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Steinmeier: Impfung ist kleiner Schritt in Richtung Normalität | BR24

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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einer Pressekonferenz in Berlin am 21.12.2020

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Steinmeier: Impfung ist kleiner Schritt in Richtung Normalität

In Deutschland wird die Impfung gegen Corona vorbereitet, jetzt hat die EU-Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für den Impfstoff von Biontech gegeben. Unterdessen sorgt eine mutierte Virus-Variante in Großbritannien für Einschränkungen für Reisende.

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Von
  • Birgit Schmeitzner

Wenn im großen Stil und möglichst schnell viele Menschen gegen geimpft werden sollen, können das nicht die Hausärzte bewältigen. Bundesweit werden gerade Impfzentren aufgebaut oder stehen schon bereit. Eines von sechs Zentren in Berlin hat am Vormittag Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) besichtigt.

Steinmeier sagte nach dem Rundgang, er sei beeindruckt. Er danke allen, die bei Aufbau und Logistik geholfen hätte und nach der Inbetriebnahme hier arbeiten werden. Heute sei ein Tag der Hoffnung, "jeder Impfvorgang ist ein kleiner Schritt in Richtung der Normalität, die wir uns wünschen". Das Licht am Ende des Tunnels werde ein klein wenig heller.

Söder: "Logistik steht"

Zum Stand der Vorbereitungen in Bayern sagte Ministerpräsident Markus Söder, alles sei startbereit. Bei einem Besuch in einem Impfzentrum auf dem Münchner Messegelände betonte Söder, "die Logistik steht". Entscheidend sei jetzt, ob es genügend Impfstoff gebe und sich ausreichend viele Menschen impfen ließen. Laut Söder gibt es in Bayern über hundert Impfzentren, dem Gesundheitsministerium zufolge können täglich insgesamt rund 30.000 Menschen im Freistaat geimpft werden.

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Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat die Bevölkerung bei einer Besichtigung eines Impfzentrums in München um Geduld gebeten. Es werde seine Zeit dauern, sagte Söder.

Arzneimittelbehörde empfiehlt Zulassung

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am Nachmittag ihr Gutachten zum Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer veröffentlicht. Das Gutachten basiert auf den Labordaten und Ergebnissen der klinischen Tests zu Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Wirkstoffes BNT162b2. Die EMA empfiehlt eine bedingte Marktzulassung für ein Jahr. Das setzt ein strengeres Testverfahren voraus als die zeitweise Notfallzulassung, die bereits in Großbritannien und den USA ergangen ist. Über die Zulassung in der EU entscheidet formal die EU-Kommission auf Grundlage der EMA-Empfehlung. Das dürfte schnell geschehen - noch vor Weihnachten.

Gesundheitsministerium: Impfdosen reichen für Herdenimmunität

Gibt die EU-Kommission grünes Licht, kann Biontech damit beginnen, die bereits produzierten Chargen auszuliefern. Weitere Chargen folgen, wenn sie produziert sind. Zu den Bestellmengen sagte der Pressesprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Hanno Kautz, Deutschland werde 55,8 Millionen Dosen über die von der EU ausgehandelten Verträge mit Biontech bekommen, zusätzlich weitere 30 Millionen Dosen über bilaterale Verträge mit dem Unternehmen.

Vom Anbieter Moderna erwarte man außerdem rund 50 Millionen Dosen des Impfstoffes, über den die EMA Anfang Januar entscheiden wird. Für den Impfschutz muss das Serum zwei Mal im Abstand von zwei bis drei Wochen gespritzt werden. Aus den genannten Bestellmengen ergibt sich laut Kautz, dass etwa 70 Millionen Bürger versorgt werden können – damit "wird die Herdenimmunität erreicht".

Mutiertes Virus in Großbritannien

Unterdessen sorgt eine mutierte Form des Corona-Virus für Reisebeschränkungen. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Wochenende über die Befürchtungen von Wissenschaftlern informiert, dass sich die neue Form viel leichter und dadurch schneller überträgt. Daraufhin beschlossen immer mehr europäische Länder, ihre Reiseverbindungen nach Großbritannien zu kappen - und zwar zu Luft, zu Wasser und über Land.

Diese Entscheidungen wurden dabei auf Basis einer noch unklaren wissenschaftlichen Informationslage getroffen, darauf weist der Virologe Christian Drosten hin. Drosten bezeichnet in einem Interview mit dem Deutschlandfunk das Vorgehen der Regierungen als "vorsichtig". Politiker müssten so handeln, zumal angesichts der "erhitzten Nachrichtenlage" in Großbritannien, die mit "einem ganz schönen Alarm versehen" gewesen sei.

Es könnte auch andere Erklärungen für Anstieg geben

Laut Drosten sind die britischen Wissenschaftler jetzt dabei, ihren Verdacht zu prüfen. Das Ergebnis werde binnen weniger Tage vorliegen. Sollte sich das mutierte Virus deutlich leichter übertragen, ließen sich dadurch die jüngst rasant steigenden Infizierten-Zahlen im Süden von England und in London erklären.

Drosten und andere Experten geben allerdings zu bedenken, dass es auch andere Erklärungen geben könnte: Etwa, dass in den betroffenen Regionen der Lockdown nicht streng genug war oder die Regeln nicht eingehalten wurden. Laut Drosten muss abgeklärt werden, ob das mutierte Virus die Welle ausgelöst hat oder ob es durch eine sich ohnehin aufbauende Welle mit "hochgespült" wurde.

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