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Bürgervertreter: Lukas Fachtan redet bei Endlagersuche mit | BR24

© Aygül Cizmecioglu

Lukas Fachtan

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    Bürgervertreter: Lukas Fachtan redet bei Endlagersuche mit

    Deutschland sucht ein Atommüll-Endlager und die Bürger sollen beteiligt sein. Lukas Fachtan kommt aus Bayern und wurde als Vertreter der jungen Generation ins Nationale Begleitgremium für die Endlagersuche berufen.

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    Lukas Fachtan wirkt ziemlich jugendlich, was vor allem an seiner markanten Frisur liegt: an den Seiten kahl rasierter Schädel, oben auf dem Kopf dagegen langes Haar, sauber zu einem Zopf gelegt, dazu ein kleines Spitzbärtchen am Kinn.

    Im Nationalen Begleitgremium für die Endlagersuche ist der 26-jährige auch Vertreter der jungen Generation. Die braucht eine laute Stimme, findet Fachtan, denn die werde den Bau des Endlagers noch miterleben. Er selbst werde da „wahrscheinlich im Rentenalter sein“, sagt Fachtan mit Blick auf den aktuellen Zeitplan: Entscheidung 2031, Fertigstellung 2050.

    Bürgervertreter aus Bayern, aber nicht für Bayern

    Lukas Fachtan studiert Geografie in Gießen. Vorher hat er Politikwissenschaft und Philosophie studiert, und er stammt aus Bayern. Aber – darauf legt er Wert – er vertritt Bayern nicht im Nationalen Begleitgremium.

    "Weil ich das auch gar nicht kann und auch gar nicht möchte. Die Endlagersuche ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und hier zählt vor allem die Geologie und die dafür vorgesehenen Kriterien." Lukas Fachtan, Student und Bürgervertreter bei der Endlagersuche

    Gesucht: Der Standort mit der größtmöglichen Sicherheit

    Zu den Standortkriterien gehört, dass die Gesteinsschicht zum Beispiel mächtig genug ist, in der passenden Tiefe, dass das Gestein dicht ist und keine jungen Vulkane in der Nähe sind. Schließlich, so Fachtan, gehe es darum, einen Standort zu finden, der die bestmögliche Sicherheit biete für einen Zeitraum von einer Million Jahre.

    An die Adresse der Landespolitiker, die jetzt schon anfangen, einen Standort vor der eigenen Haustür auszuschließen, sagt der Bürgervertreter Fachtan:

    "Da man davon ausgehen muss, dass die Geologie einfach länger bestehen bleibt als die Bundesländer, ist es auch eine jener Gründe, warum sich kein Bundesland und auch kein Ministerpräsident aus der Endlagersuche ausschließen kann. Und das ist auch der Grund, warum ich kein Vertreter irgendeines Bundeslandes oder einer Region sein kann." Lukas Fachtan, Student und Bürgervertreter bei der Endlagersuche

    Nationales Begleitgremium: Nach dem Zufallsprinzip ausgewählt

    Wie kommt man als Student ins Nationale Begleitgremium für die Suche nach einem Atommüll-Endlager? Lukas Fachtan erinnert sich noch genau, wie es begann: Sein Telefon klingelte:

    "Ich glaube, es war eine Universität, die hat bei mir angerufen, und mich gefragt, ob ich Interesse hätte, mich an der Endlagersuche mit zu beteiligen. Ich fand das zuerst einmal ein bisschen unglaubwürdig, weil ich nicht wusste, will man da was verkaufen? Ist das seriös?" Lukas Fachtan, Student und Bürgervertreter bei der Endlagersuche

    Am Ende aber entschied er sich, das Experiment zu wagen.

    Bei sehr vielen Leuten hat so das Telefon geklingelt – ungefähr 70.000, ausgewählt per Zufallsgenerator. Danach ging es bei denen, die Interesse bekundet hatten mit einem mehrstufigen Verfahren weiter, es gab schließlich Bürgerforen in mehreren Städten Deutschlands, die dann die Bürgervertreter für das Gremium gewählt haben.

    Beteiligung an Endlagersuche als Teil der Demokratie

    Lukas Fachtan sieht seine Aufgabe nun darin, zu überwachen, ob die Bürgerbeteiligung im Verfahren vernünftig abläuft. Er hat sich die zweitägige Auftaktkonferenz Mitte Oktober von A bis Z angeschaut. Und hat gemerkt, was für eine Herausforderung es ist, acht Stunden lang zuzuhören, mitzudenken, mitzureden. „Da hat die Konzentration auch bei mir nachgelassen, obwohl ich im Verfahren drinstecke“, erzählt er.

    Ziemlich viel Vorträge, eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit der Bundesgesellschaft für Endlager, viel von der Auftaktkonferenz war noch reine Information und keine Beteiligung der Bürger. Ausbaufähig, sagt Lukas Fachtan, auch weil es eben nur online war. Aber er ist durchaus optimistisch, dass es noch was wird mit echter Bürgerbeteiligung. Er findet es ganz zentral, dass die Diskussion nicht nur unter Wissenschaftlern stattfindet.

    "Dass wirklich auch Bürger mitreden können, wie sie sich beteiligen möchten und auch sich äußern können, mit ihren Emotionen und Vorstellungen, das macht eben auch Demokratie aus." Lukas Fachtan, Nationales Begleitgremium

    Atommüllendlager: Bürger sollen sich jetzt zu Wort melden

    Rund 500 Bürger haben online an der Fachkonferenz teilgenommen, bundesweit. Das ist durchaus noch Luft nach oben, findet Lukas Fachtan. Seiner Ansicht nach ist es wichtig, dass sich Bürger schon möglichst früh in das Verfahren einschalten – und nicht erst, wenn es um ein mögliches Endlager direkt in der Nachbarschaft geht.

    "Eines muss man eben auch ganz deutlich sagen wer sich noch nicht zu Wort meldet und wer sich nicht mit beteiligen möchte, der braucht sich dann im Nachhinein auch nicht zu wundern, dass er nicht gehört wird." Lukas Fachtan, Bürgervertreter bei der Endlagersuche

    Die sechs Bürgervertreter im Nationalen Begleitgremium allein jedenfalls können nicht für 80 Millionen Deutsche sprechen, macht Lukas Fachtan klar – damit wären sie überfordert.

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