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Stornierte Pauschalreisen: Gutscheine oder Geld zurück? | BR24

© picture alliance/Fotostand

Symbolbild zur Thematik Erstattung von Geldern bei Stornierungen von Reisen aufgrund von Corona.

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    Stornierte Pauschalreisen: Gutscheine oder Geld zurück?

    Die derzeit geltende Rückerstattung von stornierten Pauschalreisen und Flugtickets bleibt ein Streitpunkt. Die Bundesregierung beharrt darauf, im Notfall allein die Gutscheinlösung durchzusetzen. Verbraucherschützer sprechen von "Zwangsgutscheinen".

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    Von
    • Eckhart Querner

    Eigentlich müssen nach geltendem EU-Recht Fluggesellschaften und Reiseveranstalter Tickets und Buchungen erstatten, wenn der Kunde das verlangt. Doch zwölf EU-Länder haben inzwischen nationale Regelungen getroffen und Gutscheinregelungen eingeführt. Deren Ziel ist, Airlines und Reisekonzerne vor der Insolvenz zu schützen. Trotz der scharfen Kritik deutscher Verbraucherschützer hält auch die Bundesregierung weiter an ihrem Plan fest, demnächst Gutscheine zu erlauben.

    EU-Kommission besteht auf Wahlfreiheit

    EU-Justizkommissar Didier Reynders verweist auf EU-Recht: Verbraucher hätten die Wahlfreiheit zwischen einem Gutschein oder einer Rückerstattung. Reynders will einheitliche Regeln in der Europäischen Union und ruft alle Beteiligten zur Zusammenarbeit auf, um ein "Angebot von freiwilligen und abgesicherten Gutscheinen zu fördern", das für die meisten Verbraucher attraktiv wäre. Eine Absicherung könnte in Deutschland zum Beispiel über einen Reisesicherungsfonds der Bundesregierung erfolgen.

    Doch Berlin hält weiter an einer Gutscheinregelung fest. Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums teilte wortkarg mit, die Einschätzung aus Brüssel habe man zur Kenntnis genommen. Allerdings werde sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene weiter für eine europarechtskonforme Gutscheinlösung einsetzen, die auch die Interessen der Verbraucher angemessen berücksichtige. Mitte Mai könnte der Bundesrat das Gutschein-Gesetz beschließen.

    "Die Gutschein-Lösung muss endlich vom Tisch"

    Klaus Müller, Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, rief die Bundesregierung erneut auf, ihre Gutschein-Pläne zu stoppen: "Zwangsgutscheine gefährden das Vertrauen in den Rechtsstaat und die Vertragstreue", so Müller. Verbraucherinnen und Verbraucher dürften nicht zwangsweise als eine Refinanzierungsquelle für Unternehmer missbraucht werden. Deutschlands oberster Verbraucherschützer ist überzeugt, dass sich durch eine Gutscheinregelung das Liquiditätsproblem der Unternehmen nur auf einen späteren Zeitpunkt verschiebe.

    Wertvolle Zeit verloren

    Der Deutsche Reiseverband (DRV) forderte die Bundesregierung nun auf, nach dem Vorbild anderer EU-Staaten umgehend eine nationale Regelung für Gutscheine zu beschließen. DRV-Präsident Norbert Fiebig sieht wertvolle Zeit verloren und verlangt, dass Reiseveranstalter und Reisebüros vor drohender Insolvenz geschützt werden müssten.

    TUI bietet Kunden Bonuszahlungen

    Der Reiseveranstalter TUI bietet Kunden, deren Reise bis zum 15. Mai wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, eine Zusatzgutschrift von bis zu 150 Euro. Voraussetzung: Die Urlauber müssen auf eine Erstattung verzichten und sich stattdessen mit ihrem Reiseguthaben für einen neuen Reisetermin entschließen. TUI-Kunden, die bis Ende Juni neu- oder umbuchen, sollen einen "Treuebonus" erhalten. Der liegt bei bis zu 100 Euro pro Person. Der Haken dabei: Werden die Gutscheine nicht staatlich abgesichert, dürften sie bei einer Insolvenz der TUI praktisch wertlos sein.

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