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Stichwahl um SPD-Vorsitz: Das große Auszählen | BR24

© dpa-Bildfunk/Jörg Carstensen

Die Kandidatenpaare Olaf Scholz (l-r) und Klara Geywitz sowie Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken

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    Stichwahl um SPD-Vorsitz: Das große Auszählen

    Scholz und Geywitz oder Walter-Borjans und Esken? Welches Duo wird die SPD künftig führen? Noch wird ausgezählt, am Abend soll das Ergebnis verkündet werden. Bei der Partei herrscht Hochspannung.

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    Für Lars Klingbeil kann's losgehen. "Die Höchstleistungs-Schlitzmaschinen sind wieder da", sagt der SPD-Generalsekretär, "und wir haben ganz viele freiwillige Helferinnen und Helfer, die aus ganz Deutschland anreisen, um uns zu unterstützen".

    Das Willy-Brandt-Haus ist derzeit für die Außenwelt abgeriegelt. Im 5. Stock der SPD-Parteizentrale wird ausgezählt, seit morgens früh. Diesmal brauchen die Freiwilligen nur noch drei Stapel zum Stimmen-Sortieren: für das Duo Scholz/Geywitz, das Team Walter-Borjans/Esken und - Enthaltungen.

    Nicht nur unter Bürgern ist Olaf Scholz sicher der bekannteste Kandidat, wenn auch nicht immer der beliebteste. Er sei "farblos", "machtgeil", und "langweilig", sagen manche, andere halten ihn für "kompetent" und "einen vernünftigen Mann, genau der Richtige für den Job". Mit dem Team Esken/Walter Borjans können hingegen nur wenige etwas anfangen.

    Prominente Unterstützung für Scholz/Geywitz

    Die Spannung ist groß - bis heute Abend um 18 Uhr. Dann weiß die SPD, wer sie künftig führt. Martin Schulz war einst selbst SPD-Chef, mit kurzer Haltbarkeitsdauer - und Intimfeind von Scholz. Trotzdem wirbt Schulz für den Vizekanzler und seine Partnerin Klara Geywitz.

    Dem anderen Duo fehle die Erfahrung, meint einer, der weiß, wie sich das anfühlen kann: "Norbert Walter-Borjans hat ebenso wie Saskia Esken nie in irgendwelchen exekutiven Funktionen in Berlin gearbeitet. Die haben auch keinerlei Parteierfahrung. Von daher glaube ich, dass die Erfahrung, die man braucht, eindeutig eher bei dem Gespann Scholz/Geywitz als bei Walter-Borjans/Esken liegt."

    "Nowabo", der Held der Jusos

    Beim Juso-Treffen in Schwerin hat sich das eher linke Duo aber gerade noch Jubel und viel Beifall abgeholt. Die SPD-Jugendorganisation wirbt für Esken und Walter-Borjans. "Nowabo", wie er abgekürzt heißt, ist hier der Held, der "Hero". Auch wenn er das selbst für "übertrieben" hält, ist "Nowabo" doch stolz: "Dass es junge Menschen gibt, die an Lebensälteren etwas sehen, in das sie Hoffnung setzen und das ihnen Vertrauen gibt, ist ein schönes Gefühl."

    Auch Geywitz hat mit den Jusos diskutiert. Die Brandenburgerin will mit Scholz in der Großen Koalition bleiben. Eine Regierung dürfe nicht leichtfertig aufgekündigt werden, meint Geywitz: "Wir haben einen Vertrag, und wir haben auch noch Punkte, die wir abarbeiten wollen." Sie wolle die SPD außerdem noch weiter als nur bis 2021 denken: "Das Leben geht auch danach weiter. Und wir wollen die SPD so stark machen, dass wir dann nach der nächsten Bundestagswahl, wann immer die ist, eine andere und etwas schnellere Regierung in Deutschland gründen können."

    Offizielle Wahl beim Parteitag

    Warum die Genossen gerade mit ihm, Scholz, dem alten Haudegen der SPD, einen Neustart wagen sollten? Weil ich es kann, ist dessen selbstbewusste Botschaft: "Die SPD braucht einen geraden Rücken, wenn sie auf den Platz geht. Nur wer mutig ist, kann andere von sich überzeugen. Und wir brauchen eine mutige SPD. Dafür stehen Klara Geywitz und ich auch."

    Wer auch gewinnt: Die Partei muss geeint bleiben und darf nicht auseinanderfallen, ist Generalsekretär Klingbeil wichtig: "Es gibt eine SPD, es gibt den Wunsch des Gewinnerteams, dass wir eine geschlossene Partei haben - und das heißt auch, dass man die andere Seite mitnehmen muss, dass man sie einbinden muss."

    Ob das klappt, wird sich beim SPD-Parteitag Anfang Dezember zeigen. Dort muss das Sieger-Team offiziell gewählt werden. Und zwar am besten auch von den Delegierten, denen das andere Duo lieber gewesen wäre.