Dieter Reiter, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München

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Streit um 2. Stammstrecke: Reiter kritisiert Bahn und Wissing

Streit um 2. Stammstrecke: Reiter kritisiert Bahn und Wissing

Es tobt ein heftiger Streit um die Kostenexplosion bei der zweiten Stammstrecke in München. Oberbürgermeister Reiter kritisiert im BR die Bahn. Außerdem will Reiter sich bei Kanzler Scholz über Bundesverkehrsminister Wissing beschweren.

Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München, ist angesichts der Verzögerung und der Kostenexplosion beim neuen S-Bahn-Tunnel sauer auf den Bund und die Bahn. Reiter sagte im Interview mit der radioWelt von Bayern 2: "Wir alle sind davon ausgegangen, dass die Stadt München als Betroffene informiert wird. Ich stelle fest, dass es bis heute keine Information gibt an die Stadt München. Ich finde das erschreckend, wie man da mit uns umgeht."

Zweite Stammstrecke: Massive Kostensteigerung erwartet

Gestern war bekannt geworden, dass es beim Bau der zweiten Stammstrecke offenbar zu einer massiven Kostensteigerung und einer Verlängerung der Baumaßnahmen kommen wird. Neue Berechnungen des Freistaats zeigen: Statt den geplanten 3,8 Milliarden Euro könnte die sich im Bau befindende zweite Stammstrecke nun 7,2 Milliarden Euro kosten. Zudem könnte sich die Fertigstellung des Münchner Großprojekts noch einmal um bis zu neun Jahre verzögern (bis 2037).

Warum das so ist, weiß auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter nicht: "Ich kann mir das gar nicht vorstellen, wie man aus heiterem Himmel ein Projekt, dass seit Jahren läuft (...) jetzt erklärt, dass Kosten steigen, das sind wir ja gewohnt, aber das die Bauzeit sich um fast zehn Jahre verlängern soll."

Reiter kritisiert Fernbleiben von Bundesverkehrsminister Wissing

Reiter ergänzte: "Ich weiß nicht, was da passiert ist. Das Schlimme ist doch, dass uns die Bahn ja auch gar nichts sagt dazu, das ist das absolut Ärgerliche daran." Reiter wies darauf hin, dass auch, wenn es jetzt zu Kostensteigerungen kommen wird, die Stadt München nach wie vor bei ihrem Anteil bleiben wird.

"Für die Stadt München kann ich sagen, dass wir aus der Finanzierung raus sind, wir haben freiwillig diesen Anteil von 113 Millionen bezahlt und dabei bleibt es."

Eigentlich war für Donnerstag ein Treffen mit Vertretern von Bund, Bahn, Freistaat und Stadt zur Stammstrecke angesetzt – das platzte aber kurzfristig. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) habe das Treffen am Vorabend ohne Angabe von Gründen abgesagt, kritisierte der bayerische Ressortchef Bernreiter. "Ich halte fest: Herr Wissing kneift", sagte Bernreiter auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz.

Reiter plant Beschwerde bei Bundeskanzler Scholz

Reiter will sich nun bei Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beschweren: "Ich werde dem Bundeskanzler schreiben, dass ich es schon einigermaßen überraschend finde, wenn der Bundesminister des zuständigen Ministeriums einfach nicht nach München kommt."

Sollte es tatsächlich zu der späteren Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke kommen, fordert Reiter für die Zwischenzeit mehr Züge und eine engere Taktung bei der Münchner S-Bahn: "Es kann nicht sein, dass dieses marode System, das in München jeden zweiten Tag zur Störung auf der Stammstrecke führt, dann noch für zehn Jahre vor sich hin darbt."

Spatenstich 2017 mit Folgen: Es tobt ein heftiger Streit um die Kostenexplosion bei der zweiten Stammstrecke in München.

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