalb von 200 Seemeilen vor den Küsten eingeleitet werden. Besonders betroffen sind dabei Regionen entlang der wichtigsten Schifffahrtsrouten, darunter ausgewiesen empfindliche Meeresgebiete, wie das Great Barrier Reef in Australien. Aber auch das Mittelmeer sowie Nord- und Ostsee sind von den Verschmutzungen betroffen.

    Schadstoffreduktion nur ohne Schweröl möglich

    Mit den Abgasreinigungssystemen auf den Schiffen werden zwar Emissionen von Schwefel in die Luft reduziert. Andere Schadstoffe wie Kohlendioxid, Feinstaub und Ruß sind beim Betrieb von solchen Entschwefelungsanlagen allerdings höher. Eine weitere ICCT Studie zeigte, dass eine wirksame Reduktion der Schadstoffe nur erreicht werden kann, wenn das Schweröl durch moderne, umweltfreundlichere Treibstoffe ersetzt wird. Die aber kosten mehr Geld.

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