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Streamen und Surfen sollen klimafreundlicher werden | BR24

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Fast jeder von uns tut es, viele mehrmals täglich: Videos im Netz anschauen, auf dem Smartphone oder abends zuhause auf dem TV. Doch der Energieverbrauch, der dabei entsteht ist weitaus größer als man vermuten würde.

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Streamen und Surfen sollen klimafreundlicher werden

Serien im Netz streamen, Fotos über einen Messenger-Dienst teilen oder per Videoanruf telefonieren – all das kostet Energie. Zu viel, sagt die Bundesumweltministerin. Ihre Digitalagenda soll verhindern, dass die Digitalisierung zum Klimaproblem wird.

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Der globale Datenverbrauch steigt rasant an. 2025 könnte durch die Digitalisierung mehr CO2 ausgestoßen werden als durch den weltweiten Autoverkehr, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Deshalb plädiert die SPD-Politikerin für "klare Leitplanken". Nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen könne die Digitalisierung dabei helfen, den Klimawandel einzudämmen und Artensterben zu stoppen – anstatt zum "Brandbeschleuniger" für den Klimawandel zu werden.

Streaming soll klimafreundlicher werden

Die umweltpolitische Digitalagenda der Bundesumweltministerin sieht siebzig Maßnahmen vor. Eine davon: Das energieintensive Streamen von Videos im Internet soll klimafreundlicher werden. Anbieter könnten beispielsweise auf die Autoplay-Funktion als Standardeinstellung verzichten. Also darauf, dass Videos automatisch beim Scrollen abgespielt werden. Außerdem müsse "nicht immer die höchste Auflösung" eingestellt sein, so Schulze. Sie möchte die Anbieter dazu bringen, sich hier selbst zu verpflichten.

Rechenzentren effizienter machen

Damit das Streamen und Surfen im Netz aber klimafreundlicher werden, müssen auch Rechenzentren effizienter werden. Denn dort wird die meiste Energie verbraucht. Darüber gebe es aber bisher nicht ausreichend Daten, so Schulze. Deshalb soll bis 2021 ermittelt werden, wo sich große Rechenzentren befinden, wie viel Energie sie verbrauchen und was mit der Abwärme geschieht. Aufgrund dieser Daten sollen Standards für einen effizienteren Betrieb der Rechenzentren erarbeitet werden. In Zukunft sollen Rechenzentren außerdem mit Ökostrom betrieben werden.

Smartphones brauchen längere Lebensdauer

Die Bundesumweltministerin will zudem, dafür sorgen, dass Smartphones länger nutzbar sind. Schulze fordert eine Garantieaussagepflicht, das heißt: Hersteller müssen sagen, wie lange ihr Produkt mindestens hält. Außerdem soll es leichter werden, Akkus oder Bildschirme auszutauschen. Auch das Online-Shopping soll umweltfreundlicher werden, indem Suchportale Umweltaspekte mitberücksichtigen.

"Umweltschutz gehört in jeden Algorithmus." Bundesumweltministerin Svenja Schulze, SPD

"Digitaler Produktpass"

Langfristiges Ziel ist ein "verpflichtender, digitaler Produktpass". So wie es auch jetzt schon bei Kühlschränken der Fall ist. Der Produktpass soll etwa Informationen darüber liefern, wie umweltfreundlich etwas hergestellt wurde, wie viel Energie der Gegenstand beim Gebrauch benötigt und was bei Recycling und Entsorgung zu beachten ist.

Die Bundesumweltministerin spricht von "echter Pionierarbeit". Ihre Strategie sei die erste in der EU, die Umwelt- und Digitalpolitik miteinander verbinde. Sie hofft, dass die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr weiteren Schub für ihr Anliegen bringt.

An der Digitalagenda haben das Bundesumweltministerium und die dazugehörigen Behörden, sowie wissenschaftliche Einrichtungen wie das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie mitgearbeitet. Dessen Geschäftsführer Manfred Fischedick macht klar: "In diesem Jahrzehnt wird sich entscheiden, ob wir den Hebel noch umlegen können und die Nachhaltigkeitsziele erreichen können."

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