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Stereotype durchbrechen: Frauen in der digitalen Zukunft | BR24

© BR/Sissi Pitzer

Tagung “Frauen in der digitalen Zukunft: Stereotype durchbrechen".

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    Stereotype durchbrechen: Frauen in der digitalen Zukunft

    Medien haben den Anspruch, die Gesellschaft abzubilden. In Deutschland aber fehlt es an Diversität, zu wenig Frauen oder Menschen mit Migrationsgeschichte. Und damit werden Stereotype vermittelt – der aktive Mann oder die passive Frau zum Beispiel.

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    "Wenn wir Soaps oder den 'Tatort' anschauen, sehen wir, wie Männer und Frauen interagieren, in welchen Rollen sie auftreten – und das prägt unser Bild. Männer sind durchsetzungsfähiger als Frauen, und Frauen sind freundlich, hilfsbereit, sozial kompetent. Das ist das klassische Geschlechter-Stereotyp. Und wenn ich dieses Bild immer wieder auch in den Medien wiederhole, verfestigt sich dieses Stereotyp weiter." Prisca Brosi, Professorin für Personalmanagement

    Man brauche Bilder von berufstätigen Frauen, die trotzdem freundlich sind, sagt Brosi. Es reiche nicht, nur die Karrierefrau zu zeigen, solange man sie in diesem stereotypen Bild darstelle.

    ARD und ZDF versuchen, gegenzusteuern

    ARD und ZDF haben zumindest angefangen gegenzusteuern. Zum Beispiel bei der Degeto, der Filmfabrik der ARD. Bei der Degeto hat man konkret eine Quotensetzung vereinbart, nach der man 20 Prozent Regiseurinnen beschäftigen will. Diese Quote soll noch auf 25 Prozent erhöht werden.

    Bereiche Politik und Information männlich dominiert

    Solche strukturellen Veränderungen scheinen auch im Informationsbereich vonnöten. Hier gibt es viele Redakteurinnen, doch auf den Führungsetagen und auf dem Fernsehbildschirm sind sie unterrepräsentiert. Beim sonntäglichen "Presseclub" in der ARD wurde daher eine Quote durchgesetzt: Auf Initiative von Redaktionsleiterin Ellis Fröder ist die TV-Runde so gut wie immer fifty-fifty besetzt. Was beim "Presseclub" klappt, funktioniert nicht bei den politischen Talkshows, wo man häufig nur auf die eine Quotenfrau kommt – trotz der weiblichen Gastgeberinnen wie Sandra Maischberger und Anne Will.

    Wahrnehmung von Frauen als "jemand mit Meinung" oder Person in einer Führungsrolle

    Vielleicht müsste man sich stärker bemühen, das im TV zu ändern. Denn wie wichtig Vorbilder in der Öffentlichkeit, in den Medien sind, macht Hannah Riley Bowles von der Harvard University an einem Beispiel deutlich: In den USA ist man schon weiter, dort sind Frauen wie Condoleezza Rice und Hillary Clinton im TV genauso präsent wie ihre männlichen Kollegen.

    "Im Fernsehen sehen wir einen Spiegel der Gesellschaft. Und was Quoten erreichen können ist, unsere Erwartungen zu durchkreuzen, wen wir im Programm jemand mit Meinung oder mit einer diplomatischen Führungsrolle sehen werden." Hannah Riley Bowles, Harvard University

    Erste Fortschritte

    Dass Frauen in der Öffentlichkeit präsenter sind und nicht mehr nur auf ihr Rollenklischee verwiesen werden, konnte man beobachten, als Angela Merkel ihren stufenweisen Rückzug aus der Politik ankündigte: Können auch Männer Kanzlerin werden, wurde da gerne gewitzelt.

    Einen Fortschritt in der Medienberichterstattung konstatiert Teresa Bücker, Chefredakteurin des feministischen Online-Portals Edition F: Noch vor wenigen Jahren seien Frauen in den klassischen Wirtschaftsmedien wenig präsent gewesen:

    "Aber jetzt sehe ich da deutlich Fortschritte – also dass Frauen porträtiert oder interviewt werden aus Unternehmen und anderen Organisationen, ist inzwischen weit verbreitet. Es gibt auch inzwischen gute Wirtschaftsmedien, die gute Redakteurinnen und Redakteure haben." Teresa Bücker, Chefredakteurin des feministischen Online-Portals Edition F

    Zum Beispiel die Wirtschaftswoche sei sehr viel weiblicher geworden, die SZ legt "Plan W – Frauen in der Wirtschaft" auf oder Miriam Meckel das neue Projekt "Ada" beim Handelsblatt.

    Ohne Quoten geht es nicht

    Quoten - das hören viele in Politik, Medien und Wirtschaft nicht gerne. Dass es ohne geht, glaubte auf der Tagung der TUM über "Frauen in der digitalen Zukunft" so gut wie keine und keiner. Diversität habe nicht nur etwas mit der gerechten Verteilung zwischen Männern und Frauen zu tun, glaubt Teresa Bücker.

    "Diversität hat ganz viele Dimensionen: Alter ist nur ein kleiner Aspekt, aber auch Werdegänge, kulturelle Hintergründe. Es darf nicht nur um Frauen in Vorständen oder Aufsichtsräten gehen, sondern wir müssen schauen, wie kriegen wir einen Organisationswandel hin, der ganz viele Menschen miteinschließt." Teresa Bücker, Chefredakteurin des feministischen Online-Portals Edition F