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Studie: Cybermobbing nimmt durch Corona zu | BR24

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Studie: Cybermobbing nimmt durch Corona zu

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    Studie: Cybermobbing nimmt durch Corona zu

    Mit Corona verlagern sich die Konflikte vom Schulhof ins Netz: Einer Studie zufolge kam es in den vergangenen Monaten zu deutlich mehr Cybermobbing. Die Folgen für die betroffenen Schülerinnen und Schüler sind oft fatal.

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    Von
    • Tobias Brunner

    Es ist ein typisches Beispiel: Ein Foto, heimlich in der Umkleidekabine geknipst, landet auf Instagram – der Betroffene wird digital verspottet und ausgelacht. Solches Cybermobbing unter Schülerinnen und Schülern hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, zeigt eine Studie.

    Denn mit Corona verlagern sich nicht nur der Unterricht und die sozialen Kontakte ins Internet – sondern auch das Mobbing. Das ist die zentrale Erkenntnis aus der von Techniker Krankenkasse und dem Bündnis gegen Cybermobbing erstellten "Cyberlife Studie". Sie ist die dritte nach 2013 und 2017 und deckt den Corona-Zeitraum von Februar bis November ab.

    Mehr Cybermobbing-Opfer denken über Selbstmord nach

    Demnach hat Cybermobbing um mehr als 36 Prozent zugenommen, im Vergleich zu 2017. Befragt wurden bundesweit mehr als 6.000 Schülerinnen und Schüler sowie Eltern und Lehrkräfte. Hochgerechnet heißt das: Fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche waren schon einmal betroffen. "Bei den Grundschülern sind es schon zehn Prozent, in der Pubertät geht es hoch auf bis zu 25 Prozent", sagte Uwe Leest, Vorsitzender des Bündnisses. Er kämpft seit Jahren gegen Cybermobbing.

    Bei der aktuellen Studie besorgt ihn vor allem, wie einige Jugendliche in ihrer Hilflosigkeit mit dem Problem umgehen – "dass immer mehr in Alkohol und Tabletten verfallen oder sogar über Suizid nachdenken". Bei Alkohol und Tabletten sind es 20 Prozent mehr, bei den Selbstmordgedanken fast 30 Prozent mehr.

    WhatsApp, Facebook, Instagram: Beleidigen und beschimpfen

    Es sind vor allem die Instant-Messenger und sozialen Medien, auf denen gemobbt wird: WhatsApp, Facebook, Instagram. In erster Linie wird beschimpft und beleidigt. Auch Personen aus Gruppen auszuschließen, kommt der Studie zufolge häufig vor.

    Als Motive nannten die Täter überwiegend: "Weil es die Personen verdient haben" und "weil ich Ärger mit der Person hatte". Auffällig ist ebenfalls, dass fast ein Drittel der Täter nach eigener Aussage selbst schon einmal Opfer waren.

    Forderung nach Cybermobbing-Gesetz

    Uwe Leest führt dies auch darauf zurück, dass es bisher kein eigenes Cybermobbing-Gesetz in Deutschland gibt. Denn wo Sanktionen fehlen, hätten viele Jugendliche auch keinen Anreiz, ihr Verhalten zu ändern. "Die Täter kommen fast immer ungestraft davon“, sagt Leest.

    Prävention als wichtiges Hilfsmittel gegen Cybermobbing

    Viele Experten sehen in der Prävention die wichtigste Maßnahme gegen Cybermobbing. Doch auch hier stellt die Studie vielen Schulen kein gutes Zeugnis aus: "Bei allen Maßnahmen und über alle Schulformen hinweg zeigen die Zahlen ein starkes Defizit seitens der Schulen an." Deshalb sollten mehr Aufklärung und Prävention betrieben werden.

    Bayerns Kultusminister Michaels Piazolo sieht den Freistaat beim Thema Cybermobbing bereits gut aufgestellt – etwa mit Medienkompetenz in den Lehrplänen, mit digitalen Beratern und Schulpsychologen. Er sagt aber auch: "Man muss sich auf neue Situationen einstellen. Verstärken kann und muss man es weiter."

    Cybermobbing-Prävention muss Eltern, Lehrer und Kinder einbinden

    Diesen Bedarf kennen auch die Helfer beim Münchner Infofon. Der Verein bietet 365 Tage im Jahre abends eine Hotline an, bei der sich Jugendliche mit Problemen melden können: Vom Streit mit den Eltern, über Drogenprobleme, bis hin zu Cybermobbing.

    Sanne ist eine der ehrenamtlichen Helferinnen. Sie glaubt, dass Prävention nur gemeinsam mit allen Beteiligten gelingen kann. "Es fehlt eine ganze Bandbreite an Sensibilisierung bei Eltern, Lehrern und Kindern", sagt sie.

    Doch solche Angebote zu verankern, dürfte gerade in Zeiten von Homeschooling und Beschränkungen noch schwerer sein. Auch das ist eine Folge von Corona.

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