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Strache-Rückzug: "Kein Amt und keine politische Funktion mehr" | BR24

© ARD/Andrea Beer

In Wien erklärte Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache heute überraschend seinen Komplettrückzug aus der Politik. Möglicherweise kommt er damit einem Parteiausschluss zuvor.

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Strache-Rückzug: "Kein Amt und keine politische Funktion mehr"

In Wien erklärte Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache heute überraschend seinen Komplettrückzug aus der Politik. Möglicherweise kommt er damit einem Parteiausschluss zuvor.

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Schwarzer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte - so saß Heinz-Christian Strache am späten Vormittag in einer Wiener Weinbar vor vielen Mikrofonen. Die kurzfristig anberaumte persönliche Erklärung war mit großer Spannung erwartet worden. Er werde seine Mitgliedschaft in der FPÖ bis auf Weiteres ruhen lassen, erklärte Strache. Er wolle damit helfen, das Vertrauen in die Partei wiederherzustellen und schütze damit auch seine Familie vor dem Hass, dem diese ausgesetzt gewesen sei.

"Und das bedeutet, dass ich nicht nur meine Mitgliedschaft ruhend stelle, sondern dass ich mit dem heutigen Tag jegliche politische Aktivität einstelle und auch kein Amt und keine politische Funktion ich mehr anstrebe." Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache

Zuvor war spekuliert worden, dass er mit einer "Liste Strache" gegen die FPÖ antreten könnte. Etwa bei der für Österreich wichtigen Wien-Wahl im kommenden Jahr. Er sei enttäuscht, dass die Parteispitze das Gespräch mit ihm nicht gesucht habe, so Strache. "Ich erachte es jedoch in Treue zu meinen Unterstützern als absolute Notwendigkeit, jeden weiteren Schaden von meiner freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft abzuwenden und eine Zerreißprobe und Spaltung der FPÖ um jeden Preis zu verhindern", so der ehemalige Parteichef.

Möglicherweise kommt Strache einem Partei-Ausschluss zuvor

Am Nachmittag trifft sich der Bundesvorstand der FPÖ. Die Erklärung von Heinz-Christian Strache war möglicherweise mit diesem abgestimmt und er kam damit vielleicht einem möglichen Partei-Ausschluss zuvor. Denn die Kritik an Strache war in den eigenen Reihen unüberhörbar geworden. Der Ex-Vizekanzler war nicht nur Hauptakteur der Ibiza-Affäre, die im Mai eine Regierungskrise in Österreich ausgelöst hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit kurzem gegen Strache wegen des Verdachts der Untreue. Er soll ein Spesenkonto der Partei privat verwendet haben. In seiner persönlichen Erklärung bestritt Strache erneut alle Vorwürfe. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am Sonntag war die FPÖ abgestürzt, um zehn Prozentpunkte auf rund 16 Prozent.

"Das Wahlergebnis war katastrophal", sagt der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger. Ein großer Teil der FPÖ-Anhänger war am Sonntag zu Hause geblieben und rund 250.000 FPÖ-Wähler machten ihr Kreuz bei der ÖVP. Viele in der FPÖ-Parteispitze führen das direkt auf die Spesenaffäre zurück, so die Einschätzung von Markus Abwerzger.

"Wir waren noch bei circa 22 Prozent laut Umfragen. Der Absturz auf 16 Prozent ist hausgemacht. Wir sind hier nicht Opfer, wir sind hier ganz bestimmt nicht diejenigen, die auf andere zeigen sollten. Das sind nicht irgendwelche internationalen Geheimdienste oder die Medien, die uns in diese Lage versetzt haben, sondern wir selber", Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger

Strache sieht sich noch immer als Opfer einer Verschwörung

Was die Spesenaffäre angeht, betonte Strache, werde er bei der Aufklärung kooperieren, allerdings nicht öffentlich. Strache sieht sich unterdessen weiter als Opfer einer Verschwörung. Das Ibiza-Video sei kurz vor der Europawahl und die Spesenaffäre bewusst kurz vor der vorgezogenen Nationalratswahl lanciert worden, glaubt er. Fragen beantwortete er nach seiner kurzen Erklärung nicht. "Ich stelle fest, dass wir einen wundervollen Spätsommertag haben, ich stelle fest, dass jedes Ende mit einem neuen Anfang beginnt."

Beobachter können sich dennoch nicht vorstellen, dass sich Heinz-Christian Strache völlig aus der Politik zurückziehen wird. Er werde wohl das Ergebnis der Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue abwarten und dann sehe man weiter, so erste Reaktionen. Mit Heinz-Christian Strache wird auch die FPÖ möglicherweise noch rechnen müssen.