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Streiks bei Wöhrl und Amazon

Die Dienstleistungsgewerkschaft ruft Angestellte des Internetversenders Amazon und der Modehauskette Wöhrl zum Streik auf. Mitten im Ostergeschäft - um Druck zu machen, dass beide Unternehmen dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels beitreten.

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Die Gewerkschaft Ver.di ruft heute die Beschäftigten des Internetversenders Amazon und der Modehauskette Wöhrl zum Warnstreik auf. Die bayernweite Aktion richte sich gezielt gegen Unternehmen, die nicht dem Flächentarifvertrag des Einzelhandels beigetreten sind, sagte ver.di-Streikleiterin Gabriele Ziegler dem BR.

Mit Beginn der Frühschicht um 5.15 Uhr werden die Angestellten bei Amazon in den Ausstand gerufen. Die Arbeitnehmervertreter wollen den Onlineversender damit an einem neuralgischen Punkt treffen, kurz vor den Feiertagen, mitten im Ostergeschäft.

Leistungsdruck und Redeverbote

Dabei geht es der Gewerkschaft vor allem darum, dem Internetgiganten existenzsichernde Tarifverträge für die Mitarbeiter abzuringen. Die Beschäftigten bei Amazon seien nämlich diejenigen, die im Alter von Altersarmut betroffen sein würden, so der Augsburger ver.di-Sprecher Thomas Gürlebeck. Amazon diktiere momentan einseitig die Löhne, überwache die Beschäftigten und setzte sie einem gesundheitsschädlichen Leistungsdruck aus, kritisiert Hubert Thiermeyer von ver.di Bayern, das sei nicht akzeptabel.

Amazon-Mitarbeiter hätten der Gewerkschaft zudem davon berichtet, dass es in einzelnen Abteilungen ein Redeverbot für die Beschäftigten gebe. Anderen Angestellten sei vorgerechnet worden, wie lange sie für den Toilettengang brauchen dürften.

Erstmals Streiks bei Wöhrl

Bei der Modehauskette Wöhrl werden die Angestellten nach Gewerkschaftsangaben am Vormittag in den Ausstand treten, u. a. in Nürnberg, Fürth, München, Bamberg und Bayreuth. Laut ver.di handelt es sich um den ersten Streik bei dem Modehaus.

Damit will die Gewerkschaft die neue Wöhrl-Führung dazu bewegen, dem Flächentarifvertrag beizutreten. Derzeit liege der Stundenlohn einer Verkäuferin oder eines Verkäufers bei maximal 12 Euro. Vereinbarte zusätzliche Verkäufer-Provisionen würden aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Schieflage des Unternehmens nicht gezahlt, so Verdi zum Bayerischen Rundfunk. Wöhrl bestreitet diesen Vorwurf: Die Verkäufer-Provisionen werden gezahlt, teilte ein Pressesprecher dem Bayerischen Rundfunk mit. Der Vorstand der Modehauskette, sieht in dem Streik den Versuch von Verdi, sich auf Kosten des Unternehmens zu profilieren.

"Die Proteste kommen zu einer Unzeit. Wir befinden uns kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung, bei der mehr als 95 Prozent aller Arbeitsplätze der Wöhrl Gruppe erhalten werden können. In dieser Situation für einen Tarifvertrag zu demonstrieren und auf Mitgliederfang zu gehen, zeugt von Verantwortungslosigkeit. Der Vorstand hat dafür null Verständnis."Christian Gerloff, Restrukturierungsvorstand der Rudolf Wöhrl AG

Signal an die neue Führung

Die Gewerkschaft rechnet mit einer hohen Streikbereitschaft. Mit dem Streik will Verdi ein deutliches Signal an den neuen Wöhrl-Chef Christian Greiner senden. Der Enkel des Firmengründers Rudolf Wöhrl hatte Ende Januar das Ruder übernommen, nachdem die alte Führung der Wöhrl AG im September 2016 Insolvenzantrag gestellt hatte. ver.di hat Greiner bereits mehrfach zu Tarifverhandlungen aufgefordert.

Von
  • Marc Strucken
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