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Streaming-Dienst: Apple schlägt neues Kapitel auf | BR24

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Mit der Ankündigung eines eigenen Streaming-Angebots sagt Apple den Konkurrenten um Netflix und Amazon den Kampf an. Doch der US-Tech-Riese scheint das Unterfangen halbherzig anzugehen.

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Streaming-Dienst: Apple schlägt neues Kapitel auf

Mit der Ankündigung eines eigenen Streaming-Angebots sagt Apple den Konkurrenten um Netflix und Amazon den Kampf an. Doch der US-Tech-Riese scheint das Unterfangen halbherzig anzugehen.

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Weil das Geschäft mit den iPhones nicht mehr floriert, sucht Apple nach neuen Erlösquellen. In seinem Firmensitz in Cupertino im Silicon Valley hat das Unternehmen nun neue Angebote vorgestellt, mit denen es unabhängiger vom iPhone werden will. Neben einem Streaming-Dienst wurden auch Bezahlplattformen für Zeitschriften und Computerspiele vorgestellt. Sogar eine eigene Kreditkarte wird der iPhone-Konzern auf den Markt bringen.

Die große Sorge, die Apple-Chef Tim Cook und den Konzern schon seit langem umtreiben, sind die sinkenden Verkaufszahlen des bisherigen Cash-Bringers iPhone. Deshalb genießen die Services, also die Zusatzdienste wie Cloud-Speicher oder das Musikstreaming-Angebot, bei dem 58-Jährigen seit Jahren höchste Priorität. Dies unterstrich der Apple-Chef nun noch einmal:

"Wir bieten eine Reihe von Diensten wie die iCloud, Siri oder Apple Maps. Außerdem gibt es Apple-Musik und Podcasts und Bücher sowie den App-Store. Das sind alles Angebote, die überall und jederzeit auf all unseren Geräten zur Verfügung stehen." Tim Cook

19 Prozent Umsatzplus bei Zusatzdiensten

Fast 11 Milliarden US-Dollar hat der Konzern im vergangenen Quartal mit diesen Diensten umgesetzt, das ist ein Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt ganz deutlich die Richtung, die Cook dem Technologie-Unternehmen verordnet hat.

Ein wichtiger Baustein soll das neue Streaming-Angebot Apple TV Plus werden. Das besondere: Die neue App wird es zum Start nicht nur auf den Apple Geräten geben, sondern auch auf den Smart-TV-Geräten großer Hersteller, wie Samsung, LG oder Sony.

"Es handelt sich um einen werbefreien Abo-Dienst, der online und offline funktioniert. Alles ist herunterladbar. Wir bieten exklusive Spielfilme und Shows und bringen jeden Monat neue Inhalte. Es wird uns ab Herbst in über einhundert Ländern geben." Jamie Ehrlicht, Apple

Steven Spielberg kam zur Premiere

Was das neue Angebot kosten soll, teilte der Konzern nicht mit. Verpflichtet wurden große Namen aus Hollywood. Zum Beispiel Filmemacher Steven Spielberg, der eine SciFi-Serie unter dem Titel "Amazing Stories" für das Unternehmen gedreht hat und eigens an den Firmensitz nach Cupertino gekommen war - und dort geradezu philosophisch wurde.

"Die Menschen sind immer auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Und wir glauben, dass die Zuschauer in diesen unzusammenhängenden Geschichten einen roten Faden erkennen werden. Wir wollen 'Amazing Stories' zu einer einzigartigen thematischen Erfahrung machen." Steven Spielberg

Rein rechnerisch 1,4 Milliarden Nutzer

Auch Talkmasterin Oprah Winfrey wird auf Apple TV Plus dabei sein. Sie erhält eine live gestreamte Talkshow. Rein rechnerisch könnte sie damit von rund 1,4 Milliarden Nutzer gesehen werden - so viele iPhones, Tablets oder Mac-Computer sind auf dem Markt.

"Wir streamen ein Gespräch mit einem Autor, und wir sind dann live über alle Grenzen hinweg zu sehen. Mit unseren Geschichten verbinden wir die Menschen - egal wo man sich aufhält, wer man ist, Mann, Frau, Kind und wir alle blicken hinauf in denselben Himmel und staunen." Oprah Winfrey

Investment vergleichsweise mickrig

Die neue Streaming-Plattform fällt vergleichsweise mickrig aus, verglichen mit dem, was Netflix oder Amazon Prime ihren Kunden an selbst produzierten, exklusiven Inhalten anbieten. Gut eine Milliarde Dollar hat Apple da wohl in die Hand genommen. Zum Vergleich: Netflix gibt ungefähr das Zehnfache im Jahr für Eigenproduktionen aus. Warum Apple hier mit angezogener Handbremse in den Markt geht, ist schleierhaft. In wenigen Monaten will der Disney-Konzern ebenfalls mit einem eigenen Streaming-Angebot starten.

Für den US-Markt stellt das Unternehmen auch eine News-App vor. Darüber lassen sich Magazine und wenige Zeitungen lesen. Nur die Regionalzeitung "Los Angeles Times" und das Finanzblatt "Wall Street Journal" sind mit dabei. Die wirklich wichtigen nationalen Titel wie die "New York Times" oder die "Washington Post" fehlen. Außerdem gehören rund 300 Zeitschriftentitel zu dem Angebot.

Im Werbesprech von Apple verkauft das der stellvertretende Chef der Apps, Rogner Rosner, so:

"Wenn man all die Titel abonnieren würde, würde einen das mehr als 8000 Dollar im Jahr kosten. Bei uns zahlen sie nur 9,99 im Monat." Rogner Rosner, Apple

Apple-Kreditkarte kommt ebenfalls

Und weil der Konzern wirklich alles zu Geld machen will, bringt er für den US-Markt auch eine eigene Kreditkarte auf den Markt - zusammen mit der Bank Goldman Sachs. Die Karte soll die Privatsphäre seiner Nutzer schützen, Einkäufe würden nicht zu Marketing-Zwecken genutzt, betont Konzernchef Chef Cook.

"Wir haben die Gebühren reduziert, die Zinsen gesenkt, klare und verständliche Angebote formuliert, und wir haben die Privatsphäre und Sicherheitsanforderungen übertragen, die die Menschen von Apple Pay kennen." Tim Cook

Fast zwei Stunden dauerte die Präsentation der schönen neuen Zusatzdienste im Steve Jobs Theater in Cupertino. Ob Apple damit wirklich unabhängiger von seinem Smartphone-Geschäft wird, darf stark bezweifelt werden. Dafür startet das Unternehmen zu halbherzig in einen hart umkämpften Markt.

Von
  • Marcus Schuler
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