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Streit um Praxis-Öffnungszeiten: Kassen und Ärzte im Clinch | BR24

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Wer Mittwoch- oder Freitagnachmittag zum Arzt will, steht oft vor verschlossenen Türen. Das sollte sich ändern, wenn es nach den gesetzlichen Krankenkassen geht. Sie fordern mehr Flexibilität bei den Praxis-Öffnungszeiten.

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Streit um Praxis-Öffnungszeiten: Kassen und Ärzte im Clinch

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen fordert von den niedergelassenen Ärzten, ihre Praxen länger zu öffnen. Medizinerverbände reagieren mit einer Mischung aus Verwunderung und Verärgerung.

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Nach Ansicht der gesetzlichen Krankenkassen sollten Ärzte mehr Sprechstunden anbieten. Und sie sollten mehr Sprechzeiten in den Abendstunden oder am Samstag bereithalten, fordert der GKV-Spitzenverband. Der Verbands-Vizechef Johann-Magnus von Stackelberg argumentiert: "Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der niedergelassenen Ärzte."

Bei Ärzteverbänden löst er damit verärgerte Reaktionen aus. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns weist darauf hin, dass die Frage, wie viele Sprechzeiten Ärzte anbieten, im sogenannten Bundesmantelvertrag geregelt ist, den die Kassen mit den Ärzteverbänden ausgehandelt und unterschrieben haben. Dort sind 20 Wochenstunden als Mindestzahl angegeben.

20 Stunden nur Richtwert

Neben den Sprechzeiten, die auf den Praxisschildern stehen, bieten viele Ärzte aber auch Sondertermine an, etwa für gesonderte Behandlungen und Untersuchungen, oder ambulante Operationen. Nach einer Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung summiert sich die Zeit, in der ein Arzt üblicherweise in seiner Praxis anwesend ist, bei voll berufstätigen Medizinern im Schnitt auf 38,8 Wochenstunden.

Dazu kommen nach Erhebungen des Instituts rund 14 Stunden pro Woche, die Ärzte arbeiten, ohne direkten Kontakt zu Patienten zu haben. Dazu zählen etwa Fortbildungen, die Dokumentation von Behandlungen, die Ausarbeitung von Befunden oder das Management der Praxis.

Unterschiedliche Interpretation von Zahlen

Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung kommt zu dem Ergebnis, dass der Umfang der Sprechzeiten im Schnitt über der vertraglich vereinbarten Mindestzahl von 20 Stunden liegt. Nach einer Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des GKV-Spitzenverbandes bieten Kassenärzte im Schnitt 29 Sprechstunden pro Woche an, einschließlich der Hausbesuche.

Sprechstunden zur falschen Zeit?

Allerdings gehen die Öffnungszeiten der Arztpraxen nach Ansicht des Kassenverbandes oft am Bedarf vorbei. Mittwochs und freitags sei der Großteil der Praxen nachmittags geschlossen, ebenso am Abend und am Wochenende, kritisiert der GKV-Spitzenverband.

Auf diesen Vorwurf reagieren Ärzteverbände mit Unverständnis. Außerhalb der üblichen Sprechzeiten gebe es in Bayern eine flächendeckende Versorgung durch den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), betont der KVB-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Krombholz. Abends und am Wochenende könnten bayerische Patienten sich an mittlerweile 108 Bereitschaftspraxen wenden, in denen Kassenärzte dringende Fälle versorgen. Daneben werde ein Fahrdienst angeboten.

Streit auch ums Geld

Der Konflikt dreht sich aber auch um finanzielle Fragen. Nach Ansicht der Kassenärztlichen Vereinigungen müssen die Mediziner mehr Honorar erhalten, falls sie ihre Praxiszeiten tatsächlich ausdehnen sollten. Diese Forderung weist der GKV-Spitzenverband zurück.

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Hausärzte arbeiten im Schnitt 52 Stunden pro Woche. Das sagte Dr. Markus Beier, der Chef des Bayerischen Hausärzteverbandes, der Rundschau. Das dürfte jeder als ausreichend ansehen.