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Affäre um HC Strache: Einzelkind, Neonazi, Vizekanzler | BR24

© dpa-Bildfunk

Österreichs Vizekanzler Strache tritt zurück

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Affäre um HC Strache: Einzelkind, Neonazi, Vizekanzler

Mit der aktuellen Affäre könnte der fast drei Jahrzehnte dauernde Aufstieg von Heinz-Christian Strache enden. Ein Video hatte enthüllt, dass Strache die Pressefreiheit geringschätzt und Staatsaufträge nach Sympathie vergeben würde.

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Strache sitzt in einer Villa auf Ibiza, davor war er teuer essen: Kaviar und Champagner. Dass er in dieser Situation freigebig über politische Gegner herzieht, einer ihm völlig unbekannten angeblichen russischen Oligarchin Staatsaufträge in Aussicht stellt und sich mehr Einfluss auf die Medienlandschaft wünscht, zeigt, welchen Weg der 49-jährige Strache eingeschlagen hat – Strache, vom Einzelkind zum Politiker der obersten Liga. All das wird in einem vermutlich authentischen Enthüllungsvideo klar, das die "Süddeutsche Zeitung" und "Der Spiegel" am Freitag veröffentlicht haben.

Einzelkind, bei der Mutter aufgewachsen, ohne Abitur

Die Geschichte von Heinz-Christian Strache, wie er sie selbst gern erzählt, geht ungefähr so: Die Mutter, eine Drogistin, zog Strache allein groß. Strache machte keine Matura, also kein Abitur, sondern besuchte die Hauptschule und schloss eine Ausbildung zum Zahntechniker ab. Wegen dieser Lebensgeschichte kenne er das Österreich abseits der Prunkbauten und gehobenen Schichten.

In dieser Lebensgeschichte gibt es aber noch ein weiteres Kapitel: Straches Zeit in rechten Burschenschaften und rechtsradikalen Wehrsportgruppen. Bilder aus der Zeit zeigen den späteren FPÖ-Chef und Vizekanzler im Tarnfleckanzug, mit Sturmhaube und Gewehr - unter Neonazis. Von dieser Zeit hat sich Strache losgesagt. Er sei damals ein "Suchender" gewesen, der sich "vieles angeschaut" habe, wie er der Süddeutschen Zeitung 2018 erzählte.

Vom Rechtsradikalen zum FPÖ-Chef zum Vizekanzler

Und dann ist da noch eine Dimension. Die vom Partei-Mann, vom loyalen Kämpfer für eine FPÖ, für die er Anfang der 1990er Jahre in die Wiener Kommunalpolitik ging und dann in den 2000ern zum Parteiobmann gewählt wurde, als die FPÖ im Umfragetief steckte und fast komplett in der Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte. Strache baute die Partei in den darauf folgenden Jahren erst zur stärksten Oppositionspartei auf und dann zur Regierungspartei um.

Aus dieser Zeit stammt auch sein engster Kreis aus Vertrauten – darunter der aktuelle Innenminister Herbert Kickl, der Verkehrsminister Norbert Hofer und der EU-Spitzenkandidat und Generalsekretär Harald Vilimsky. Strache hat, so berichten es Kenner der österreichischen Politik, die FPÖ ganz auf seine Person zugeschnitten. Die Vertrauten von damals sind auch die Vertrauten von heute - ein Machtkampf in der FPÖ scheint nach den Enthüllungen von Süddeutscher Zeitung und Spiegel noch nicht ausgebrochen zu sein.

Wiederholt internationale Kritik - an Strache und der FPÖ

Straches Partei war in den vergangenen Monaten immer wieder auch international in die Schlagzeilen geraten. Nach den wiederholten Angriffen auf den öffentlich-rechtlichen Sender ORF sowie der Angst internationaler Nachrichtendienste, Informationen mit dem österreichischen Geheimdienst auszutauschen, hatte Bundeskanzler Kurz noch ein Ende der Koalition ausgeschlossen.

Wie sich die aktuelle Affäre auf die österreichische Politik auswirken wird, ist noch unklar – klar ist nur, dass Straches politischer Weg wohl nicht mehr nur nach oben führt.

© BR

Wie geht es in Österreich nach dem Rücktritt von FPÖ-Chef und Vizekanzler Strache weiter? Welche Konsequenzen drohen ihm? BR-Reporter Till Rüger berichtet aus Wien.