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Steinmeier in Yad Vashem: Kein Schlussstrich unter das Erinnern | BR24

© REUTERS/Pool/Abir Sultan

Frank-Walter Steinmeier bei seiner Rede

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Steinmeier in Yad Vashem: Kein Schlussstrich unter das Erinnern

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat beim Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem an die historische Schuld und Verantwortung Deutschlands für den Holocaust erinnert. Es dürfe "keinen Schlussstrich unter das Erinnern" geben.

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Auf Einladung von Israels Präsident Reuven Rivlin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Nachmittag als erster deutscher Bundespräsident eine Rede in der nationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gehalten.

Bekenntnis zu historischer Schuld und Verantwortung in Yad Vashem

75 Jahre nach der Befreiung des NS-Todeslagers Auschwitz erinnerte Steinmeier an die historische Schuld und Verantwortung Deutschlands. "Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche." Der "industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden" und "der grausame Krieg, der weit mehr als 50 Millionen Menschenleben kosten sollte", seien von Deutschland ausgegangen.

Angesichts des bleibenden Bösen "darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern geben", sagte er laut Redemanuskript bei der Gedenkfeier in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Er stehe als Präsident "beladen mit großer Schuld" dort, sagte der Bundespräsident in seiner Ansprache auf Englisch. Steinmeiers Entscheidung, auf Englisch zu sprechen, begründete eine Sprecherin des Präsidialamtes damit, "mit Rücksicht auf die Opfer an diesem Ort nicht in der Sprache der Täter zu sprechen".

Steinmeier: "Gift des Nationalismus" bekämpfen

Vor rund 50 Staats- und Regierungschefs, Vertretern des Judentums und Israels sowie Überlebenden des Holocaust versprach der Bundespräsident:

"Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels!" Bundespräsident Steinmeier bei seiner Rede in Yad Vashem

Deutschland könne seiner selbst nur gerecht werden, wenn es dieser historischen Verantwortung gerecht werde. Daran solle Deutschland gemessen werden.

Warnung vor Rückfall in antisemitisches Denken

Gleichzeitig warnte der Bundespräsident die Deutschen vor einem Rückfall in antisemitisches, völkisches oder autoritäres Denken. "Wir wissen: Jeder Friede bleibt zerbrechlich. Und als Menschen bleiben wir verführbar", so Steinmeier. Er wünsche sich, sagen zu können, die Deutschen hätten für immer aus der Geschichte gelernt. Das könne er aber nicht angesichts von Hass und Hetze, Angriffen auf jüdische Schüler und dem jüngsten Anschlag auf die Synagoge in Halle.

"Die bösen Geister zeigen sich heute in neuem Gewand. Mehr noch: Sie präsentieren ihr antisemitisches, ihr völkisches, ihr autoritäres Denken als Antwort für die Zukunft, als neue Lösung für die Probleme unserer Zeit." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Steinmeier dankt für den "Geist der Versöhnung"

Der Bundespräsident drückte zugleich Dankbarkeit für die Einladung nach Yad Vashem und den "Geist der Versöhnung" aus. Steinmeier begann seine Rede in Respekt vor der religiös-jüdischen Tradition und Kultur auf Hebräisch mit dem Segen "Schehechejanu" (Hebräisch für "der uns am Leben erhalten hat"), mit dem Juden bei besonderen Anlässen Dankbarkeit für neue und außergewöhnliche Erfahrungen ausdrücken.

Am kommenden Montag (27. Januar) jährt sich die Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum 75. Mal. Die Gedenkveranstaltung in Yad Vashem stand bereits im Zeichen des Jahrestags. Steinmeier wird am Montag auch an der Gedenkveranstaltung in Auschwitz teilnehmen.

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Millionen Juden sind von den Nationalsozialisten ermordet worden. Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erinnert daran. Als erstes deutsches Staatsoberhaupt hielt Bundespräsident Steinmeier dort heute eine Rede.